Bauers Depeschen


Dienstag, 05. Februar 2013, 1052. Depesche


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IM MAI IN DER RAMPE:

DIE FLANEURSALON-FAMILIEN-BANDE

Für Freitag, 17. Mai, ist die Flaneursalon-Familiensaga im THEATER RAMPE geplant: Roland Baisch tritt mit seinem Sohn Sam Baisch auf, Zam Helga mit seiner Tochter Ella Estrella Tischa. Dazu haben wir den Rapper Toba Borke und seinen Beatboxer Pheel im Programm. Talkin' 'bout my generation ... Der Vorverkauf hat begonnen.



SIGNIERTE BÜCHER BEI RATZER

Es gibt wieder signierte Exemplare meines Buchs im Plattencafé Ratzer Records am Leonhardsplatz.



SOUNDTRACK DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



ZIEMLICH DICK

2013 wird ein großes Stuttgart-Jahr. Ein historisches nicht nur deshalb, weil der ehemalige Fallschirm­jäger Gerhard Mayer-Vorfelder am 3. März seinen 80. Geburtstag feiert. 2013 ist das Jahr, in dem Brüderles Bar-Affäre auf Stuttgarter ­Territorium die neue deutsche Sexismus-­Debatte in Gang setzte. Brüderles ­Bagger-Attacke hat inzwischen mehr Medien­wirbel aus­gelöst als der Abriss der beiden Bahnhofsflügel zusammen.

Neulich brachte die oberste Zwangs­gebühren-Anstalt des deutschen Staatsfernsehens zwei Faschingsaufführungen hintereinander zur besten Sendezeit. Erst präsentierte die ARD neunzig Minuten lang die Prinzen-Inthronisation aus Frankfurt am Main, anschließend weitere anderthalb Stunden die Schiffershow „Bütt an Bord“ – mit Top-Narren vom ­Neckar, Rhein und Bodensee.

Ich habe schon einige nervenaufreibende Unterhaltungsstunden mitgemacht: eine Schlagershow mit Andrea Berg in der Schleyerhalle, Spiele der Stuttgarter ­Kickers gegen Karlsruhe auf der Waldau, den Wahlkampf-Auftritt von Angela ­Merkel auf dem Marktplatz. Nie aber erlebte ich ähnlich emotionale Erschütterungen wie bei den ­ Faschings­sendungen im Fernsehen des Jahres 2013, den Nabelschauen der deutschen Leitkultur.

Das Adjektiv „unbeschreiblich“ taugt nichts für einen Schreiberling, weil er damit seine eigene Unfähigkeit dokumentiert. Das Wort „beschreiblich“ existiert leider nicht, denn zu beschreiben sind Szenen aus einer Fernsehsendung durchaus, sofern man keine Skrupel hat, sich die Schmierfinken­finger noch schmutziger zu machen, als sie eh schon sind.

Wenn ein angemalter Witzbold mit Deppenkostüm in seltsamem Dialekt berichtet, wie er erst zur Blut- und dann zur Samenbank geht, wird daraus eine Metapher seines differenzierten Frauen­bildes: Nach eigenem Bekunden trifft unser Komiker auf eine Krankenschwester, die so dick ist, dass er, wenn er mit ihr um acht ins Bett geht, erst um zwölf dort ankommt, wo er hinwill.

Das ist ein Beispiel für deutschen ­Fernsehfaschingshumor vom Neckar, Rhein und Bodensee. Dagegen darf man nichts sagen, weil diese traditionsreiche deutsche Volkskultur ARD und ZDF Millionen ­Zuschauer bringt. Wer mir erzählt, beim „RTL-Dschungelcamp“ handle es sich um „Ekel-Fernsehen“, wird er es schwer haben, für die humorlosen Pappnasen-Shows in den öffentlich-rechtlichen Sendern einen ähnlich präzisen Begriff der Wertschätzung zu finden.

Wie gesagt, wir befinden uns im Jahr 2013, in der heißen Phase der neuen deutschen ­Sexismus-Diskussion. Wenn ich mich auf Inszenierung und Moderation von Shows wie „Bütt an Bord“ einlasse, gehe ich über mein libidinöses ­Limit. Sich mehr als zwanzig Minuten diesen Nummern aus­zusetzen bedeutet Selbstgeißelung.

Mit feuchter Aussprache vorgetragene Zoten aus Bänden namens „1000 Witze für 4,80 Euro“ werden so gnadenlos in das ­Tä-tä der Kapelle und die Beingymnastik der Tanzriege ein­gebettet, bis auch in der hintersten Euro-Reihe irgendein Groschen fällt. Das sind Sternstunden der Erotik nach dem Erfolgsrezept Schunkeln & Spagat.

Vor diesem Hintergrund ist es vor allem im Fernsehen große ­Komik, im Jahr 2013 die Akte Brüderle zu diskutieren. Zumal die pointenfreien Sex-Witze und rassistischen Sprüche unter dem Grinsen und Klatschen politischer Größen vorgetragen werden. Dienst ist Dienst am Populismus, und Schnapsnase liebt Schnapsnase.

Die Karnevals- und Faschingsrituale gehen 2013 mit einem Rückwärtsdrall über die Bühne, als steige im örtlichen Filmtheater neben der Turnhalle gerade die Weltpremiere von „Die Fischerin vom Bodensee“. Manchmal überkommt einen auch das Gefühl, man bewege sich in jener Zeit, von der Mayer-Vorfelders große Biografie „Stürmisches Leben“ im Kapitel „Bombennächte und erste Küsse“ berichtet.

Man darf die Sache selbstverständlich nicht zu ernst nehmen. Humor ist Humor. Und Fasching ist deutsches Fernsehen.



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