Bauers Depeschen


Montag, 12. September 2022, 2321. Depesche


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LIEBE SALON-GEMEINDE,

in meiner jüngsten Kontext-KOLUMNE schildere ich, warum Stuttgart Schuld hat am Karl-May-Getöse - aber auch, wie eine völlig absurde Debatte von rechts inszeniert wurde. Hier geht's zum Text FÜR EIN PAAR DUMME MEHR



NOTIZEN

Jetzt, da der Herbst um uns herum- und in uns hineinschleicht – endlich, nach einem langen und zu heißen Sommer – ist bei mir etwas Ruhe eingekehrt. Im Moment ist nicht besonders viel zu tun, aber ich denke, diese Art Stille ist trügerisch. Ich weiß, in meinen heutigen Notizen wiederhole ich mich, aber trotz aller Ruhe lässt es mir keine Ruhe: Angesichts der drohenden Energie- und Wirtschaftskrise wird vermutlich einiges auf uns zukommen, und möglicherweise wird es darum gehen, mit Aktionen die Errungenschaften der Demokratie zu verteidigen. Die Rechten sind gerüstet, sie wissen, wie man faschistische Prozesse in Gang setzt und lenkt. Ihr strategisch geführter Kulturkampf fällt auch vielen sogenannten Fortschrittlichen nicht auf: Mit Spott und Häme und infantilen Bemerkungen über ihre früheren Indianderspiele beteiligen sie sich selber an den Feldzügen gegen Wokeness, Political Correctness oder Fridays for Future - ohne zu merken, wie der Identitätsfanatismus kleiner Minderheiten von rechts missbraucht und in einem Maße von „Bild“ & Co aufgeblasen wird, als würde unsere Gesellschaft (und ihre "Freiheit") von einer „Bewegung“ militanter Gedankenkontrolleure angegriffen. Das beste Beispiel dafür war die vollkommen absurde Debatte über ein Kinderbuch und Karl May. Alles wird zusammengerührt, und alles befeuert die rechte Propaganda: Cancel Culture, der Kampf gegen die Klimakatastrophe, Gendern, Verbote, Zensur (die meisten, die von „Zensur“ reden, wissen nicht mal, wie man sie definiert – nämlich als staatlichen Eingriff).

Unterdessen scheinen viele von ihrer Sehnsucht nach dem Märchenhäuptling Winnetou und dem Tod einer (posthum verklärten) Königin völlig überwältigt, anscheindend sind wir umzingelt von kindischer Heldenverehrung und peinlichem Royalismus - während die Bedrohung von rechts in der öffentlichen Wahrnehmung beinahe untergeht und in den USA wie in Europa (siehe Schweden, Italien etc.) immer gefährlicher wird. Unmut und Verzweiflung schaffen den Nährboden: Die Energiepreis-Explosion und die steigenden Lebenshaltungskosten stellen viele vor unlösbare existenzielle Problem.

> Bereits am heutigen Montag hat auf dem Stuttgarter Rotebühlplatz eine Kundgebung junger linker Aktivist:innen unter dem Motto „Preise runter! LÖHNE RAUF!“ stattgefunden. U. a sprach ein Mitarbeiter der Tafeln. Diesen Protest gibt es von jetzt an immer montags um 17:30 Uhr am selben Ort. Es wäre zwingend nötig, dass sich Linke/Linksliberale/Fortschrittliche (wie auch immer) zusammentun, um sich organisiert den Rechten entgegenzustellen (ich bin in dieser Hinsicht auch etwas ratlos, halte aber Kontakt u. a. mit dem Aktionsbündnis Stuttgart gegen Rechts - WEBSEITE STUTTGART GEGEN RECHTS). In vielen Ländern ist zu beobachten, wie sich Rechtspopulisten, Nazis und Konservative verbünden.

