Bauers Depeschen


Dienstag, 02. September 2014, 1342. Depesche


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LIEBE HOMEPAGE-GÄSTE,

selbstverständlich werde ich nicht müde, es laut und deutlich hinzuschreiben: Wer nicht kommt, landet an der Laterne. Flaneursalon mit der Familien-Bande am Montag, 13. Oktober, im THEATERHAUS. Kartentelefon: 07 11 / 4020 720. Mit Uta Köbernick. Vater Zam Helga & Tochter Ella Estrella Tischa. Vater Roland Baisch & Sohn Sam Baisch. Rapper Toba Borke & Beatboxer Pheel. Unsereins macht auch mit.



LEONHARDSVIERTEL: SUPPENKÜCHE AM 11. OKTOBER

Freunde und unsereins organisieren die 2. Suppenküche in der Leonhardstraße, Rondell bei der Bar Fou-Fou: Samstag, 11. Okober, 13 Uhr bis 18 Uhr. Essen, Trinken, Austausch. Schöne Straßenmusik mit der Band Anjabelle u. a. Es ist nach der Suppenküche im Dezember 2013 und dem Schmuddel-Bankett im vergangenen Mai die dritte Aktion unserer Bürgerinitiative Unsere Altstadt.



KARTEN FÜR DIE NACHT DER LIEDER

Die besten Tickets sind schon weg, es gibt aber noch genügend gute Karten für die 14. Folge in der Reihe Die Nacht der Lieder, meine Benefiz-Show zugunsten der Aktion Weihnachten der Stuttgarter Nachrichten. Theaterhaus, 9. und 10. Dezember 2014. Karten via Theaterhaus.



Der Klick zum

LIED DES TAGES 



Auf vielfachen Wunsch artenbedrohter Kneipenbesitzer:



GEMÜTLICH

Keiner hat mich je gezwungen, das Weindorf zu besuchen. Es war der Teufel, der mich eines Tages in die Menge trieb. Es gibt kein Entkommen. Vor lauter Festtrinkern und Trinkfesten sieht man den Himmel über der Stadt nicht mehr. Der Name Weindorf passt gut zu unserer Stadt, und angesichts der herrschenden Moral rund ums Rathaus dürften die Anbagger-Attacken der Fettfinger in den Feuchtgebieten der Trollinger-Buden höher bewertet werden als das Geiz-ist-Geil-Treiben im nahen Rotlichtviertel.

Auf dem gemütlichen Weindorf sieht man viele fröhlich zechende Mütter und Väter, um die man die vielen lustigen Kinder beneidet, die sich auf den noch unbewirteten Plätzen zum Saufen treffen, bevor sie sich in benachbarten Clubs den Rest geben.

Das Weindorf hat zwei Qualitäten. Zum einen bietet es die Chance, die Spuren des vergangenen Sommerfests zu tilgen: Ohne Konter-Drink wäre der Prosecco-Kater nicht auszuhalten. Zum anderen ist es das optimale Trainingslager für das nahende Volksfest; kaum hat man sich in der Marktplatzgegend einen reingezogen, grölt man auf dem Wasen atemlos "Ausziehn!" So bleibt das Dirndl- und Lederhosen-Geschäft in Schwung.

Seit die Stadt mit immer mehr Groß-Gelagen und trostlosen Investoren-Bauten die traditionelle Gastronomie in den Bankrott treibt, habe ich begriffen, was mit der freien Markt-Wirtschaft gemeint ist: eine Kneipe ohne Zukunft. Wenn die Leute nicht gerade zum Frühlingsfest oder Sommerfest, zum Weindorf oder Volksfest ziehen, foltert man die Wirte mit Straßenpartys. Dann steigen Bohnenviertelfest und Marienplatzfest, Heusteigviertelfiertel oder Henkersfest. Und zwischendurch, in der größten Not, schluckt man tote Aale mit Küstennebel beim Fischmarkt auf dem Karlsplatz.

Bei allen Events empfiehlt es sich, ein Buschmesser am Mann zu tragen. Wahlweise kann man sich damit einen Weg durch die klebrige Menschenmasse bahnen, schlechten Musikanten die Ohren abschneiden, weil sie sowieso nichts mehr hören, oder seinen Lieblingskellner einen Kopf kürzer machen, damit er weiß, was Henkersplatz bedeutet.

Leider können Bohnen-, Heusteig- oder Henkergetue nicht alle Nachschubprobleme zwischen den amtlich verordneten Orgien lösen. Deshalb veranstalten jeder Stadtteil, jeder Flecken, jeder Schützenverein noch ein eigenes Fest, damit zwischen Feuersee und Max-Eyth-See, Feuerbacher Tal und Heslacher Bihlplatz keine Versorgungslücke entsteht.

Die Wirte in ihren Eckkneipen und Restaurants ohne Garten müssen unterdessen sehen, wie sie auf dem Trockenen überleben. Es gilt die alte Regel: Wer politischer Günstling ist, wird Festwirt. Wer früh sterben will, wird Gastwirt. Wer nichts wird, wird Event-Manager und behauptet unter dem Beifall weiter Kreise der Bevölkerung, er habe die Party erfunden.

Bringen wir die Dinge zu Ende. Kaum sind Weindorf und Volksfest gelaufen, lädt ein Glühweindorf namens Weihnachtsmarkt zum Tanken. Dann sind die triefenden Grapschfinger lebender Bratwürste erneut im Dienste schwäbischer Gemütlichkeit unterwegs.

Der große Stuttgarter Kontakthof kennt keine Pause. Zwischen Sturztrunk und Kassensturz ist noch Luft nach oben. Und irgendwo an einer überdachten Theke trinkt ein Wirt sein letztes Glas aufs Wohl des Sensenmanns.



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