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# 2977 | 16.11.2018 12:48:44 | nesenbacher schrieb:
@2032. Depesche
Passend zur Kolumne "Schwarzer Magier" lautet das Jugendwort des Jahres "Ehrenmann/Ehrenfrau". Das kann sich eigentlich keiner ausdenken. Ich fress meinen Langenscheidt.
Joe:Ehrenmann: Seit jeher mein Lieblingwort. Als junger Kerl gelernt in Mafiafilmen - und im Rotlichtmilieu der Altstadt.

# 2976 | 10.11.2018 15:41:35 | Wilfried Harthan schrieb:
@ Depesche 2029

Eine große Rede zum 80. Jahrestag der Pogromnacht! Schön auch das Lied zun Tag: Boulevard St. Martin von Hannes Wader. Es erzählt von dem Juden, Kommunisten und Résistance-Kämpfer Peter Gingold aus Frankfurt. Bis zu seinem Tod ist er ein unermüdlicher Mahner gegen alte und neue Nazis geblieben. Er hat einmal gesagt:

„1933 wäre verhindert worden, wenn alle Gegner der Nazis ihren Streit untereinander zurückgestellt und gemeinsam gehandelt hätten. Dass dieses gemeinsame Handeln nicht zustande kam, dafür gab es für die Hitlergegner in der Generation meiner Eltern nur eine einzige Entschuldigung: Sie hatten keine Erfahrung, was Faschismus bedeutet, wenn er einmal an der Macht ist. Aber heute haben wir alle diese Erfahrung, heute muss jeder wissen, was Faschismus bedeutet. Für alle zukünftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschismus nicht verhindern!“

Ein großes Wort, passend zu einer großen Rede.
Joe:Danke Dir, Wilfried. Hauptrednerin bei unsere Veranstaltung war Silvia Gingold, die Tochter von Ettie und Peter Gingold, die beide in der Résistance kämpften. Den Abend beendeten wir mit der Einspielung von Hannes Waders Lied.

# 2975 | 03.11.2018 00:11:01 | Gerhard Friedel schrieb:
Julia Schröders Beitrag vom 03.11.2018

Lieber Joe Bauer, haben Sie was gegen Beutelsbach? Laden Sie doch mal Pfr. Köpf samt Akkordeon zu einem Flaneursalon ein ;-)

Viele Grüße

# 2974 | 31.10.2018 11:26:12 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
Schwenningen wäre super. Schwenningen weckt wärmende Erinnerungen. Am 19. März 1977 gewann Bayern Hof gegen den BSV Schwenningen in der damaligen 2. Bundesliga Süd mit 10:1. Einer der ca. 2.000 Zuschauer war ich, und zwar, in beiden Halbzeiten, hinter dem Tor der Schwenninger. Stets auf Augenhöhe, wenn man so sagen will, mit dem Arsch des Schwenninger Torwarts. Spiele, wie es so schön in einschlägigen Kreisen (Lothar Matthäus et. al.) heißt, „die wo man nie vergisst“. Aber alles ist schwieriger geworden. Man kann nicht ausweichen. Es geht nicht um Schwenningen, sondern um Villingen, und Villingen ist sterbenslangweilig. Kein Mensch interessiert sich für Villingen. Niemand. Villingen? Ach was! (Regieanweisung: weit wegwerfende Handbewegung!)

Zentral im Herzogtum Alamannien gelegen, dürfte so mancher Villinger Alt-Alamanne im Blutgericht zu Cannstatt(sic!) von 746 eine Pechsträhne gehabt haben. Abgabenpflichtig dem Kloster St. Gallen, wie wir aus einer Urkunde Ludwigs des Frommen von 817 wissen. Beute der Alaholfinger, die sich gar zu gerne Herzog von Schwaben genannt hätten, was aber dem Erchanger recht übel ausgegangen ist, denn der wurde 917 bei Spaichingen, der Heimat des früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel, einen Kopf kürzer gemacht. Alles ziemlich fatal, alles ein spezifisch schwäbisches Desaster, wirr und verquollen, wobei, um das alles noch mehr zu verknoten, Villingen ja dem badischen Landesteil angehört. Immerhin stammt aus Villingen der Georg Pictorius (1500-1569), ein Lichtblick:

„Pictorius veröffentlichte in seinem Werk als eine von drei Abhandlungen auch eine Stellungnahme zur Frage, ob Hexen verbrannt werden sollten (,An sagae punienda … ‘). Er widersprach darin der Ansicht des Augustinus, dass Hexen sich mit Dämonen nicht so vereinigten, dass sie Nachkommen hätten, sondern schloss sich der Ansicht eines ‚Marcus Cherrhonesus’ an, wonach Dämonen überaus fruchtbar seien und Geschlechtsteile und fruchtbaren Samen besäßen. Dies führe zu Nachkommen, die zwar keine Ähnlichkeit mit menschlichen Kindern hätten, sondern fast affenartige Missgeburten seien. Der weiteren Verbreitung von Hexen könne nur Einhalt geboten werden könne, wenn diese verbrannt würden.“(1)
Als Gewährsmann für die „Fertilität des Dämonenspermas“ taucht Pictorius denn auch im Roman „Melodien“ des 1964 in Esslingen geborenen Helmut Krausser auf (2).

Es nützt aber alles nix. Villingen, Spitzenreiter der Oberliga Baden-Württemberg, ist ein Elend, eine Strafe, ein Untergang.
Angucken – Dämonen hin, Dämonen her – müssen wir es trotzdem.

Stuttgarter Kickers vs. FC 08 Villingen
03.11. 18, 14 Uhr
Kickersplatz auf der Waldau (1) historicum.net. Geschichtswissenschaft im Internet
https://tinyurl.com/ybyluexe

(2) Helmut Krausser, Melodien. (Neufassung) Köln 2014
Zit. nach:
https://tinyurl.com/yavukjuf

# 2973 | 22.10.2018 21:27:25 | Timo schrieb:
Bester Jubiläums Flaneursalon seit 20 Jahren..... von allem ebes....s ogar eine Standman einlage..... unfreiwillig, sah aber denoch sehr Professionel aus...
Gut gemacht alter Mann.... :)

# 2972 | 22.10.2018 09:10:07 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
@2970

Lieber Wilfried,

wie wahr, wie wahr! Das samstägliche Desaster auf der Waldau neigte sich bereits dem ersehnten Ende zu, als mein langjähriger Nebensitzer meldete, dass es unten in Cannstatt bereits 0:1 stünde. Ein Quantum Trost, wie wir Geheimagenten sagen.
Auf der Heimfahrt vermeldete das Radio dann ein vorweihnachtliches Klingeln nach dem anderen, das sich mir süß in die Ohren träufelte. Was einen sehr ge- und verbrauchten Waldaunachmittag natürlich nicht vollends aufwiegen kann. Aber man nimmt diesbezüglich, was man kriegt. (Sagte der Boxer, als er auf den Brettern lag).
Sei’s drum, immer noch Spitzenreiter in der Oberliga Baden-Württemberg. Wer kann das schon von sich sagen. Im Spieleparadies Ravensburg wird neu gewürfelt...

# 2971 | 21.10.2018 22:59:46 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
Der Chef als Cascadeur… immer wieder überraschend, immer wieder neue Talente! Das „betreute Spaßmachen“ im „Jubiläums-Salon“ im Gustav-Siegle-Haus – war ich, glaube ich, auch noch nie - hat wieder rundum Spaß gemacht. Oder genauer: Einwandfrei!

# 2970 | 21.10.2018 18:16:50 | Wilfried Harthan schrieb:
@ #2969

Lieber Uwe,
wieder mal hast du alles gegeben, und dann dies: 2:4 gegen einen ein Spiel- und Gesangverein. An dir hat es jedenfalls nicht gelegen. Möge das schwarzgelbe 4:0 gegen die Lampen dem Salon ein Trost sein. Zum Schluss noch - das Einverständnis des Chefs einfach mal unterstellt - eine kleine Schleichwerbung, Christoph Ruf: Fieberwahn - Wie der Fußball seine Basis verkauft. Hier wird sehr prägnant auf den Punkt gebracht, was einem als Fan so alles schwer im Magen liegt. Sehr Lesenswert.

