Bauers Depeschen


Donnerstag, 18. Februar 2010, 448. Depesche



Nächster Flaneursalon: Mittwoch, 24. Februar, Theater Rampe

Es gibt noch Karten: 0711 / 620 09 09 - 16.



Kolumnen in den Stuttgarter Nachrichten

(Baustellenhinweis: Wegen Relaunch-Arbeiten kommt es derzeit zu Verzögerungen)

Leserbriefe zu den StN-Kolumnen bitte an: j.bauer@stn.zgs.de



Friendly Fire:

www.kessel.tv

www.bittermann.edition-tiamat.de



BETR.: IMMER DAS GLEICHE, KOLUMNE



Zwei Kleinigkeiten, bevor es zur heutigen Kolumne geht:

Der Gerda-Taro-Abend heute im Literaturhaus mit Irme Schaber, Stefan Hiss und meiner Wenigkeit ist ausverkauft.

Nicht ausverkauft ist der Flaneursalon am Mittwoch nächster Woche im Theater Rampe. Es gibt noch etwa 40 Karten, das sind nach Adam Einstein und Albert Riese 20 x 2 Tickets. Wenn die keiner will, werde ich Bauchredner in der Wilhelma. Dann geht mir die gottverdammte Reklame am Arsch vorbei.

Mit herzlichen Grüßen an alle ehrbaren Kunden:

Le Flaneur i. R.



StN 18. 2. 2010 / "Joe Bauer in der Stadt"

STADTSTREICHER, ÖSTERREICHER



Meine Fastenzeit hat begonnen, das gilt vor allem für die Kopfarbeit. Einen Kopf, das wissen wir seit Westerwelle, kann man nicht pausenlos melken wie eine Kuh oder den Staat. Ich kann nicht tagtäglich durch Stuttgart stiefeln und aus meinem Kopf Gift und Galle herausmelken, als sei ich der Außenminister.

Auf der Online-Seite des „Spiegel“, dem ich seit meiner Pubertät ein gewisses Gottvertrauen entgegenbringe, ist zu lesen, der Außenminister sage fortwährend das Gleiche. Das heißt: Er melkt sich selbst. Ob im Kopf, weiß man nicht. Die Dekadenz-Nummer jedenfalls wiederholt er seit Jahren. Nur hat es früher keinen interessiert.

Sich selbst auszulutschen, wenn man alles andere schon leer gemolken hat, ist erlaubt. Andere beklauen andere. Gestern habe ich im „Media Newsletter“ gelesen, ein Reporter der „New York Times“ habe vom „Wall Street Journal“ und bei der Agentur Reuters „ganze Textpassagen übernommen“, ohne Quellen anzugeben. Zuvor hatte die „Times“-Kolumnistin Maureen Dowd reichlich aus dem Internet kopiert.

Abschreiben ist in Mode. Und wenn man jetzt schon in New York geistigen Diebstahl begeht, dann ist wirklich Fastenzeit. Dort müsste ein Zeitungsfritze doch leichter Stoff auftreiben als bei uns, wo mehr Leute zum Fasnetsumzug gehen als in die Kirche oder zu den Stuttgarter Kickers. Was haben diese Leute für einen Humor?

Am Faschingsdienstag wollte ich in meinem Stamm-Kopierladen geistiges Eigentum raubkopieren. Das Geschäft war schon am Morgen geschlossen. Gut, sagte ich, wenn ich nichts klauen kann, gehe ich einkaufen. Als mir diese Idee kam, war es Mittag. Ich hätte eine Stereo-Anlage, einen Pelzmantel und ein Reihenhaus gebraucht. Aber es war Fasching und alles geschlossen.

Es ist kein Wunder, wenn der Staat bankrott geht, weil man sich spätrömischen Saufgelagen mit Weibern hingibt. Wie kann man die internationalen Handelsbeziehungen einstellen, nur weil Fasching ist? Auch die Türken hatten nicht geöffnet, die Griechen sowieso nicht. Pleite.

Ich hatte nicht gewusst, dass faschingsdienstags die Stadt geschlossen hat. Aus Furcht vor dem Straßenumzug habe ich mich früher immer zwei Tage eingeschlossen und den Schlüssel verschluckt.

Diesmal bin ich eine Weile in den Straßen herumgelaufen. Weite Teile der Stadt waren leer. Ich kam am Landtag vorbei und dachte: Drinnen feiern die Abziehbilder der schwarz-gelben Bundesregierung Fasching. Die Westerwelles für Arme. Diese Dekadenz ist mir bisher nicht richtig bewusst gewesen. Dabei muss man sich nur den Justizminister Goll anschauen: Klarer Fall von FDP-Haipfler. Er hat sich mal einen Ferrari gekauft und danach für die Fußfessel bei Gangstern plädiert, damit ihn kein anderer Politiker überholt.

Es war heute ungeschickt, den Text für diese Kolumne nicht abzuschreiben. Kopierte Texte sind lustiger, man kann sie jahrelang in der Manteltasche herumtragen und immer wieder aufsagen: Dekadent! Die elf Millionen Armen hierzulande (Quelle: „Spiegel Online“) sind dekadent!

Am Samstag beginnt in den Stuttgarter Theatern die „Wiener Woche“, und ich könnte zur Förderung der bilateralen Beziehungen einen Österreich-Witz aus dem Internet abschreiben: „Stadtstreicher, Landstreicher, Österreicher“. Ein Wiener Ehrenmann würde entgegnen: Geh scheißen! Das ist ein alter österreichischer Abschiedsgruß und bedeutet: Ich empfehle Ihnen, Ihre Goll’sche Fußfessel abzulegen, bevor alles in Ihre dekadente Hose geht.

Ich komme zum Schluss und verrate Ihnen mein Mantra für die Fastenzeit: „Das letzte Lied hat keine Taschen.“

(Abgekupfert von Helge Schneider, der in der Liederhalle war).



KOMMENTAR: LESERSALON






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