Bauers Depeschen


Donnerstag, 17. Januar 2013, 1043. Depesche


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MIT VINCENT KLINK

IN DEN WAGENHALLEN

Unter dem Motto "Der Häuptling spielt auf" gastiert der Meisterkoch und Basstrompeter Vincent Klink am Montag, 21. Januar, in den WAGENHALLEN. Begleitet wird er von dem New Yorker Bassisten Joe Fonda und seinem etatmäßigen Pianisten Patrick Bebelaar. Ein Abend mit Musik und Geschichten. Unsereins ist als vorlesender Gast dabei. Beginn 19.30 Uhr. Nach der Vorstellung werden Fleischküchle mit Kartoffelsalat serviert.

 

FLANEURSALON IM SCHLESINGER

MIT UTA KÖBERNICK UND EVA LETICIA PADILLA

Der nächste Flaneursalon geht am Dienstag, 19. Februar, im SCHLESINGER über die Bühne. 20 Uhr. Erstmals mit der Sängerin UTA KÖBERNICK und ihrer Band Kritische Begleitung. Neu in unserer Truppe ist auch die grandiose Sängerin EVA LETICIA PADILLA (Dacia Bridges musste wegen eines vierwöchigen Portugal-Engagements absagen). Außerdem dabei: Zam Helga und Roland Baisch. Karten gibt es in der Kneipe (Montag bis Samstag ab 17 Uhr). Tel 07 11 / 29 65 15



SOUNDTRACK DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



WINTERREISE

Es war kalt, die Luft gut, der Himmel färbte sich vor Freude blau. Auf der Suche nach einer kleinen Winter­geschichte stiefelte ich eine Weile durch die Stadt, ging zum Hauptbahnhof und stieg in eine S-Bahn Richtung Winterbach. Vielleicht, dachte ich, fliegt auf meiner Reise vor dem Fenster eine kleine Winter­geschichte vorbei, am Neckar oder an der Rems. Es wurde schon dunkel, und wenn es dunkel wird, sagte ich mir, kann man den Schnee besser sehen. Ein Irrtum, und so fuhr ich in der Dunkelheit nach Hause, ohne dass sich eine kleine Wintergeschichte in meinem Abteil niedergelassen hätte.

Zurück in der Stadt, sah ich zum wiederholten Mal eines dieser gelbstichigen Urlaubsplakate, auch jenes mit dem dämlichsten Werbespruch von allen: „Mittelmeer ist besser als Badewanne“.

Im wahren Leben ist dieser Slogan keinen Cent wert. Sex in der Badewanne beispielsweise ist nach allen mir zugänglichen ­Erfahrungsberichten intensiver als im Mittelmeer. Badezusatz mit erstklassigem Heublumenöl verliert im Mittelmeer blitzschnell seine Wirkung, und der Komiker Loriot hätte im Mittelmeer niemals seinen besten Sketch realisiert: die „Herren im Bad“. Im Mittelmeer hätten sich Herr Müller-Lüdenscheidt und Doktor Klöhner keine Sekunde lang so erregend über die Wassertemperatur streiten können wie in der Badewanne. Ihre Quietschente wäre von einem Surfbrett enthauptet oder von einem Haifisch gefressen worden, und das Allerwichtigste in ­Loriots Sketch hätte sowieso gefehlt. Der Stöpsel zum Wasserablassen.

