Bauers Depeschen


Montag, 29. Februar 2016, 1595. Depesche


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LIED DES TAGES



AN DIESEM MONTAG, 29. Februar, spreche ich bei der Demo gegen Stuttgart 21 zum Thema: "Wählen?!" 18 Uhr, Schlossplatz.



DIE MEISTEN DER KARTEN für den nächsten FLANEURSALON ist weg: Wir treffen uns am Dienstag, 22. März, in der Friedenau in Ostheim. Mit den Musikern Stefan Hiss, Marie Louise & Zura Dzagnidze. Durch den Abend führt Michael Gaedt. Im schönen Wirtshaussaal der Friedenau werden ab 18 Uhr Essen & Getränke serviert. Ab 20 Uhr gibt es Lieder, Geschichten und andere Merkwürdigkeiten. Reservierungen: 0711 / 2 62 69 24.



Die aktuelle StN-Fußballkolumne:

DIE MORAL VON DER GESCHICHT'

An diesem Montag wird Münchens Kult-Bayer Uli Hoeneß aus seiner Freigänger-Haft entlassen, und viele sagen, er habe einen guten Tag erwischt: Der 29. Februar ist ein Datum, das ihn wenigstens im Kalender vor allzu häufiger Wiederkehr böser Erinnerungen schützt.

An diesem historischen 29. Februar allerdings hätte es so wenig Sinn wie an jedem anderen Tag, mit Blick auf die herrschenden kapitalistischen Gepflogenheiten ausgerechnet im Geschäftsbereich Fußball Moral einzufordern. Kaum ist dieses Wort ausgesprochen, stinkt schon wieder irgendwo ein manipulierter Abgaswert oder ein verschobenes Spiel zum ­Himmel. Das Täterprofil in beiden Fällen ähnelt sich: Zocker spielen um Profite.

Als die Medien vergangene Woche mehr über den anstehenden Personalwechsel im korrupten Fifa-Haufen berichteten als über die erregenden Präsidentenwahlen in den USA, ging hierzulande eine Meldung fast unter: Polizisten und Staatsanwälte hatten das für Flüchtlinge zuständige Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) durchsucht und einen Referats­leiter festgenommen. Der Mann wird verdächtigt, Schmiergeld einer Sicherheits­firma kassiert zu haben. Auch der Chef des Security-Unternehmens wurde abgeführt – und in einem Auto etwas Bargeld beschlagnahmt: 51 000 Euro, eine Summe, die nicht reichen würde, den Wochenlohn eines Fußballstars zu begleichen. Den Berliner Fall erwähne ich als Beispiel für die alltägliche Korruption in diesem Land, in dem sich bis heute die arrogante Meinung hält, Bestechung gäbe es nur in Bananenrepubliken. Schmiergeldskandale hierzulande in Politik und Wirtschaft wurden ja stets als große Ausnahmen beschönigt.

Damit will ich keineswegs die traditionellen Fifa-Schweinereien oder die Korruptionsvorwürfe gegen den DFB relativieren. Eher erkenne ich bei der Beschäftigung mit den Verbrechen im Fußball die eigene Inkonsequenz: Nie im Leben käme ich auf die Idee, mir ein Champions-League-Spiel des FC Barcelona nur deshalb nicht mehr anzuschauen, weil der große kleine Messi womöglich in Steuerdelikte verstrickt ist, die Hoeneß nur noch in der Kreisliga der Kriminalgeschichte spielen ließen.

Und das Spiel geht weiter: Wenn zuletzt auf Fotos Messis Clubkollege Neymar zu sehen war, wie er mit kompletter Mannschaft ins Scheinwerferlicht stürmte, bestand der Rest seines Teams aus superteuren Anwälten. Auch dass dieser junge Herr ein wenig Probleme mit dem Finanzamt hat, ist für unsereins kein Grund, seine Auftritte als Fußballgenie zu meiden. Sonst müsste ich konsequenterweise meine Platten von Frank Sinatra ins Fegefeuer werfen. Jedes Kind weiß, dass der größte aller Entertainer wie auch andere Showstars herzensgute Mafia-Freunde zur Belebung der Geschäfte hatte.

Damit sind wir wieder bei der Fifa, die zur Freude aller Kalauerkomiker die meisten Buchstaben des Worts Mafia im eigenen Namen trägt. Auch die Bosse der ehrenwerten Gesellschaft erinnern frappierend an die Gestalten des Internationalen Fußballweltverbands, der gerade einen neuen Paten küren musste: Der vorherige leidet zurzeit etwas unter der Hartnäckigkeit von Fahndern, die in den USA vorzugsweise zur Verfolgung und Zerstörung von Mafia-Organisationen im Einsatz sind.

Inzwischen einigte sich die Fifa-Familie erneut auf einen Boss aus der Schweiz, weil dessen Konkurrent, ein arabischer Scheich, zuletzt Zweifel an seinem Respekt vor den Menschenrechten genährt hatte. Man fürchtete wohl, die Führerschaft der Scheichs könnte die Fußballliebhaber dieser Welt dazu bringen, beim Hören von Floskeln wie „schießen“ oder „köpfen“ in Deckung zu gehen oder das Genick einzuziehen.

Es ist, wie es ist: Der zeitgenössische Fußballliebhaber muss mit zwei Seelen in der Brust leben und deshalb auf Dauer einen Dachschaden in Kauf nehmen. Oder den Graswurzel-Aussteigern aus den Fanblocks folgen: In der Kreisliga sind die Schmiergelder vermutlich noch überschaubar.



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