Bauers Depeschen


Dienstag, 13. August 2013, 1156. Depesche


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Lieber Zu Weit Gehen Als Gar Nicht.



FLANEURSALON LIVE ...

... am Montag, 4. November, im THEATERHAUS (20 Uhr): mit Dacia Bridges & Wolfgang Dauner, Toba Borke & Pheel, Los Santos (mit Stefan Hiss), Roland Baisch - und als Gast Uta Köbernick. Kartentelefon: 07 11 / 4020 720.



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Die aktuelle StN-Kolumne:



BLICKBEZIEHUNGEN

Die vergangenen Tage, die dann doch nicht meine letzten waren, habe ich mich kaum bewegt. Mit der Linie 7 zu den Stuttgarter Kickers und zurück ins Jammertal, reicher um die Erkenntnis, dass Fußball das Leben nicht zwingend bereichert.

Dem Flaneur fiel das Herumgehen schwer. Im Computer herumgefuhrwerkt, auf der Suche nach Ereignissen, die dem Leben in der sommerträgen Stadt etwas Leben geben. Ich wurde fündig. Der in Stuttgart geborene und aufgewachsene Filmproduzent Peter Rommel, ein un­verbesserlicher VfB-Fan im Berliner Exil, bringt diese Woche „Feuchtgebiete“ in die Kinos. Damit sind wir beim Thema.

Die Grünen im Rathaus haben einen Plan ausgeheckt, der die Geschichte des Neckars revolutionieren wird. Ihr wegweisender Antrag an die Stadtverwaltung zeugt schon im ersten Satz von hartnäckigen Recherchen im Stuttgarter Niemandsland zwischen Stadt und Fluss: „Das Mineralbad Leuze“, enthüllt das Parteipapier, „liegt am Neckar.“ Noch schärfer wäre diese Beleuchtung: „Der ­Neckar liegt am Mineralbad Leuze.“ Dank dieser Zuordnung, wie wir Fußballer sagen, müssten sogar Grüne den Neckar mit ihrem Navi finden. Ihre logistische Analyse bringt das Kernproblem der Stuttgarter Desorientierung auf den Punkt: „Das Mineralbad Leuze liegt am Neckar. Leider ist dies als Besucher des Leuzes nur schwer festzustellen.“

Das liegt nicht nur an der verspiegelten Sonnenbrille. Fatal ist, dass bei den radikalen Korrekturen des Fluss­verlaufs in der Vergangenheit die Ingenieure nie auf die Idee kamen, den Neckar direkt ins Leuze umzuleiten. Bis heute ­planschen dort die Leute ahnungslos im gefährdeten Mineralwasser, obwohl frisches Flusswasser an ihnen vorbeizieht. Die Grünen erklären das Dilemma: „Insbesondere im Freibereich trennt eine hohe Mauer das Leuze vom ­Neckar, und dieser Bereich hat die Anmutung, als ob hinter dieser Mauer eher ein Anlieferungsbereich als der Fluss ist.“

Meine Vermutung über die Anmutung: Die Leuze-Architekten haben die hohe Mauer errichtet, damit die Stadträtinnen und Stadträte beim Baden im Leuze nicht einen fundamentalistischen Schritt zu weit gehen. Und deshalb in einem Fluss ersaufen, von dem sie nie gehört haben. Der „Anlieferungsbereich“ hinter der Mauer ist seit jeher Realität: Neben abgefahrenen Auto­reifen und toten Fischen schwemmt der Neckar auch politische Leichen an, vorzugsweise solche, die ihn ein Leben lang ignoriert ­haben. Diese Herrschaften liegen anschließend in den Rentnerstühlen des Leuze-Bads und schnarchen genauso weiter, wie sie es im Rathaus gelernt haben.

Die Grünen denken weiter: „Das ­Thema, wie man die Stadt und damit auch ihre Einrichtungen wieder an den Fluss bringt, ist ein Thema, welches die Bürgerinnen und Bürger stark beschäftigt.“ Genau. Schon rein thematisch ist das Thema ein Thema. Die Grünen sagen, warum: „Eine Öffnung des Freibereichs des Leuzes hin zum Neckar wäre eine Steigerung der Attraktivität. Eine Freitreppe und ein Sitzbereich zum Wasser hin mit einem Blick auf den Neckar wäre eine Attraktion für das Bad.“

Sag ich doch: Eine Attraktion für das Bad wäre eine Steigerung der Attraktivität, vor allem zum Wasser hin mit einem Blick auf den Neckar. Den Neckar hätte man ­damit zwar noch nicht an die Stadt und nicht ins Bad gebracht, aber die Grünen sind bekanntlich die Partei der Kompro­misse: „Wir sind uns bewusst, dass ein Bad im Neckar nicht oder noch nicht geht, aber die sicht­bare Öffnung hin zum Wasser wäre auch schon ein Erfolg und ­würde das Bad am Neckar auch an den ­Neckar bringen.“

Keine Frage: Die unsichtbare Öffnung im hinteren Anlieferungs­bereich der Grünen hin zum Wasser könnte manche Dinge so flott in Fluss bringen wie das Bad am ­Neckar an den Neckar. Die Grünen haben die Verwaltung bereits aufgefordert zu prüfen, „wie eine Öffnung des Mauer­abschnitts im Freibadbereich des Leuzes gemacht werden kann, so dass eine attrak­tive Sitzmöglichkeit in Form einer Treppe zum Neckar oder einer Plattform gemacht werden kann und insbesondere die Blick­beziehungen aus dem Bad in Richtung Neckar deutlich verbessert werden können.“

Was kann da gemacht werden? Womöglich könnten die Blickbeziehungen aus dem Bad in Richtung ­Neckar durch eine Öffnung des Mauerabschnitts den Neckar böse ­machen. So wie ich ihn kenne, lässt er sich nicht von den gaffenden Urhebern dackelhafter Bürokratenfloskeln an­machen. Es wäre für die Grünen deshalb unklug, beim nächsten ­Leuze-Bad ihre Blickbeziehung zum Fluss mit einer attraktiven Sitz­möglichkeit in Form einer Treppe aus­­­zuleben. Spannern in Feuchtgebieten reicht gemeinhin eine Bock-Leiter.



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