Damit ist bewiesen, Werbung verdeckt die Wahrheit wie schmutziger Schnee das tote Gras. Auf der Suche nach einer kleinen Wintergeschichte landete ich schließlich beim Wesentlichen, bei der Wärme, die bei Gott nicht immer menschlich ist. In der Stadt hängen Plakate mit der Warnung, den Stuttgarter Stadtwerken drohe der Aus­verkauf: „Der Gemeinderat hat die Kon­zessionen für Strom, Wasser, Gas und Fernwärme europaweit ausgeschrieben.“ Das Stuttgarter Wasserforum und die Bürger­initiative Frischluft für Cannstatt ver­anstalten dazu am Dienstag, 22. Januar (18.30 Uhr), eine Podiumsdiskussion im großen Rathaussaal. Wer sich noch an die schmutzigen Cross-Border-Leasing-Geschäfte deutscher Städte vor wenigen Jahren erinnert, wird hellwach. Die Medien berichteten über ungeahndete Gesetzes­brüche von Rathauspolitikern, eine gewichtige Rolle bei rechtlich mehr als fragwürdigen Deals spielte auch Stuttgart mit seinem Oberbürgermeister, dem heutigen Ehrenbürger Schuster. Die Dis­kussions­­veranstalter fordern angesichts des drohenden Verkaufs von Strom, Gas und Fern­wärme: „Ausschreibung ­sofort stoppen!“.

Meine kleine Winterreise durch die politische Landschaft geht weiter. An diesem Samstag (11 Uhr bis 17 Uhr) findet im Rathaus der Gründungskonvent des „Bürger­Innen-Parlaments“ statt. Motto: „Stuttgart selber machen“. Dahinter steckt der Vorwurf des „Demokratiemissbrauchs“ in den traditionellen Parlamenten, der Kampf gilt der "Politikerverdrossenheit".

An allen Ecken und Enden der Stadt ­engagieren sich Bürgerinnen und Bürger, die ihre Sache selbst in die Hand nehmen wollen, und so sei noch einmal daran erinnert, dass bereits morgen, am Freitag (18 Uhr), eine Mieterversammlung in der Martinskirche am Nordbahnhof stattfindet. Es geht um die Mieterhöhungen nach der Übernahme von LBBW-Wohnungen durch die Patrizia AG, ein Augsburger Immobilienunternehmen, das kritische Zeitgenossen als „Heuschrecke“ bewerten.

Betroffen sind nicht nur Mieter am Nordbahnhof. Gestern telefonierte ich mit Herrn R., einem Altenpfleger aus der Eglosheimer Straße in der Stammheimer Eisenbahnersiedlung. Das öffentliche Interesse, sagte er, richte sich nur auf den Nordbahnhof. In seinem Quartier aber lebten viele Leute, darunter viele alte, die die gleichen Pro­bleme mit den neuen Besitzern hätten und nicht wüssten, wie sie sich wehren könnten.

Meine kleine Winterreise ist noch nicht zu Ende. Am Mittwoch, 23. Januar (18.30 Uhr), gibt es in der Leonhardskirche eine öffent­liche Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema „Armut in der reichen Stadt? Soziale Teilhabe in Stuttgart“. Als ich das letzte Mal in der Kirche war, traten Chor & Band der Vesperkirche auf, sie nennen sich „rahmenlos & frei“. Auf den ­Tischen standen Tassen mit der Aufschrift „Es ist genug für alle da“, und zur mahnenden Erinnerung habe ich eine geklaut.

Am Samstag, 2. Februar (ab 10 Uhr), lädt wiederum die Ebert-Stiftung zu einer ­Tagung ins Rotebühlzentrum, es geht um die sich ausbreitende Nazi-Brut. Thema: „Der neue Rechtspopulismus. Was kann man dagegen tun? Zivilgesellschaftliche Protest- und Aktionsformen gegen rechts.“Alle diese Termine erzählen etwas über Leute in der Stadt, die sich nicht am „organisierten Wegschauen“ beteiligen (eine Formulierung des neuen OB Kuhn im S-21-Konflikt). Damit schließe ich ­meine Stuttgarter Wintergeschichte im Gefühl, in der Badewanne gelegentlich auf die bessere Geschichte zu kommen als im Mittelmeer. Es empfiehlt sich, den Stöpsel zu ziehen, bevor die Chose überläuft.



BUCH

Die Berliner Edition Tiamat bringt eine kleine Nachauflage meines Buchs "Im Kessel brummt der Bürger King - Spazieren und über Zäune gehen in Stuttgart" heraus. Die ersten 1500 Exemplare gehen langsam zur Neige. Inzwischen gibt es wieder signierte Bücher im Plattencafé Ratzer Records am Leonhardsplatz.



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