Bauers Depeschen


Samstag, 02. Oktober 2010, 588. Depesche



FLANEURSALON am Sonntag, 7. NOVEMBER (19.30 Uhr), im THEATERHAUS mit:

HÄUPTLING SITTING KÜCHENBULL - Außerdem im Aufgebot: Eric Gauthier Trio, Dacia Bridges Duo, Michael Gaedt solo als The Master Of The Universe...

Der Bulle zieht gegen S 21 zu Felde: VINCENT KLINK



STUTTGART

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hatte das Baumfällen am vergangenen Donnerstag im Schlossgarten verboten - diese Meldung passt ins politische Chaos der Mappus-Gang. Und weil wir bei M sind: Die "Stuttgarter Zeitung" berichtet heute ganzseitig über Mafia-Verflechtungen in Stuttgart. Ein gewisser Herr Oettinger spielt (wie seit vielen Jahren) eine Rolle im Milieu: Als einer seiner "Freunde" wird ein italienischer Gastwirt in Stuttgart genannt - zwei seiner Angestellten treten zurzeit in einem Prozess vor dem Landgericht Stuttgart auf - als mutmaßliche Beteiligte beim Mordversuch an dem Herrenausstatter Felix W. Der Italo-Gastronom ist allseits bekannt, unlängst hat er ein neues Stuttgarter Lokal übernommen. Die weiteren Details gehören nicht unbedingt auf diese Seite. Klar sein müsste aber: Überall, wo sich große Baustellen wie Goldgräber-Minen auftun, ist die Mafia traditionell gern zu Gast.



RING THE BELL

Zunächst bedanke ich mich bei den vielen Leuten, die am Donnerstag und Freitag, nach den hässlichen Ereignissen bei der Demonstration gegen Stuttgart 21 im Schlossgarten, meine Homepage besucht haben, um die 587. Depesche über die Eskalation zu lesen (und im LESERSALON zu kommentieren). So erfährt man, dass nicht jede Arbeit umsonst ist, auch nicht die kleine.

Habe mir am Freitagabend erlaubt, für einige Stunden den Stuttgart-21-Planeten zu verlassen. Leonard Cohen, einer der letzten ehrbaren Männer des weltläufigen Entertainments, war in der Schleyerhalle (Veranstalter: music circus, Dank an Frau Mirjam mit jott).

Was für ein großartiger Sänger, Komponist, Gitarrenspieler. Welche Würde, wenn er vor den Virtuosen seiner achtköpfigen Band den Hut zieht, sich in Demut verneigt vor diesem Können. Gut drei Stunden lang spielte er, wir genossen den wunderbaren Sound der Band, die grandiose Präsenz dieses Sängers. 76 Jahre ist er alt, und er wird uns bleiben.

Mal tänzelt er aus dem Rampenlicht der Bühne, als wollte er den Tricks der Bühnenmagier augenzwinkernd Tribut zollen, mal kniet er auf den Brettern, als wollte er seine ganze Kraft auf kleinstem Raum konzentrieren. Seine Stimme kommt mehr denn je aus der Tiefe eines durch und durch amerikanischen Lebens: "I remember you well in the Chelsea Hotel..." Das alles hat so viel Stil und Gegenwart, dass man sich, wie die Männer der Bühnen-Crew, einen kleinen schwarzen Hut aufsetzen möchte, um ihn vor Mr Cohen zu ziehen.

Es fließt spürbar Energie in dieser Show, so viel, dass die beiden Background-Sängerinnen der Band einmal ein Rad schlagen. Man fühlt sich weit weg von allem, irgendwo außerhalb, fern aller Bierzelt-Widerlichkeiten, die den Charakter heimischer Politik prägen, und dann kommt es doch: Er habe nicht das Recht, sagt Leonard Cohen, sich in fremde Dinge einzumischen, aber er habe gehört, dass der Park abgeholzt wird: Passen Sie auf sich und Ihre Bäume auf! Ein Akt der Solidarität, das Publikum jubelt, und dann singt er uns den SOUNDTRACK DES TAGES



KOMMENTARE SCHREIBEN: LESERSALON



TIPP: Weil bald wieder Weihnachten ist, hier noch der Hinweis: Es gibt für die Benefizshow "Die Nacht der Lieder" am 16. und 17. Dezember im Theaterhaus tatsächlich nur noch Restkarten (siehe "Termine").



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