Natürlich müssten auch demokratische Parteien und vor allem Leute aus Gewerkschaftskreisen etwas auf die Beine stellen, aber da habe ich wenig Hoffnung (und muss mich aufgrund meiner Privaterfahrungen hüten, Sippenhaftung auszurufen). Ein weiteres Mal möchte ich in diesem Zusammenhang dringend Paul Masons neues Suhrkamp-Buch „Faschismus. Und wie man ihn stoppt“ empfehlen. Wiederholungen sind im Übrigen nicht nur die Folge meiner Einfallslosigkeit, manchmal hoffe ich auf ein klein wenig Wirkung.

>> Dann stehen noch einige Veranstaltungen bevor – und ich kann nur alle hier bitten, uns zu besuchen, denn der Publikumsschwund bei kleineren und mittleren Kulturereignissen ist zurzeit erschreckend. Auf diese Weise verschwinden auch politisch wichtige Orte der Begegnung, eine Entwicklung, die angesichts der finanziellen Probleme kaum beachtet wird.



TERMINE:

> Am Montag, 19. September (19.30 Uhr), stellt Heinrich Steinfest im Stuttgarter Literaturhaus seinen neuen Roman „Der betrunkene Berg“ vor (unsereiner moderiert). KARTEN, INFOS: LITERATURHAUS



> Am Donnerstag, 20.Oktober, ist der Flaneursalon im Bürgerhaus Möhringen. Gäste: Eva Leticia Padilla, Loisach Marci und Timo Brunke. (Vorverkauf erst im Oktober)



> Am Samstag, 29. Oktober, tritt der Flaneursalon auf Einladung im Laboratorium auf - Stuttgarts ältester Live-Club feiert seinen 50. Geburtstag. Mit Katalin Horvath, Eva Leticia Padilla, Jess Jochimsen. Karten: KARTEN, INFOS: LABORATORIUM



> Am 20./21. Dezember gibt es wieder Die Nacht der Lieder, die große Benefiz-Show im Theaterhaus. Karten online: THEATERHAUS – und telefonisch: 0711/4020720



KÜNSTLER:INNENSOFORTHILFE STUTTGART

WIR SIND WIEDER AKTIV

Eigentlich hatten wir vor, die KÜNSTLER:INNENSOFORTHILFE STUTTGART nach mehr als zweieinhalb Jahren auslaufen zu lassen. Ab Juni mussten wir ohnehin eine Pause einlegen, weil Fragen des Finanzamts zu klären waren. Urlaub und Krankheit in der Behörde haben in dieser Angelegenheit etwas Zeit gekostet. Inzwischen ist alles erledigt, wir sind wieder aktiv – aufgrund der explodierenden Energiepreise und des ausbleibenden Publikums aber wird die Kunst- und Kulturarbeit in vielen Bereichen schon jetzt mit neuen Problemen konfrontiert. Im Moment haben wir noch kleinere Reserven, um in der Not zu helfen. Sehr wahrscheinlich aber wird schon bald Heftiges auf die Kulturszene zukommen. Und wie schon in den harten Corona-Zeiten geht es erneut um Existenzen. Wir müssen also überlegen, ob wir noch was tun können. Bisher haben wir mehr als 1,5 Millionen Euro gesammelt und weitergeleitet. Allen Spender:innen großen Dank! Unsere Zwei-Mann-Aktion, die aufgrund der Pandemie noch vor dem ersten Lockdown ins Leben gerufen wurde, müsste inhaltlich neu ausgerichtet werden. Außerdem müssten wir dringend um weitere Spenden bitten.

Die ganze Sache war bisher nicht gerade stressfrei. Aus nicht wenigen Anfragen etwa war in der Vergangenheit deutlich herauszulesen, dass ihre Absender:innen außer einer E-Mail-Adresse nichts von unserer Arbeit und den Bedingungen wussten - und auch nichts über unser Motiv, Kulturarbeit als Teil einer demokratischen Lebensart zu verteidigen.

Bei Spenden und Anfragen bitte unsere Webseite beachten: KÜNSTLER*INNENSOFORTHILFE STUTTGART







 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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