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# 94 | 19.02.2010 22:02:34 | Hans-Ulrich Wagner schrieb:
@Depesche/Kolumne vom 18. 2. 2010 / FRÜHER

Als ich klein war, gab es eine gute Fee in Stuttgart. Die hatte einen Stab, mit dem sie auf gewisse Schmocks vom Tennisclub Weißenhof oder im HTC-Degerloch zeigte, die in der Vereinsgaststätte damit prahlten, wie gewieft sie ihre Steuern hinterzogen hätten. Dabei sagte die Fee: Diese da sind zwar recht wohlhabend und fahren 6- und 8-Zylinder, aber doch eitles, ungebildetes Gesindel. Die guten seid ihr süßen Bildungsbürger, ihr Jünger Goethes, Schillers und Beethovens dort auf dem Pfad der Tugend! Kiesinger, der Belesene, war Landesvater, später Kanzler. Willy Brandt wurde per „Willy wählen“ gewählt. Der Intellektuelle galt noch etwas, Gold und Prunk waren nicht das Wichtigste. Für weniger kultivierte Politiker, womöglich aus Gegenden südlich der Donau, hatte man verächtliche Gedichte:

X.Y. rühmt sich eines Rekords:
Dümmster Bauernlackel hierorts.

Anstelle X.Y. bitte passenden Politikernamen einsetzen

So schalmeit es weit hinten in meinen Erinnerungen. Wer mag das über wen gedichtet haben, als ich in die Österfeldschule ging und Autoquartetts sammelte? Die Zeiten ändern sich. Der schöne Reim taucht aus meinem Gedächtnis auf und ich versuche trotzig, den Namen irgendeines zeitgenössischen schwäbischen Star-Politikers einzusetzen - einer von denen, die mir nicht passen, weil sie besonders blöd und aufgesetzt daherreden, mir offensichtlich scheinende Unwahrheiten verzapfen oder angeblich keine Klientelpolitik betreiben, was sie beweisen, INDEM sie Klientelpolitik betreiben.

Ulrich Goll rühmt sich eines Rekords:
Dümmster Bauernlackel hierorts.

Das passt leider überhaupt nicht. Minister Goll ist natürlich kein Bauernlackel und schon gleich zwei mal nicht dumm. Er sagt zwar manchmal seltsame Sachen, ist aber schlank, gut gekleidet und fährt, wie gelegentlich erwähnt wird, einen italienischen Sportwagen. Er kann sogar im Anzug Fußball spielen (www.ulrich-goll.de/gallery.php?image=09.jpg& amp;view=big). Ein Universalsupermann.
Etwas hat sich seit meiner Kindheit verändert: Die dicken und doofen Fettnapfpolitiker zum drüber erhabenfühlen sterben langsam aus. So komme ich zu einer zweiten schönen Formulierung, die (nicht nur) mir wegen ihrer Plastizität und Ausdruckskraft am Herzen liegt. Die Jünger (Goethes usw.) können SCHEISSEN GEHEN. Ich mit meinem blöden Gedicht natürlich schon gar: Keine passende Schmähung mehr, kein Einfluss auf Bautätigkeiten im Bahnhofsbereich und auch keine Fee, die abschätzig auf die listigen Bonzen weist. Aus zwei Welten ist eine geworden - eine in der endgültig die Supermänner das Sagen haben. Das Berlusconi-Syndrom infiltriert die protestantische Ethik im Schwabenland.

# 93 | 19.02.2010 14:14:14 | Thomas Erdner schrieb:
@Depesche vom 19. 2. 2010
Ich habe ihre Veranstaltung mit Irme Schaber über Gerda Taro besucht und kann nur zustimmen. War wirklich ein toller Abend. Dass Propheten im eigenen Land nichts gelten, kann man ja kaum noch hören. Dass dies insbesondere für Linke und, zunehmend, nicht ganz dem Mainstream zugehörige Menschen gilt, ist schon auffällig. Der „kleine Ausflug“ zur Anerkennungsgeschichte von Georg Elser zeigte dies deutlich. Graf von Stauffenberg gehörte eben eher zum Establishment. Welche Kämpfe ausgetragen werden müssen, um einer bedeutenden Künstlerin zu ihrem Recht auf Anerkennung zu verhelfen, ist schon erstaunlich, macht aber auch klar, wie Kunst und Kommerz zusammenhängen, und wie viel z.B. eine Kulturbürgermeisterin von Kultur verstehen muss.

