Bauers Depeschen


Freitag, 28. Februar 2014, 1251. Depesche


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WERTE GÄSTE,

immer noch Ferien. Am heutigen Freitag (20 Uhr) spreche ich bei der Eröffnung von Jens Frankes Foto-Ausstellung "little districts" in der Galerie Kunstbezirk im Gustav-Siegle-Haus. Thema: Flanieren. Ich mache das, weil das Ganze im Leonhardsviertel stattfindet ...



DIE PAPIERTIGER IM CAFE WEISS

Die 4. Folge unseres Leseabends mit Liedern im Café Weiß findet am Dienstag, 18. März, statt. Mein Gast in der Reihe "Die Papiertiger" ist der Berliner Verleger und Autor Klaus Bittermann ("Alles schick in Kreuzberg"). Musik machen Roland Baisch & The White Tigers. 19.30 Uhr. Eintritt frei. Bitte rechtzeitig reservieren: 07 11/24 41 21 (Mo - Sa ab 19 Uhr).



FLANEURSALON IM LAB

Mittwoch, 28. Mai 2014, 20 Uhr. Der Flaneursalon endlich in Stuttgarts ältestem Live-Club: im Laboratorium im Osten. Mit Stefan Hiss & Friends, Dacia Bridges & Uwe Metzler (g), Roland Baisch.  



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LIED DES TAGES



ENTENJAGD

Die B 29 ist eine Bundesstraße, die zurzeit repariert wird und deshalb fürs Autofahren etwas eng ist. Mir kann das Wurscht sein, weil ich Egoist, sprich Fußgänger bin. Dann saß ich doch in einem kleinen Auto und fuhr auf dieser nach dem Vorbild der Deutschen Bahn etwas eingleisig angelegten B 29 am schönen Schorndorf im Remstal vorbei. Sie kennen Schorndorf, es heißt nicht umsonst so. Wohl deshalb steht an der Ausfahrt ziemlich großspurig ein Schild: „Schorndorf – Die Daimlerstadt“.

In den vergangenen 179 Jahren hat sich zum Glück bis zu mir herumgesprochen, dass Herr Gottlieb Daimler in der berühmten Höllgasse Sieben zu Schorndorf das Licht der Welt erblickte. Einem größeren Publikum wurde Herr Daimler bekannt, weil er die Ärmel hochkrempelte, als er gemerkt hatte, dass es zur Belebung der B 29 in Schorndorf kein einziges Auto gab.

Schorndorfs Künstlername „Die Daimlerstadt“ verrät etwas über die Sehnsucht einer Stadt, mehr zu sein. Städte legen sich gern Beinamen zu. Pforzheim, die Heimat des berühmten Herrn Mappus, leuchtet als „Goldstadt“, Freiberg in Sachsen glänzt als „Silberstadt“, nur New York fault etwas ab als Großer Apfel. Im Fall Stuttgart wiederum ist nicht geklärt, welcher ihrer vielen Beinamen die Stadt aufwertet. „Landeshauptstadt“ klingt arg bieder, „Hegelstadt“ versteht kein Menschen, und „Großstadt zwischen Hängen und Würgen“ ist schon etwas abgedroschen. In der Fremde kennt man sowieso bloß die Porschestadt Zuffenhausen und ist der Meinung, sie liege im Herzen des Schwarzwalds. In Amerika glauben die meisten Leute sogar, das echte Stuttgart liege irgendwo vergraben in Arkansas, dem Bundesstaat, wo der bekannte Saxofonspieler und Demokrat Bill Clinton herkommt.

Leider war ich noch nie in Stuttgart/Arkansas, habe aber gehört, dass in dieser Gegend der hochwertige Reisanbau eine so tragende Rolle spielt wie bei uns das verdauungsfördernde Filderkraut. Außer dem Reis ist dort das Schießen auf noch lebende Flugenten eine so große Nummer, dass sich Stuttgart/Arkansas offiziell „Welthauptstadt der Entenjagd“ nennt. Es gibt in dieser Stadt glorreiche Entenabschuss-Meisterschaften und deshalb auch einen florierenden Handel mit Lockpfeifen, mit Instrumenten, deren Sound man in Stuttgart vor allem von den Gänsemärschen der Bahnhofsdemonstranten kennt.

