Bauers Depeschen


Samstag, 23. Juni 2012, 934. Depesche


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MORGEN IM HAFEN:

OCCUPY MITTELKAI !!

DER FLANEURSALON AM NECKARUFER

Die Sache läuft, und ich bin guten Mutes: starke Resonanz in den vergangenen Tagen. Der Flaneursalon freut sich auf den Neckar.

Liebe Homepage-Besucherinnen und -Besucher: Die Freunde bunter und informativer Unterhaltung erwartet an diesem Sonntag unsere Hommage an den Neckar. Willkommen beim ersten Stuttgarter Hafen-Picknick! Wir entern das Ufer, wir wollen unseren Fluss zurückholen ins Bewusstsein der Stadt. Lange genug war er vergessen, verdrängt.

Es lebe der Neckar, der Wilde!

Gelände geöffnet ab 16 Uhr.

Programmbeginn 19 Uhr.

Karten an der Tageskasse.

Auf die Bühne, einen Eisenbahnwaggon, gehen Roland Baisch & The Countryboys, das Elektro-Duo Putte & Edgar, die Sängerin Dacia Bridges, der Beatboxer Pheel und unsereins.

Hier geht es zu allen wichtigen Infos: HAFEN-PICKNICK

(Siehe auch rechts das Archiv, Depesche vom 20. Mai)



SOUNDTRACK DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne von diesem Samstag:

Schnelle Zeilen live aus der Fußballkneipe Schlesinger:



SPIEL MIR DAS LIED VOM TOR

Neunzig Minuten vor Spielbeginn ist der Laden überfüllt. Beamer, Leinwände, Fernsehschirme, kostümierte Menschen. Diesmal habe ich wieder die klassische Fußballkneipe gewählt, gewissermaßen den Rock’n’Roll-Club, den Kick.

Das Schlesinger, in der Nähe der Börse in der Schlossstraße, ist das Naturtheater des kollektiven Fußballrauschs. Es gibt ein Draußen und Drinnen, die Rauchertribüne unter freiem Himmel, und den Gastraum: die Geschlossene für den Wahnsinn.

Absichtlich habe ich das Griechenklischeelokal gemieden. Die Medien haben alle Euro-Zonen platt getrampelt, alle Griechspuren breit getreten. Wahrscheinlich taugt auch die griechische Tragödie inzwischen als TV- Kalauer. Özil oder Ödipus, egal.

Ohnehin gibt es einen großen Fernseh­labereintopf. Politik und Fußball werden nach dem Usedomer Ostsee-Modell verwässert. Die Kanzlerin zieht mit gleicher „breiter Brust“ in den Finanzkrieg wie das deutsche Team ins Viertelfinale. Im Dienste seichter Unterhaltung, politischer Ablenkung, wird der ZDF-Sandstrand als Analysestation für Dünnpfiffprobleme zum Maß aller Dinge. Manipulierte Live-Bilder gehören seit dieser EM zum Alltag.

Doch noch gibt es das Spiel, diese ernsthafte Sache. Die Kneipe ist ein Ort der Sehnsucht, irgendwie, auf Teufel komm raus, an diesem Spiel teilzunehmen. Schwer zu sagen, ob an den Bier­tischen nur Fern­sehen stattfindet. Man weiß es nicht genau: Spielen die Menschen „Wir sind im Stadion“, oder glauben sie, auf der Tribüne zu sitzen. Kneipenfußball ist vorweggenommenes Leben im Virtuellen. Großes Kino.

Es wäre nicht falsch zu behaupten: In der Fußballkneipe geht es lauter, direkter zu als im Stadion. Eingedoste Emotionalität.

Das deutsche Team macht, was alle erwartet haben, es versucht das griechische Bollwerk zu überrennen. Beim Tippen in der Kneipe höre ich (zum Glück) keinen Kommentator, ich sehe (leider) wenig vom Spiel, ich folge den Reaktionen des Publikums. Es scheint möglich, die Bewegungen auf dem Spielfeld zu erlauschen. Und es gibt Augenblicke, da scheint eine Stille einzukehren, als sei ein Unglück geschehen. Die Schreie folgen, Antwort auf eine verpasste Chance. Es muss, folgt man dem Sound der Kneipe, heute viele verpasste Chancen geben. Und das Publikum sendet seine Signale, immer im Bewusstsein, das Spiel aus der Ferne zu beeinflussen. „Auf geht’s Deutsche, schießt ein Tor“, singen sie. Und das ist die pure Wahrheit: Sie singen, sie singen laut, sie singen fast verzweifelt, und in dieser Phase trifft Lahm ins Lattenkreuz. Jeder weiß, dass er ohne die Gesänge im Schlesinger nicht getroffen hätte. So geht Kneipenfußball, das Theater wiedererwachter Kindheit. Sehr ernst. Und deutsch: In der Pause läuft kurz „Griechischer Wein“, und man hört das Kreischen junger Mädchen, während neue Bierbecher die Tische füllen.

Neben mir sitzt Kosta, 48, gebürtiger Grieche, Systemingenieur, „fanatischer Fußballanhänger“. Er schaut Fußball im Schlesinger „wegen der Toleranz“. Trikot, Fahne: kein Problem. Kosta sagt, die deutschen und die griechischen Medien hätten das Spiel „auf ärgerliche Weise politisiert“. Er wünscht sich, der Fußball könnte über die Politik siegen. Und er sagt, sein Herz könne an einen griechischen Sieg auch dann glauben, wenn ihm der Verstand sage, dass Griechenland verliert. Sekunden später macht Samaras das 1:1.

Das Publikum singt wieder, kaum einer wird mir glauben, es ist das Lied vom Tor. Khedira hat gute Ohren. Es steht 2:1. Das Fernsehen zeigt die jubelnde Kanzlerin, was für eine deutsche Motorik. Ein Mensch (ein Hosenanzug) außer sich. Gott schütze Klose, er löscht dieses Bild. 3:1. Das ist der Moment, wo die Party beginnt, wo die Anspannung einer Lust auf Mehr weicht.

Das Ding ist gelaufen, Kosta irgendwo im Getümmel abgeblieben. Er weiß, dass sein Herz gegen den Verstand verloren hat. Der bessere Fußball hat gewonnen, womöglich auch das schöne Spiel. Reus macht das 4:1, liefert ein wenig Extrastoff für die Party der Sieger. Elfmeter. 4:2. Na und. Es ist die Nacht zum Samstag, das Wetter ist gut, und das irre Spiel geht auf den Straßen weiter.



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