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# 2985 | 31.12.2018 15:27:23 | Wilfried Harthan schrieb:
Letzte "Stuttgarter Nachrichten"-Kolumne als Lohnabhängiger

Der Chef geht in Rente, was eigentlich gar nicht geht. Aber wenn es weiterhin jede Woche eine Kolumne gibt, dann sind wir ja gerade nochmal davongekommen. Vielleicht ist ja auch ab und zu noch eine Fußball-Kolumne dabei.

Machs gut, Joe. Langweilig wird es dir, wie den anderen Menschen mit Charakter, eh nicht. Dafür werden die Anderen schon sorgen. You'll never walk alone!
Joe:Herzlichen Dank, Wilfried. Sagen wir es so: Es wird weitergewurstelt.

# 2984 | 16.12.2018 13:33:19 | Wilfried Harthan schrieb:
SGV und SSV

Nachdem es bei den letzten vier Salon-Beiträgen um Fußball gegangen ist, möchte ich noch eine weitere Anekdote, oder besser Kurzbericht hinzufügen. Gestern fragte mich auf der Südtribüne mein Blocknachbar, ein Wahldortmunder aus Ostfriesland, was denn eigentlich die Kickers so machten. Ich nutzte die Gelegenheit, um mein Salonwissen über das harte Brot der Kickers in der Oberliga, speziell die Spiele gegen den SGV (Sport- Gesangverein) Freiberg, sowie den SSV (Schwimm- und Sportverein) Reutlingen unter die Leute zu bringen. Mein Blocknachbar berichtete, dass es in Vechta (Ostfriesland)auch einen SSV gibt, die Abkürzung hätte aber etwas ganz anderes zu bedeutuen, nämlich Strafgefangenen-Sportverein 1971 Vechta. Und den gibt es wirklich. Der ist an die dortige JVA angeschlossen und gibt Freigängern die Möglichkeit, zu kicken. Allerdings nicht im Ligabetrieb, dazu wäre, so mein Blocknachbar, die Fluktuation dann doch zu groß, eigentlich logisch. Diese Geschichte passte zu Weihnachten besser als Jingle-Bells-Gedudel vor dem Spiel. Schon interessant, was der doofe Fußball so alles zustande bringt, wenn man ihn nur lässt.

# 2983 | 12.12.2018 14:06:56 | nesenbacher schrieb:
@2044. Depesche
Bei "scharfen Socken" dachte ich zuerst an Erich Schmeil (RIP), der von "Kotlett" auch Schürhaken" genannt wurde.
Kurt "Kotlett" Hörber: immer hinterm Tor ("Feldherrenhügel") am Maschendraht, niemals überdacht ;-)
@#2982: Kotlett kickte auch bei der Eintracht. Es lohnt ein Blick zurück zur 100. Depesche.
Apropos Räpple: Er wurde heute im Landtag des Feldes verwiesen.

# 2982 | 11.12.2018 22:34:31 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
Ein Fundstück:

„Blau“ ging es in Degerloch, fußballerisch gesehen, offenbar schon früher in noch anderer Weise zu, und zwar mit dem „FV ‚Die Blaue Elf‘, der 1909 auf Degerlochs Höhen ins Leben trat und 1921 mit dem FV Schwaben Stuttgart zum heutigen SV Eintracht fusionierte“. Der FV war wohl eine Fußballmannschaft der Blaukreuz-Bewegung. Das „Blaue Kreuz“ gibt es heute noch.

Wieder was gelernt. Aus: ZEITSPIEL. Magazin für Fußball-Zeitgeschichte. Nr. 13, IV/2018, S.12 (in der Rubrik: Unverzichtbares Wissen)

# 2981 | 08.12.2018 13:13:26 | Wilfried Harthan schrieb:
@ 2980

In diesem Sinne aus Dortmund:
AUF DIE BLAUE!
Natürlich nur die auf der Waldau.

