Bauers Depeschen


Samstag, 15. März 2014, 1260. Depesche


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DAS WAR NIX: Stuttgarter Kickers - Chemnitzer FC 0:3

 

FLANEURSALON IM LAB

Am Mittwoch, 28. Mai 2014, 20 Uhr: Der Flaneursalon gastiert endlich in Stuttgarts ältestem Live-Club, im LABORATORIUM im Osten. Mit Stefan Hiss & Friends, Dacia Bridges & Uwe Metzler (g), Roland Baisch.



DIE PAPIERTIGER IM CAFE WEISS:

FÜR DIENSTAG SIND NOCH PLÄTZE FREI

Klaus Bittermann, Berliner Verleger (Edition Tiamat) und Autor ("Alles schick in Kreuzberg"), ist am Dienstag, 18. März, mein Gast in der Reihe "Die Papiertiger" im Café Weiß. Der Leseabend mit Liedern von Roland Baisch & The White Tigers beginnt um 19.30 Uhr. Eintritt frei. Reservierungen (Mo - Sa ab 19 Uhr): 07 11/24 41 21. Kostproben von Bittermanns Flaneur-Notizen findet man in der Depesche vom 7. März.



Der Klick zum

LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



UNTER WÖLFEN

Es war Mitte März und fast schon Sommer, als ich die Stadtwohnung im Erdgeschoss des Leonhardsviertels besuchte. Ledersofa, Chesterfield-Sessel, rundes Tischchen, Fernseher. Der Fernseher, noch nicht auf Flachbild-Niveau deformiert, ließ sich problemlos an den spirituellen Energiespender der Nachbarschaft anschließen. Die Männer und Frauen von der Straße hatten ihr Wohn-Ensemble an der Leonhards­kirche aufgebaut. Beim Blick auf das Open-Air-Loft in der City wurde ich ­etwas  neidisch, auch weil mir einfiel, wie einige meiner aussichtsreichsten Liebesabenteuer­pläne im Lauf der Jahre allein mangels  ­Balkon und Terrasse gescheitert waren.

Das gute Wetter tröstete mich. Es war der 13. März, als es hieß, man werde den Fußballgott Uli Hoeneß ins Gefängnis sperren. Ein schwerer Schlag an diesem Tag, da man unter dem blauen Himmel über dem Leonhardsviertel die Lust auf Freiheit spürte. Wäre ich nicht Spaziergänger, sondern Strafrichter geworden, hätte ich allerdings eine härtere Buße für das größte Verbrechen des Bayern-Bosses verhängt:

Im Oktober 1988 verkündete Hoeneß der Welt, er werde im Olympiastadion Freibier ausgeben, falls der FC Bayern mit weniger als drei Toren Unterschied gegen die Stuttgarter Kickers gewänne. Man muss wissen, dass wir damals, weltweit als Blaue Götter gefeiert, in der ersten Liga spielten. Aufgrund der Prophezeiung verloren wir 0:3.

Hoeneß hieß fortan Höhnisch, unsere Lust auf Rache war groß, und unsere Schreie nach Gerechtigkeit verhallten nicht ungehör­t­ in den Kaschemmen der Altstadt . Schon im Rückspiel am 13. Mai 1989 im Neckarstadion erledigten wir die Leder­hosen 2:0. Zwar stiegen wir danach in die zweite Liga ab, aber nach einigen Stoß­gebeten in der Leonhardskirche wieder auf.

Das war nicht alles. Am 5. Oktober 1991 zerlegten wir die Bayern in ihrem eigenen Stadion 4:1. Damit war ich privat mit ­Hoeneß eigentlich quitt. Nicht aber sein irdischer Richter, der mit Milde einem Gesetz des Fußballs folgte: Ein Angriff auf die Ehre der Stuttgarter ­Kickers verjährt niemals.

Damit verlasse ich eines der größten ­Kapitel in der bald 115-jährigen Geschichte der Stuttgarter Kickers und gehe ins Kino. Die Sache Hoeneß erinnert viele an Martin Scorseses grandiosen Film „The Wolf of Wall Street“, die mit zynischem Humor inszenierte Geschichte des Börsen-Zockers Jordan Belfort, gespielt vom großen Leo­nardo DiCaprio. Prompt sah ich im Fern­sehen dieses Transparent: „The Wolf of Wurstfabrik“. Der Vergleich mit Hoeneß hinkt etwas, weil sich der durchgeknallte New Yorker Geldhai ja weniger auf Freibier als auf Unmengen Koks und Huren einlässt.

Größenwahnsinnige Machos in den kapitalistischen Kasinos des deregulierten Marktes sind zwar gang und gäbe. Mit Blick auf den Schauplatz müsste der Ehrentitel „The Wolf of Wall Street“ ­allerdings dem Bayern-Milieu angepasst ­werden: „Der Spitz von der Säbener ­Straße“, „Der Mops von München“ etc. Solche Wortspiele aber wären selbst angesichts der verletzten ­Kickers-Würde niederträchtig.

Der Wahrheit dient eine andere Geschichte. Als Hoeneß 1988 mit seinem Freibier protzte, stellte der damalige Kickers-Präsident Axel-Dünnwald-Metzler eine psychiatrische Diagnose, die uns heute zu denken geben müsste: Als Fußballer, sagte er, habe Hoeneß zu viele Kopfbälle getätigt.

Nicht mein Bier. Viel wichtiger: An ­diesem Samstag müssen wir das Spiel gegen den Chemnitzer FC gewinnen. Anpfiff ist um 14 Uhr auf dem Kickersplatz. Ich bitte um rauschenden Beifall, wenn uns die Wölfe von der Waldau wieder alle Ehre machen.



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