Die Ausstellung im Stuttgarter Kunstmuseum sollten jedenfalls nicht nur Fotoenthusiasten besuchen.

Eine Liste der gestern verwendeten Bücher wäre noch klasse.

Jedem, der sich für den Einfluss von Propaganda auf Medien und Geschichtsschreibung interessiert, empfehle ich das kleine Büchlein „Der kurze Sommer der Anarchie“ von Hans Magnus Enzensberger. PS: Eine Ausstellung der Fotoagentur von Taro und Capa (Magnum) ist noch bis zum 18. April in der „Galerie der Stadt Fellbach“ zu sehen.
Joe:Vielen Dank, freut mich, dass Ihnen der Abend im Literaturhaus gefallen hat. Die Bücher, aus denen ich zitiert habe, sind im vergangenen Jahr neu aufgelegt worden: "Ausgewählte Briefe" von Martha Gellhorn (Dörlemann Verlag) und "Paare" (Fischer, Taschenbuch) von derselben Autorin.

# 92 | 18.02.2010 17:00:11 | Bernhard schrieb:
Verfallsdaten für Westerwelle
"Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern.“
Erstaunlich! Westerwelle kommentiert mit einem Gehirnfurz das Hartz-IV-Urteil des Verfassungsgerichtes und plötzlich ist das Wort Dekadenz in aller Munde. Unter dieser „spätrömischen Dekadenz“ stellen sich die meisten so etwas wie „Sex and drugs and Rock’n’Roll“ im alten Rom vor. Orgien, Saufgelage, Völlerei und niemand weiß, wer hinterher die Zeche zahlt. Und kaum ist der Kater ausgestanden, bricht mit großem Getöse das ganze Römische Reich zusammen. Dekadenz sei, na, irgendwie über die Verhältnisse zu leben. Dabei meint Westerwelle natürlich nicht sich, sondern die arbeitsfaulen Hartz-IV-Empfänger, die sich mit der gerichtlich verordneten Extraknete für ihre sieben Kinder zukünftig nun jeden Tag einen Kasten Oettinger und eine ganze Stange Kurmark kaufen können.
Das eigentlich Dumme an dieser Diskussion ist, dass Herr Westerwelle und auch viele die sich nun über ihn aufregen, gar nicht wissen, was mit Dekadenz gemeint ist. Das Wort beschreibt doch ursprünglich Veränderungen in Kulturen und Gesellschaften als „Verfall“, und das auch durchaus im positiven Sinne von notwendigen Veränderungen. Klar! Rousseau und andere Konsorten aus dem Fach der, mal mehr, mal weniger revolutionären Gesellschaftsphilosophie haben dieses Wort geprägt.
Und wenn es noch tausendmal in schlechten Geschichtsbüchern steht, die Dekadenz, oder besser der „Verfall“ des Römischen Reiches hat mitnichten damit zutun, dass die römischen Bürger und ihre Heerscharen von Sklaven auf zu großem Fuß gelebt hätten. Die Historiker sind sich einig, dass der Untergang des Römischen Reiches in einer eklatanten Führungsschwäche der letzten Kaiser und der politischen und militärischen Kaste begründet lag. Sie waren sich ihrer selbst und ihrer Pfründe allzu sicher. Hinzu kommt, dass der Niedergang des Reiches eine sehr positive Veränderung mit sich brachte. Die römischen Sklaven erlangten in der Folge ihre Freiheit, die Rechte des Bürgertums wurden neu definiert und es ging allen in den Nachfolgestaaten des weströmischen Reiches besser als je zuvor.
Westerwelle hat, ohne es zu wissen, ein wahres Wort ausgesprochen. Anzeichen solch „spätrömischer“ Dekadenz gibt es in unserer Republik zuhauf. Der Verfall zeigt sich etwa in der Unfähigkeit, dem verheerenden Treiben der Bankster Einhalt zu gebieten. Oder vielleicht im Versagen, unser friedliches Land vor korrupten Politikern und einer Dumpfbacke als Außenminister zu schützen.
Wenn ihr den nochmal wählt, steht der Untergang des Abendlandes mit Sicherheit bevor.

