Bauers Depeschen


Freitag, 23. März 2012, 879. Depesche



AUFSTIEGSKAMPF: Stuttgarter Kickers - Greuther Fürth II 4:0



BLAUE NACHT

Am Ostersamstag, 7. April, veranstalten wir in der Werkstattbühne des Stuttgarter Autohauses ALBRECHT & DEFFNER am Olgaeck unsere „Blaue Nacht“, einen garantiert werbefreien Abend zu Ehren von Freunden der Stuttgarter Kickers (und nicht nur für Fußballfans). Stargast ist der große Ruhr-Poet und Kabarettist Fritz Eckenga; es ist mir eine Ehre, ihn in der Stadt zu begrüßen. Musik machen Roland „Countryboy“ Baisch und sein Gitarrenspieler Frank Wekenmann. Die Spielstätte ist Stuttgarts ältestes Autohaus, in diesem Gebäude hat einst Clara Zetkin gewohnt. Ich kenne den Ort und habe dort bereits mit einem Flaneursalon gute Erfahrungen gemacht. Der Vorverkauf läuft.



SOUNDTRACK DES TAGES



NOTIZEN

Meine Arbeitspause geht zu Ende. Nach einigen Krankheitstagen hatte ich Urlaub, war kurz in Istanbul. Was soll man sagen nach dem ersten Blick: unüberschaubar, etwas groß die Stadt. Viel Polizei, Maschinenpistolen im Anschlag.

Offiziell 15 Millionen Einwohner, inoffiziell das Doppelte. Jeden Tag kommen Tausend Neue nach Istanbul, und die im Dunkeln sieht man auch am Bosporus nicht. Sehr viele junge Menschen in den Straßen. Universitäten. Internationales Leben. Wenn die Muezzin-Bänder abgestellt sind, ist überraschend oft Amerikanisch zu hören.

Wir haben unter anderem den Bahnhof Haydarpaşa besucht, einen neoklassizistischen Bau, den die deutschen Architekten Helmut Cuno und Otto Ritter von Kühlmann zwischen 1906 und 1908 auf der asiatischen Seite der Stadt errichten ließen. Demnächst soll er verramscht werden: Luxushotel, Shopping Malls, Wohnkomplexe. Man spricht vom zehnfachen Volumen von Stuttgart 21. Es gibt auch Initiativen, dort ein Museum einzurichten. Dass der Dachstuhl vor ein paar Jahren nach einem „Funkenflug“ brannte und nicht mehr richtig restauriert wurde, ist reiner Zufall, wie alles auf dem Markt der Immobilienhaie. Bekanntlich sürzt auch auf anderen Bahnhöfen gern mal ein Dach ein.

Der Haydarpaşa lässt sich bequem und für wenig Geld mit der Fähre erreichen, er liegt, glaubt man dem Istanbul-Reiseführer von Marco Polo, „direkt gegenüber“ vom Topkapi-Palast. Allerdings ist etwas Meer dazwischen. Im Bahnhof gibt es es noch eine gute alte Barbier-Bude. "Mein Herr", sagte ich, "bevor Ihr Bahnhof rasiert wird, rasieren Sie lieber noch einmal mich." "Football?", sagte er. "Yes", sagte ich, "Stuttgarter Kickers." Und dann ging es mit scharfem Messer los. Einwandfrei. Hinterher war ich glatt wie ein Babyarsch.

Schnitt. Zurück in Stuttgart, hörte ich von der Kunde der Protest-Ingenieure, S 21 sei nie für 50 Züge zu Spitzenzeiten, sondern nur für 30 und damit als Rückbau geplant worden. Das ist sicher wahr und leider auch irgendwie wurscht. Es ist naiv, immer noch mit technischen Fakten gegen S 21 zu argumentieren. Das war der größte Fehler des Protests von Anfang an. Das haben wir alle nicht erkannt. Im Profitmaximierungs-Gewerbe der Spekulanten geht es nicht um Züge. Es herrscht die Lüge. Sie täuschen die Leute nach Bedarf. Das Problem ist: Die Propaganda funktioniert, die Leute glauben dem "Fortschritt"- und "Zukunft"-Gelaber und stimmen entsprechend ab.

Folgerichtig präsentiert ihnen die CDU als OB-Kandidaten einen Typen aus der Reklamebranche mit gut bezahlten Erfahrungen in der S-21-Propaganda. Alles hat seine Logik. Nachdem der in Berlin tätige Großwerber dem dummdreisten Chirurgenspruch "Das neue Herz Europas" als Anmache für eine Stuttgarter U-Bahnstation verbreiten ließ, ist damit zu rechnen, dass er sich selbst mit dem Pathologen-Claim "Größter Kopf des Kontinents" verkaufen wird. Politik-Marketing ist Marketing-Politik. Marktschreier werden Oberbürgermeister, Scharlatane Staatsmänner.

Bei der Demonstration am Freitagnachmittag vor dem Neuen Schloss, wo nach kurzfrister Verlegung aus dem Verkehrsminister an der hässlichen Hauptstätter Straße, der sogenannte Lenkungsausschuss tagte, gab es kurz läppisches, unerhebliches Gerangel mit der Polizei. Als Augenzeuge kann ich nicht behaupten, die Staatsschützer hätten sich klug verhalten. Aber für eine Anklage wegen Beleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt wird es schon wieder reichen.



FLANEURSALON LIVE

Der nächste Flaneursalon findet am Mittwoch, 9. Mai, im schönen Wirtshaussaal der Friedenau in Stuttgart-Ostheim statt. Es spielen Stefan Hiss, Roland Baisch, Anja Binder & Jens-Peter Abele. Vorverkauf siehe „Termine“. Auch in diesem Fall ist es ratsam, sich rechtzeitig um Karten zu kümmern, in Ostheim leben etliche treue Seelen.



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Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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