Bauers Depeschen


Montag, 16. Juni 2014, 1303. Depesche


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FLANEURSALON

MIT UTA KÖBERNICK

Unsere nächste Lieder- und Geschichtenshow findet am Montag, 13. Oktober, im Theaterhaus statt. Als besonderen Gast begrüßen wir die Kabarettistin und Liedemacherin UTA KÖBERNICK. Die in der Schweiz lebende Künstlerin übernimmt eine Rolle, in der man sie bisher nicht kennt: Sie führt als Entertainerin durch den Flaneursalon-Abend. Musik machen der Sänger/Songschreiber Zam Helga, seine Tochter Ella Estrella Tischa sowie der Rapper Toba Borke und der Beatboxer Pheel. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Karten gibt es ONLINE und unter der Telefonnummer 07 11 / 4020 720.



Der Klick zum

LIED DES TAGES



Die StN-WM-Kolumne (vom Dienstag, 17. Juni):



SEHNSUCHT NACH DEM KROKODIL

Als der japanische Schiedsrichter Yuichi Nishimura im Spiel der Brasilianer gegen die Kroaten bei einem Freistoß die Linie für den Abstand der Abwehrmauer zog, erklärte der ZDF-Kommentator Béla Réthy den Sinn des neuen Sprayer-Rituals: „Das ­erspart Diskussionen, die dann trotzdem stattfinden.“ Damit war ihm erstmals in seiner Karriere ein guter Satz gelungen.

Die lineare Spielkunst des italienischen Pass-Genies Pirlo in der Partie gegen England beispielsweise hätte jede Diskussion über die Leistung dieses Mannes unterbinden müssen. Dennoch konnte man am Kneipentisch die Kritik hören: Pirlo läuft zu wenig. Unsinn. Der Italiener bewegt sich auf eine Art, die ihm eine ungeheure Bühnenpräsenz verleiht. Es gibt dafür kein ­besseres Wort als das englische „Magic“.

Vermutlich ist die WM in Brasilien der letzte Sommer des 35 Jahre alten Mannes. Danach könnte eine Ära zu Ende gehen, dieauch wegen Pirlos Mähne und Vollbart dem Abschied des letzten Rockstars gleicht. Laut Statistik schlug Pirlo gegen England 108 Pässe, 94 Prozent gelangen ihm, und als er einmal bewusst den Ball ignorierte und ihn ungerührt durch seine Beine kullern ließ, war die ­Kugel frei für den Kollegen Marchisio. Der schoss das 1:0. Pirlo legt nie lange Wege zurück. Das Geheimnis seines großen Auftritts ist das ­Timing. Alles was er macht, erinnert daran, was der spanische Spieler Xavi über den (einst) gravierenden Unterschied des FC Barcelona zu anderen Teams gesagt hat: Ein Barca-Spieler wisse in jeder Situation, WARUM er tut, was er tut. Das Warum habe sie der ­Trainer Guardiola gelehrt.

Warum aber scheint die Zeit von Spaniens virtuosem Flachpass-Kreisel ­vorbei? Eine Kunst, die viele für langweilig halten, weil sie sich nie mit den Voraussetzungen für dieses Spiel beschäftigt haben. Vielleicht haben die außergewöhnlichen motorischen Fähigkeiten der spanischen Spieler ein wenig nachgelassen. Damit hätte ihre einzigartige Schule (die Technik der Ball­annahme mit dem daraus sich eröffnenden Blick für die Mitspieler, auf die Spiel­situation) an Zauberkraft verloren.

Der Verzicht auf Tiki-Taka ebnet dem eher konventionellen Fußball mit seinen langen Pässen den Rückweg, was Individualisten wie Pirlo (und sogar Messi) noch größere Bedeutung geben könnte.

Was hingegen Spaniens 1:5 gegen Holland bedeutet, erklärt ein Gedanke, den der Spieler Iniesta 2012 formulierte: „Eine ­Niederlage ist niemals ein Fiasko. Ein ­Fiasko wäre es, wenn wir auf unseren Stil verzichten ­würden, wenn wir nicht mit unseren Waffen kämpfen, das Feld nicht leer vor Anstrengung verlassen würden . . . doch das wird nicht geschehen.“

Womöglich ist es in Brasilien geschehen. Die Spanier scheinen ihren Stil aufgegeben zu haben. Deshalb bin ich mehr als gespannt, wie Iniesta, Xavi & Co. auf ihr ­Fiasko gegen die Niederlande im bevorstehenden Spiel gegen Chile reagieren werden.

Sei’s drum. Die Geheimnisse des Fußballs wird zum Glück kein Sterblicher ohne ­Eingeweihten-Status lösen. So kann die ZDF-Moderatorin Müller-Hohenstein mit Podolski die nackten Beine in den Pool hängen und den Leuten vorgaukeln, es gehe hier um Fußball, wenn sie neben ihren ­Zehen auch die Lippen bewegt. In solchen Momenten wünscht man sich ein Krokodil im Pool – und fragt sich, warum viele Leute meinen, ausgerechnet die Deutschen hätten „diesmal“ die Pflicht, Weltmeister zu ­werden. Gerade so, als könnte man nach den Halb­final-Teilnahmen 2006 und 2010 die „Weiterentwicklung“ zum Champion fordern. Dieses Denken entspricht dem Wachstum-­Geschwafel von Politikern und dem Triumphgefuchtel der Bundeskanzlerin.

In den ­Dramen des Fußballs, die leider nicht nur vom Zufall, sondern längst auch von Korruption, Profitgier und Machtwahn gesteuert werden, ist nicht das verlorene Spiel die größte Niederlage. Heute haben wir es mit ganz anderen Verlusten zu tun. Lang lebe Pirlo, dieser elegante Entschleuniger des Lebens, der unser Spiel mit Präzision und Klugheit schneller macht. Er tröstet uns angesichts der Drahtzieher im großen Rattenrennen.



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