Bauers Depeschen


Dienstag, 03. November 2015, 1546. Depesche


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MEIN NEUER Kolumnen-Band "In Stiefeln durch Stuttgart" ist außer im Buchhandel jetzt auch an der Mahnwache gegenüber vom Hauptbahnhof und am Bücherstand der Montagsdemo gegen S21 erhältlich. Der Käufer unterstützt in diesem Fall die Verkäufer - nicht mich.



LETZTER FLANEURSALON des Jahres am Dienstag, 15. Dezember, im Schlesinger. Eric Gauthier, Eva Leticia Padilla, Michaeld Gaedt. Karten gibt es bereits in der Kneipe.



DIE 15. BENEFIZ-SHOW in der Reihe "Die Nacht der Lieder" am 8./9. Dezember im Theaterhaus ist nahezu ausverkauft (nur für den zweiten Abend gibt es noch wenige Karten). Hier Video-Bilder vom vergangenen Jahr:

DIE NACHT DER LIEDER 2014



Der Klick zum

LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



EINEN IM TRICHTER

Ein paar Dinge müssen noch erledigt werden, bevor das Jahr zu Ende geht. Wir stolpern bereits durchs Weihnachtsgeschäft, schlittern mitten hinein in den Landtagswahlkampf – und damit in die Aussichtslosigkeit. Es wäre Zeit, abzutauchen oder sich mit gehörigem Abstand von der Welt in die letzte Reihe des Affentheaters zurück­zuziehen. Da fällt mir ein: „Die Nacht der Lieder“, die Benefiz-Show zu Gunsten der Aktion Weihnachten unserer Zeitung am 8./9. Dezember im Theaterhaus, ist so gut wie ausverkauft. Gestern gab es nur noch für den zweiten Abend eine Handvoll Karten. Danke, verehrtes Publikum!

Wer aus dem Zentrum des Trubels flieht, ist allerdings nirgendwo sicher. Überall rottet sich die Niedertracht zusammen. Ein Freund schickte mir gestern aus seinem abgelegenen Stuttgarter Stadtteil das Foto eines Autos mit dem Buchstaben „H“ und den Ziffern „88“ auf dem Nummernschild. In Neonazi-Kreisen bedeutet diese Kombination nichts anderes als „Heil Hitler“. Die 8 steht für den achten Buchstaben des Alphabets, was selbst die Analphabeten in rechtsextremen Kreisen wissen.

Empfohlen sei eine Veranstaltung etwas außerhalb des Talkessels: Am Donnerstag, 12. November, tritt die 90 Jahre alte Sängerin Esther Bejarano mit der Kölner Microphone Mafia in der Endersbacher Jahnhalle auf (19.30 Uhr). Die Musiker der Band gehören verschiedenen Generationen und Religionen an. Auf das Publikum dieser Veranstaltung des Remstalgynmasiums wartet ein Mischung aus Lesung und Musik.

Esther Bejarano, 1924 in Saarlouis als Tochter eines jüdischen Oberkantors geboren, wurde von den Nazis erst ins Zwangsarbeiterlager Neuendorf in der Nähe von Fürstenwalde an der Spree verschleppt und 1943 nach Auschwitz deportiert. Im Mädchenorchester des KZ spielte sie Akkordeon, musste zur Ablenkung musizieren, wenn im Vernichtungslager neue Transporte mit Gefangenen ankamen.

Esther Bejaranos Eltern waren im November 1941 von den Nazis ermordet worden. Sie ist die letzte Überlebende des Mädchenorchesters von Auschwitz und sagt den Menschen von heute: „Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt. Ihr müsst alles wissen, was damals geschah. Und warum es geschah.“

Mein zweiter Veranstaltungstipp zielt auf die heimische Tagespolitik, auf die Herrschaften, die wie im Stuttgarter Gemeinderat noch zu jeder Kumpanei bereit sind, wenn es ihrer Macht dient. Wie jeder Schachzug (heute: „Move“) zur Vermeidung von Demokratie wird auch die grün-schwarze Haushaltskoalition rund um den großen Vorsitzenden Kuhn von den Mitläufern mit Floskeln wie „progressiv“, „nachhaltig“ und „Vernunft“ garniert. Ich kann dieses, in fehlerhaftem Deutsch verbreitete, Digital-Geschwätz nicht mehr hören.

Mein Tagestipp indes gilt dem hierarchisch höher angesiedelten Landtag: Die renommierte Künstlergruppe SOUP (Stuttgarter Observatorium Urbaner Phänomene) lädt am heutigen Dienstag (15.45 Uhr) zu einer speziellen Führung durch das Kunstgebäude am Schlossplatz. In diesem Haus hat sich vor geraumer Zeit der Landtag eingenistet, weil sein benachbartes Domizil wegen fortwährender Unterbelichtung renoviert wird.

Bei der heutigen Begleitaktion zur Kunstvereins-Schau „Hirschgang. Eine Rückführung“ geht es um das Politikverständnis. Auszug aus dem SOUP-Text: „Repräsentative Demokratie bedeutet nicht nur, dass gewählte Volksvertreter das Volk, sondern auch dass Bilder die Realität vertreten können. Schon der Anblick eines leeren Plenarsaals kann zur Offenbarung werden, wenn dieser von vorurteilslosen Augen getroffen wird. Die leicht ansteigenden, konzentrisch angeordneten, nach dem politischen Spektrum aufgefächerten Sitzreihen schaffen das Bild einer trichterförmigen Eintracht, die bisweilen von einem Wortstrudel erfasst wird, der genau unterhalb der Rednertribüne seinen Abflusspunkt hat.“

Was für ein Bild: der Trichter, in dem ein sinnloser Wortstrudel aus dem Abfluss verschwindet. Schade nur, dass der Trichter nicht auch hin und wieder die Redner schluckt. Man denke an die rhetorische Virtuosität des CDU-Spitzenkandidaten Wolf. Gegen dessen Auftritte im Ton eines Trachtenvereinsfunjtionärs wirkt Kretschmanns Pressluft-Geknödel im Kampf um offene Laute fast professionell.

Überhaupt beschallt die internationale Wahnsinnsmetropole Stuttgart zurzeit die Republik mit knallhartem Sound aus dem Einheitstrichter schwäbischer Hardcore-Folklore. Zu den Protagonisten dieser Schwabenoffensive gehört neben Kretschmann, Wolf und Kuhn auch der in der Bundesliga einzigartig Aus-dem-Bauch-Redner Zorniger (VfB): Da poltert ungeschliffenes Älbler-Gestein in die Mikros, dass es einem schwindlig wird. Im Zusammenspiel mit weiteren Mundartisten wie Oettinger und Schäuble wäre eine schlagkräftige Gangsta-Rap-Truppe denkbar. Da es die Microphone Mafia schon gibt, könnten die Herren ihr Mäulesmühle-Publikum als „Miss- und Miestöner Syndikat“ bespielen. Die Folge jedes Auftritts wären Einstürzende Neubauten. Und damit bessere Aussichten in der Stadt.



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