# 91 | 18.02.2010 11:06:23 | Cornelia Pfadenhauer schrieb:
@Schneider etc.
Das ist doch fürsorglich und verständnisvoll!
Danke für den Bescheid und dass Sie offensichtlich gleich noch mal zur Liederhalle rübergelaufen sind, um das zu klären. Kusshand in den Westen! Dann also bis Mai 2011. Ich freue mich riesig.
Heute früh habe ich nach der Erstversorgung mit NACHRICHTEN und Brot die Grüße der Nachbarn entgegen genommen und gedankt. Ebenso Licht getankt. Der Winter- und Schönheitsschlaf geht aufs Ende zu. Ich muss fit sein für nächste Woche (FLANEURSALON).
Was die morgendlichen Grüße anbelangt, sind es bei uns im Umfeld vorwiegend die Betagten, die schon früh unterwegs sind. Ordentlich zurechtgemacht und freundlich gestimmt machen gerade die älteren Herrschaften oft mehr Freude und Mut als meine Altersgruppe. Zum Beispiel Frau G. mit ihrem Gugelhupfhundle im Rollatorkörbchen geht nie ohne Hut, Schal, Ohrclips und lustigen Spruch. Einer der Herren hat heute zum Gruß sogar an seinen Hut getippt. Früher wurde der Hut ja gelupft. Da war mal einer dabei, der hat seinen Hut direkt gelüftet. Er ließ seinen Hut am langen Arm verhungern und man konnte sich noch drei Mal umdrehen, bevor der Hut wieder auf den Kopf des Herrn zurückfand. So etwas würde heute kurioser anmuten wie der Mitbürger, der hauptsächlich samstags mit überdimensionalem Blechschild mit der Aufschrift „Säuglingstaufe ist Satanswerk“ durch die Stadt geht.
Joe:Demnächst werde ich, mit Rücksicht auf die Programmvielfalt, den Pfadenhauer-Privatkanal eröffnen.

# 90 | 17.02.2010 18:32:32 | Cornelia Pfadenhauer schrieb:
@ Tote Männer

Yes Sirs!
Wie mir scheint, habe ich immer noch nicht ausgelernt hier.
Danke für die Musikempfehlung.

Hat jemand von Ihnen die Macht, Helge Schneider das nächste Mal für Mai nach Stuttgart zu bestellen? Ich halte in der Faschingswoche traditionell Winterschlaf.
Joe:Herr Schneider hat gesagt, ihm wäre recht, wenn Sie keiner weckt.

# 89 | 17.02.2010 14:41:03 | rebstock schrieb:
Hörbefehl: Dan Reeders gleichnamiges Album und The New Century. Hört, und ihr hört auf, tote Männer zu zitieren.
Joe:Genau. Tote Männer tanzen nicht.

# 88 | 17.02.2010 10:06:27 | Dieter Münch schrieb:
Hier spricht der Torfkopf: Anregung aufgenommen. Dr Salon heimelt an, besonders wemmr bei de Fischkepf romgurkt. Nehme Anregung von Gugger Rolf H. Schübel auf: ....dann lass uns tafeln. Vielleicht an einem Donnerstag in dieser Weinstube x (was ja ne Schleichwerbung wäre)
Joe:War gerade bei Helge Schneider. Den, Torfkopf, habe ich besser verstanden (siehe Depeschen).

# 87 | 16.02.2010 21:51:09 | Aland Ibn Icht schrieb:
Wo bin ich denn hier gelandet?!?

Mama! Ich will nach Hause!

Mach bitte den Winter weg!
Joe:Auf der Sonnenseite des Netzbetriebs bist Du gelandet. In Österreich würde hier stehen: Geh scheißen!

# 86 | 16.02.2010 14:57:08 | Elisabeth Berries schrieb:
@ Lyrik
Also gut, Lyrik künftig nur noch aus der leiblichen Werkstätte.
Joe:Bitte elektronisch.

# 85 | 16.02.2010 10:03:53 | Elisabeth Berries schrieb:
@Lyrik-Ecke
Pflücke die Stunde, wär sie noch so blaß,
Ein falbes Moos, vom Dunst des Moores naß,
Ein farblos Blümchen, flatternd auf der Heide;
Ach, einst von allem träumt die Seele süß,
Von allem, was ihr eigen, sie verließ,
Und mancher Seufzer gilt entflohnem Leide.
Aus „Carpe diem!“
von Annette v. Droste-Hülshoff
Joe:Bei aller Pietät: Irgendwann bekomme ich Probleme mit den Urheberrechten. Dann mache ich Nasse, wie der Altstadt-Lyriker sagt, und bitte um Moos von der Heide.

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