# 2969 | 19.10.2018 14:56:07 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
„Ein Name, so geisterhaft, nachtflügelig und fledermäusig!“ (1)

Ein Omen zweifellos. Aber wie will es sich recht deuten. Das Unbehagen, das sich, wie immer, grummelnd meldet, wird nicht geringer, wenn wir dem Fortgang wagend folgen:

„Als du sehend wurdest, prangte um dich her ein Frucht- und Gartenland, ein Land der wohltätigen Sonne, wiewohl damals noch nicht so reich und fruchtbar wie später, doch zum Paradiese geschaffen wie kein anderes, wenn die Menschen wollten ein wenig unschuldiger und paradiesischer sein! Deine Heimat ist das Kernstück des Landes, durch das der Neckar in schimmerndem Bogen läuft, die goldene Mitte des Herzogtums Württemberg.“(2)

Das Paradies? Am Neckar? Wie nun dieses?

Die Rede hier ist selbstverständlich von Johann Friedrich Flattich (1713-1797), evangelischer Geistlicher, Verfasser einschlägiger und im pietistischen Schwaben einflussreicher „Hausregeln“ und Mittelpunkt wenn auch offenkundig weitgehend ahistorischer Anekdoten. Einschlägiges, auch zu Carl Eugen und das Perückenmehl-Problem in seinem Verhältnis zur Spätzleszubereitung im Internet leicht auffindbar, etwa auf der Seite der schönen Stadt Korntal-Münchingen.

Johann Friedrich Flattich nun wurde „sehend“ in Beihingen, heute ein Ortsteil von Freiberg am Neckar, desselbigen Freibergs, dessen „Sport- und Gesangverein“ zu empfangen wir auf dem Kickersplatz morgen die Ehre haben. Ob der Sport oder der Gesang im Mittelpunkt stehen werden, dieses wissen wir heute noch nicht. Es kommt auf den B-Block an, der auch diesmal freilich wieder am G-Punkt wird hängen müssen.

Wir sind, was die Auspizien des morgigen Spiels betrifft, jedoch noch nicht am Ende. Eben jener Georg Schwarz (1902-1991), dem wir die biografischen Skizzen zu Flattich verdanken, in Nürtingen gebürtig, Mitarbeiter des berühmten „Simplicissimus“ in den späten 20er und 30er-Jahren, spielt – möglicherweise – noch so seine Rolle: nämlich als Lektor der Romans „Die Reise nach Waldprechting“ von Johannes Freumbichler (3). Ob beide Georg Schwarzens tatsächlich identisch sind, konnte ich auf die Schnelle nicht feststellen, jedoch mag einiges darauf hinweisen. Freumbichlers Roman erschien 1942 im Verlag Eugen Händle zu Mühlacker, in dem zuvor auch Schwarzens Roman „Der Pfeffer von Stetten“ erschienen ist. An Zufall ist hier, auch in Hinblick auf die Waldau knapp 80 Jahre später, schwer zu glauben.

Johannes Freumbichler aber ist, wie wir alle seit den einschlägigen autobiographischen Romanen seines Enkels wissen, der – hochverehrte - Großvater von Thomas Bernhard.

Weht also, und welches Omen ist nun wieder dieses, der Geist des großen Thomas Bernhard morgen über der Waldau? Und zu wessen Frommen? Oder Schaden? Die Waldau im Herbst wird es weisen:

Stuttgarter Kickers vs. Sport- und Gesangverein Freiberg
20.10. 2018, 14 Uhr
Kickersplatz auf der Waldau

1) Georg Schwarz: Tage und Stunden aus dem Leben eines leutseligen, gottfröhlichen Menschenfreundes, der Johann Friedrich Flattich hieß. Tübingen 1940. Zit. nach http://gutenberg.spiegel.de/buch/-7807/2
zu Georg Schwarz. Neben Wikipedias, etwa auch: Steffen Seischab, Der innere Emigrant. In: Nürtinger Zeitung v. 21.2. 2015
Schwarz ist etwa auch als Verfasser der Romanbiografie „Jerg Ratgeb“ hervorgetreten, womit wir im Bauernkrieg auch noch gelandet wären.
2) a.a.O.
3) vgl. Bernhard Judex, Der Schriftsteller Johannes Freumbichler 1881-1949. Wien-Köln-Weimar 2006, passim

# 2968 | 16.10.2018 19:16:49 | Rudolf Reinhardt schrieb:
Depesche „Rummel der Rührung“ vom 11. 10. 18

Ich habe das historische Volksfest auch besucht und war hellauf begeistert. Schön wäre es, wenn das jedes Jahr stattfinden würde. Mitten in der Stadt, nicht auf dem Wasen. Auf dem Wasen würde ich diese Veranstaltung sicher nicht besuchen.

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