Es ist als sehr wahrscheinlich, dass es die Lockpfeifen von Stuttgart/Arkansas waren, die einst den US-Präsidenten Bill Clinton die Kunst der Blasmusik schmackhaft machten.

Stuttgart mit Blick auf seinen lustigen Eckensee neben den Staatstheatern im Schlossgarten als „Weltentenhauptstadt Nummer zwo“ wertzuschätzen, wäre für mich eine schöne Idee. Leider sprechen die fehlenden Reisfelder dagegen und die öko-diktatorische Verordnungen der Grünen im Rathauses. Der Stuttgarter Eckensee ist als Entenschutzgebiet ausgewiesen, die Gesetze an diesem Ort verbieten damit auch die Jagd auf Schwäne, Flamingos und die berühmten schwäbischen Sommerfest-Pfauen.

Mit Stuttgart/Entenhausen wird es also vorerst nichts werden, so dass sich die Stadt wie in der Vergangenheit mit Marketing-Krücken begnügen muss, mit Adelstiteln wie „Stadt zwischen Hängen und Würgen“, „Let’s-putz-Stadt“ oder „Bad Cannstatt“. Ziemlich unglaubwürdig klingt der Beiname „Fußballstadt“. Das liegt allein am VfB, und nicht etwa an den Stuttgarter Kickers, die überall in den Straßen die durch und durch sozialistische Botschaft plakatieren: „Deine Stadt. Deine Farbe. Dein Verein“.

Warum uns die Enten in Stuttgart zur Erlangung einer gewissen Berühmtheit keine Schützenhilfe geben können, haben wir bereits geklärt. Nicht allerdings, warum auf Stuttgarts Weltbedeutung ausgerechnet die Existenz eines Dorfs namens Filderstadt-Plattenhardt große Schatten wirft. Stuttgart/Arkansas feiert in diesem Jahr nämlich nur deshalb seinen 135. Geburtstag, weil sich dort im Jahre 1878 Herr Adam Bürkle aus Plattenhardt mit seinen Leuten an einem Teich mit Gummibäumen niederließ. Herr Bürkle aus Plattenhardt war schlau. Ein paar Jahre nach der Eroberung des Gummibaum-Teichs baute er eine Hütte an den Schienen der neuen, vom Tümpel nur wenige Meter entfernten Eisenbahn und brachte an dieser Bretterbude ein Schild mit der Aufschrift an: „Stuttgart“. Schon bald darauf blühte an diesem Ort in Arkansas das große Geschäft. Später übernahmen dieses Bahnhofskonzept europäische Immobilienhaie und machten es unter dem Markennamen „Stuttgart 21“ berüchtigt.

Dieses verdammtes Plattenhardt. Nicht nur Herr Bürkle ist in der Neuen Welt ein großer Mann geworden. Ein gewisser Herr Jacob Brodbeck, 1821 in Plattenhardt geboren, war schon 1846 nach Amerika ausgewandert; heimisch wurde er in Fredericksburg in Texas. Zunächst arbeitete er als Lehrer, machte aber bald als wagemutiger Flugpionier Schlagzeilen. 1865 gelang es ihm, auf einem Feld bei Luckenbach in der Nähe von San Antonio/Texas mit seinem von Federwerken angetriebenen „Airship“ einen Flug über dreißig Meter zu absolvieren. Eine Sensation.

Die Leute in Fredericksburg haben Jacob Brodbeck aus Plattenhardt deshalb ein Denkmal gesetzt, und es steht bis heute. Und die Gemeinde Luckenbach ist Jahr für Jahr ein berühmter Festival-Schauplatz für Country- und Western-Liebhaber aus aller Welt. „Luckenbach, Texas“ heißt ein Song des großen, leider schon verstorbenen Country-Stars Waylon Jennings.

Vor diesem historischen Hintergrund sollte sich Stuttgart nicht länger mit Beinamen wie „Kessel“, „Kaputtgart“ oder „Stammheim“ abmühen, um sich in der Welt bemerkbar zu machen. Die Lösung heißt: „Stuttgart bei Plattenhardt“ – so wahr wie eine Ente nicht alt wird in Stuttgart/Arkansas.



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