# 2980 | 08.12.2018 12:59:05 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
Zweifellos waren die Reutlinger Tage die schönsten der jüngeren Kickers-Vergangenheit. Ausgerechnet. In der Heimstatt des Schwimmvereins also, der auch – in gleich vielerlei Weise zutreffend - als „Sommerschlussverkauf“ bekannt ist. Gepflegteste Spielkultur mit beinahe eingebauter Sieggarantie. Mit behaglichem Vergnügen erinnert sich der getreue Kickersmann an die junge Dame hinter dem Tresen, bei der eine Stadionwurst zu ordern ein Vergnügen war, auf das man sich bereits auf der Heimfahrt erneut fürs nächste Mal gefreut hat. Auch das Stadion, so man es denn so nennen will, ist als Sonderbarkeit und Skurrilität eine weitaus längere Reise als die aus Stuttgart wert. Eine an den Rand der Alb gezimmerte Haupttribüne, die den Geist des Größenwahns atmet und aussieht, als hätte ein UFO Ballast abgeworfen, um Reutlingen, verständlich, schnellstmöglich wieder zu verlassen. Und sonst: nichts. Der Rest der Anlage wäre einem Bezirksligisten zu peinlich. Mittendrin während des Baus ist damals wohl der ganze Reutlinger Schwindel aufgeflogen und der Cash, der rechtens nie da war, war weg. Sommerschlussverkauf eben. Was nebenbei für uns zu dem kuriosen Ergebnis führte, dass sich der B-Block auf eben diese Haupttribüne bequemen musste. Das Schicksal ist unerbittlich: „Eugenie so gehts / so schwindet was wir schauen“, schreibt der große Andreas Gryphius. Ansonsten hat – oder hatte, ich war länger nicht da – Reutlingen eine 1A-Bahnhofswirtschaft, wie man sie in dieser Güteklasse kaum mehr findet und für die der Connaisseur eine lange Fahrt gerne mit wohliger Wehmut in Kauf nimmt. Darüber hinaus hat Reutlingen: genau, ebenfalls nichts. Keinem Menschen, der bei Sinnen ist, fällt zu Reutlingen irgendetwas ein. Wikipedia weiß immerhin, dass die Stadt auf einer geneigten Schotterterrasse liegt.
Ein lärmender Unfug, ein Desaster, eine Zwangsneurose, eine Katastrophe, gegen die in der Oberliga spielen zu müssen eine Zumutung ist. Dass sich die Fans des Schwimmvereins (solche gibt es, der Mensch als solcher ist zu allem fähig) als Filiale von Cannstatt verstehen, passt ungezwungen ins Bild. Als „Hochrisikospiel“ klassifiziert, weshalb mit ungefähr siebeneinhalb Hundertschaften an Polizeipräsenz zu rechnen ist (zahlen die eigentlich wenigstens Eintritt?): Stuttgarter Kickers vs. SSV Reutlingen
Sonntag(!), 09. 12. 2018, 14 Uhr
Kickersplatz auf der Waldau

# 2979 | 07.12.2018 00:28:59 | Stuttgarter Bürger schrieb:
# 2977 | 16.11.2018 12:48:44 Ehrenmann, so man ein Ehrenwort gibt ? Also wie diese Figur aus Oggersheim.
Oggersmann wie Vito Corleone zu sagen pflegte. Unser Mann zu deutsch.

