Bauers Depeschen


Donnerstag, 10. April 2014, 1269. Depesche


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AN DIESEM SONNTAG:

AUTOREN ÜBER FUSSBALL

Im Rahmen der "Literatur-Spaziergänge Hahn, Kusiek & Laing" findet auf dem Gelände des MTV Stuttgart am Kräherwald zurzeit ein dreitägiges Festival im Zeichen des Fußballs statt. Als Finale gibt es an diesem Sonntag um 11 Uhr in der MTV-Vereinsgaststätte ein PODIUMSGESPRÄCH zum Thema:

„Ähm, ich sag mal . . . Von der Last und Lust, über Fußball zu schreiben" -

mit Ronald Reng („Spieltage“, Fußballbuch des Jahres, Piper-Verlag), Axel Hacke („Fußballgefühle“, Kunstmann-Verlag), Nils Havemann („Samstags um halb vier. Die Geschichte der Fußball-Bundesliga“, Siedler-Verlag), Joe Bauer (Stuttgarter Nachrichten) und Thomas Hitzlsperger (Autor der Zeit-online-Kolumne „Alles außer Fußball“). Moderation: Stefan Siller (SWR)



Vorverkauf

FLANEURSALON IM LAB

Der Flaneursalon gastiert endlich in Stuttgarts ältestem Live-Club, im Laboratorium im Osten: Mittwoch, 28. Mai 2014, 20 Uhr. Mit Stefan Hiss & Freunden, Dacia Bridges & Uwe Metzler (g), Roland Baisch. Es gibt bereits Karten im Internet: LABORATORIUM



Der Klick zum

LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



ALLES IN ORDNUNG

Die Straßenbahn-Linie 6 ist Teil meiner städtischen Lebenslinie, sie führt auf die Prag, nach Feuerbach, und wenn man will, über die Stadtgrenze hinaus bis nach ­Gerlingen, wo immer das ist. Die zurzeit spektakulärste Station erreicht der Herumfahrer auf der Linie 6 gleich nach dem Bahnhof, die Haltestelle Stadtbibliothek. Von dort schaut er erst aus dem Bahnfenster und dann durch die Glaswand an der Haltestelle. Die neue Welt hat eine Scheibe.

Nicht lange her, da konnte man von der Stadtbahn aus die Stadtbibliothek in ihrer Einsamkeit sehen. Selbst bei Tag, wenn der Würfel nicht in Blaulicht getaucht war, strahlte der vom Volksmund „Bücherknast“ getaufte Bau die Würde des Solitärs aus. Inzwischen wird er von dem Kasten der Sparkasse und den noch unfertigen Teilen des Einkaufszentrums Milaneo regelrecht eingekeilt. Eine ästhetische Folter.

Der südkoreanische Architekt Eun Young Yi hat die Bücherei einst als meditative Oase entworfen, nach seiner Vorstellung sollte sie am Wasser stehen. Das Wasser aber haben die Stadtpolitiker gestrichen. Inmitten der Neubauten, hingestellt ohne Rücksicht auf die Topografie der Stadt, ist die Bücherei heute eine Art Zufluchtsort. Der Gast muss allerdings lange meditieren, bis er die ­Umgebung vergessen hat, den Ort, an dem Architektur und Landschaft dem Profit der Investoren geopfert werden. In diesem ­Umfeld erinnert die Bibliothek an ein auf ­Baustellen übliches Dixi-Klo.

Damit sind wir im Sumpf. Nach einer gemeinsamen Recherche-Aktion haben der „Spiegel“, die ARD und die „Westfälische Allgemeine Zeitung“ (WAZ) diese Woche über den enormen Einfluss der Mafia auf deutschen Großbaustellen berichtet. „Es gibt hierzulande keine einzige Großbaustelle, an der die Mafia nicht verdient“, sagt ein Kriminalbeamter in der ARD-Doku „Vorsicht Mafia“. „Deutsche Baustellen sind durchsetzt von der Mafia.“ Ein Anwalt sagt: „Fast keine Großbaustelle in Deutschland kommt ohne Schwarzarbeiter aus.“ Strohmann-Firmen seien gang und gäbe. Die Mafia-Umtriebe, so zitiert der „Spiegel“ das Düsseldorfer Landeskriminalamt (LKA), hätten zum „Niedergang einer seriösen Bauwirtschaft geführt“. ­Massiv würden Schwarzarbeiter eingesetzt, ­Steuern und Sozialabgaben hinterzogen. Jährlicher Schaden: mehrere Milliarden Euro.

Bei solchen Horrormeldungen atmet der Stadtspaziergänger auf. Gott sei Dank ­haben wir in Stuttgart keine Großbaustellen. Wir begnügen uns mit Bagatellen wie Stuttgart 21. Sechzig Kilometer Tunnel, ein sogenannter Tiefbahnhof nebst milliardenschwerem Bauland und läppischen Shopping-Malls müssten der italienischen Mafia so schwäbisch-billig vorkommen, dass sie ihre Finger von Stuttgart lässt. Soll die Steuermilliarden kassieren, wer will.

Es kann sich nur um eine arglistige ­Täuschung handeln, wenn die Kriminalpolizei ­berichtet: Von derzeit gut 460 ­mutmaßlichen Mafiosi aus kriminellen Organisationen wie Camorra, Cosa Nostra oder ‘Ndrangheta in der Republik leben die meisten in Baden-Württemberg. Und wenn schon: Wir sind in Stuttgart. Nicht in ­Baden-Württemberg.

Wie immer bei solchen Enthüllungen sind womöglich Verschwörungstheoretiker am Werk. Dazu muss das Baden-Württemberger LKA zählen. Die Ermittler kümmern sich nicht nur um mafiose Immobilien­geschäfte, laut „Spiegel“ wissen sie auch, dass ein ­beträchtlicher Teil der italienischen Restaurants in unserem schönen Landstrich regelmäßig von der „Ehrenwerten Gesellschaft“ heimgesucht wird: Schutzgeldeintreibung, Machtdemonstration. Der Hinweis auf die traditions­reiche „Ehrenwerte Gesellschaft“ ist insofern beruhigend, als er die Korruption von Politikern in Baden-Württemberg und dessen Hauptstadt ausschließt.

Anders als etwa in Italien, lese ich, ist es in Deutschland nach wie vor möglich, mit Bargeld große Immobilien-Deals abzuschließen, ohne die ehrliche Herkunft des Geldes nachzuweisen. Das alles aber kann so nicht wahr sein, jedenfalls nicht bei uns, in einer Stadt, wo lange schon nicht mehr als wahr gilt, was nicht wahr sein darf.

Siehe auch: MAFIA IN DEUTSCHLAND





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