# 2978 | 21.11.2018 16:12:04 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
Erektile Dysfunktion. So viel steht wohl fest (sofern das der in diesem Zusammenhang glücklich gewählte Begriff ist) und ist gesicherter Forschungsstand. Ich selbst schließe auch nicht vollends aus, dass die delikate Andeutung einer gepflegten ejaculatio praecox („schow, wie naß ist mir min claid!“, Vers 304) vorliegt, möchte aber keine vorzeitigen Schlüsse ziehen: Ich war einfach nicht auf der Hut. Damals, in der mittelhochdeutschen Unterweisung. Die Rede ist natürlich vom Spiel gegen Bissingen am Samstag. Bissingen gehörte im späten Mittelalter zur Hälfte den Herren des heute noch angrenzenden Sachsenheim. Einer dieser Herren war Hermann von Sachsenheim, 1366 (-1369) bis 1458, Staatsmann und Dichter. Und Verfasser sogenannter „Minnereden“, wie jener „Von der Grasmetzen“, wohl um 1450 entstanden (als also Hermann selbst schon, zumal in jener Epoche, ein mächtig alter Sack gewesen).
Inhalt, in Kürze: Ritter, alter Bock, will sich im Mai an eine junge „Grasmetze“ (Grasschneiderin) ranwanzen, mit allerhand Großsprecherei, zuletzt mit Gewalt, aber sein wohl eher ehedem edelstes Teil spielt da nicht mehr mit („ich muost eht wider uff stän, / dann mir das tier zuo wild was“, Verse 294/295).
Denkbar, dass die Ur-Szene zu diesem Abenteuer in Bissingen selbst gespielt hat, wer will das heute schon wissen. Freilich fängt hier die Sache an, ungemütlich zu werden. Mit wem wollten wir, die Stuttgarter Kickers, uns im Spiegel dieser Minnerede vergleichen? Ritterlich sind wir ja wohl selbstverständlich ... aber von derart trauriger Gestalt? („di gieng ich von ir als ain steuem / und hett verlörn min zuo versicht“, Verse 320/321). Oder finden wir uns in der unbezwungenen, übrigens recht derb-koketten Jungfer wieder? Auch irgendwie blöd. Nun ja.
Entscheidend ist aufm Platz, bzw. im Klee: „ich warff sie nider in den cle.“ (Vers 284).

Von Einfluss und Vermögen derer von Sachsenheim zeugte das Sachsenheim-Haus in Stuttgart, ein prachtvolles Doppelgebäude in der Gegend von Turmstraße / Schmale Straße, nach jahrhundertelanger wechselnder Geschichte im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Stuttgarter Kickers vs. FSV 08 Bissingen
24. 11., 14 Uhr
Kickersplatz auf der Waldau

Erste Annäherungen in Wikipedia
- Hermann von Sachsenheim
- Von der Grasmetzen (hier auch Link zum vollständigen Stück)
- Sachsenheim-Haus

# 2977 | 16.11.2018 12:48:44 | nesenbacher schrieb:
@2032. Depesche
Passend zur Kolumne "Schwarzer Magier" lautet das Jugendwort des Jahres "Ehrenmann/Ehrenfrau". Das kann sich eigentlich keiner ausdenken. Ich fress meinen Langenscheidt.
Joe:Ehrenmann: Seit jeher mein Lieblingwort. Als junger Kerl gelernt in Mafiafilmen - und im Rotlichtmilieu der Altstadt.

# 2976 | 10.11.2018 15:41:35 | Wilfried Harthan schrieb:
@ Depesche 2029

Eine große Rede zum 80. Jahrestag der Pogromnacht! Schön auch das Lied zun Tag: Boulevard St. Martin von Hannes Wader. Es erzählt von dem Juden, Kommunisten und Résistance-Kämpfer Peter Gingold aus Frankfurt. Bis zu seinem Tod ist er ein unermüdlicher Mahner gegen alte und neue Nazis geblieben. Er hat einmal gesagt:

„1933 wäre verhindert worden, wenn alle Gegner der Nazis ihren Streit untereinander zurückgestellt und gemeinsam gehandelt hätten. Dass dieses gemeinsame Handeln nicht zustande kam, dafür gab es für die Hitlergegner in der Generation meiner Eltern nur eine einzige Entschuldigung: Sie hatten keine Erfahrung, was Faschismus bedeutet, wenn er einmal an der Macht ist. Aber heute haben wir alle diese Erfahrung, heute muss jeder wissen, was Faschismus bedeutet. Für alle zukünftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschismus nicht verhindern!“

Ein großes Wort, passend zu einer großen Rede.
Joe:Danke Dir, Wilfried. Hauptrednerin bei unsere Veranstaltung war Silvia Gingold, die Tochter von Ettie und Peter Gingold, die beide in der Résistance kämpften. Den Abend beendeten wir mit der Einspielung von Hannes Waders Lied.

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