Bauers Depeschen


Mittwoch, 26. August 2020, 2233. Depesche


Permalink zu dieser Depesche: www.flaneursalon.de/de/depeschen.php?sel=20200826

 

LIEBE GÄSTE,

hier findet man meine NEUE KOLUMNE in der Kontext:Wochenzeitung: Auf der Straße zum Schafott und in mein wunderbares Babylon.

ZUM BRÜLLEN

Alle zwei Wochen schreibe ich einen Beitrag für das Stuttgarter Online-Magazin, das samstags als Print-Ausgabe der Taz beiliegt.



Sonntag, 13. September, 19 Uhr:

FLANEURSALON AM NECKAR, IN DER NÄHE DES MAX-EYTH-SEES

Unsere für diesen Sommer geplante Hafen-Show hab ich ja schon früh in der Corona-Pandemie aus Gründen der Vernunft abgesagt. Jetzt rücken wir aber doch noch, verhalten, Richtung Neckarufer vor: Am Sonntag, 13. September, ist der Flaneursalon zu Gast beim Festival "Poesie & Oechsle" in der Zaißerei, in der Nähe des früheren Lokals Keefertal, heute "Riverhouse". Nicht weit vom Max-Eyth-See. Zum ersten Mal im Aufgebot ist die aus Prag stammende Sängerin Barbora Soares, begleitet von Michael Strobel an der Gitarre. Zusammen sind sie das Duo Sharova. Fehlen darf am Flussufer auf keinen Fall die betörendste Stimme des großen Stroms: Stefan Hiss. Und als Spezialgast: der Poet und Komiker Bernd Kohlhepp, bekannt auch als Herr Hämmerle. Karten: VORVERKAUF FLANEURSALON



Sonntag, 18. Oktober, 19 Uhr:

FLANEURSALON IM THEATERHAUS

Einen Monat später ist der Flaneursalon - wie schon lange geplant - im Theaterhaus. Zum ersten Mal unter Corona-Bedingungen im Saal. Die Lieder- und Geschichtenshow mit dem virtuosen Halbsatz-Komiker Rolf Miller, dem brillanten Satire-Autor Dietrich Krauß („Die Anstalt“) als Fachkommentator des Stuttgarter OB-Wahlkampfs - und mit der wunderbaren Musik von Thabilé und Toba & Pheel. Hier geht’s zu den Karten: VORVERKAUF FLANEURSALON



UNSERE KÜNSTLERSOFORTHILFE STUTTGART ...

... ist weiterhin täglich aktiv. Mehr als 310.000 Euro Spenden haben wir seit der Gründung unserer Initiative am 16. März erhalten - und damit bisher rund 950 Kulturschaffende unterstützt. Nach wie vor bitten wir um finanzielle Hilfe. Alle Infos für Spenden und Anfragen: KÜNSTLERSOFORTHILFE





DEMO

AN DIESEM MITTWOCH findet auf dem Stuttgarter Karlsplatz wieder die Kundgebung/DEMO der Beschäftigten in der Veranstastaltungswirtschaft statt: "Alarmstufe Rot". Beginn 12:05 Uhr. Ich wurde eingeladen, ein paar Sätze zu sagen - hier meine kurze Rede:



Schönen guten Tag, liebe Kolleginnen und Kollegen, 



wir stehen hier wieder direkt vor einem Produkt des Kulturbetriebs: einer Reiterstatue, sie zeigt Wilhelm den Ersten auf einem Pferd mit einem gewaltigen Arsch, an dem etliche von uns sind. Die Namen des Bildhauers und des Architekten dieses Denkmals sind auch noch heute überall verzeichnet. Welche Handwerker aber den Koloss im Schweiße ihrer Angesichter aufgebaut haben, das hat nie jemanden interessiert. Ihr wisst, was ich meine.


Schön zu sehen heute wieder, dass sich trotz aller Digitalisierung hier die wahre Energie durchgesetzt hat: Protest lebt von körperlicher Präsenz. --- Und jetzt bitte volle Konzentration, ich muss jetzt mal einen echten Soundcheck durchführen: Kann man euch überall hören in dieser Stadt?


Auf Dauer haben wir nur gemeinsam Power.
 Aus Gründen der Vernunft halten wir heute zwar körperlichen Abstand – in unseren Köpfen aber rücken wir zusammen.

Mitte März haben Freunde und ich die Künstlersoforthilfe gegründet, um Betroffene der Krise zu unterstützen. Finanziell ist das nur ein Tropfen im Ozean. Unsere Absicht ist es aber auch, auf die gesellschaftliche Bedeutung der kulturellen Arbeit hinzuweisen. Wir unterscheiden nicht zwischen Musikern, Technikern oder anderen in der Branche. Wir wissen doch alle: Oft ist es viel schwieriger, einen guten Lichtmann zu finden als einen guten Musiker.


Wenn du im Zirkus bist, werden immer einmal in der Show die Scheinwerfer auf die Requisiteure und Malocher gerichtet. Auf fast allen anderen Bühnen aber bleiben sie unsichtbar. Und obwohl wir zuletzt einen ungeheuren Event-Rummel erlebt haben, ist der Großteil des Publikums bis heute ahnungslos, wie Events funktionieren. Das müssen wir ändern – und uns für ein anderes öffentliches Bewusstsein einsetzen. Da müssen sich Künstler, Techniker und alle Beteiligten solidarisieren. Gerade jetzt in der Krise, die nicht auf die ohnehin Benachteiligten abgewälzt werden darf. Machen wir uns doch nichts vor: Schon vor Corona haben viele in der Veranstaltungswirtschaft unter prekären Bedingungen gearbeitet. Ebenso wie viele Künstler. Auch das müssen wir ändern.

Sehr oft wird über den Idealismus im Kulturgeschäft geredet. Auffallend gern machen das diejenigen, die für Löhne und Gagen zuständig sind. Und deshalb die Warnung: Der Hinweis auf den Idealismus verleitet zu der unsozialen Denkweise, Kulturarbeit mache man zum Vergnügen. Nein, liebe Freundinnen und Freunde: Kulturarbeit macht man vor allem auch, um seine Existenz zu bestreiten.

Für die herrschende Politik wiederum ist Kultur dazu da, sich in ihrem Glanz zu sonnen. Aber Kultur ist nicht machtrelevant – und deshalb wird sie oft wie ein Freizeitvergnügen oder ein Anhängsel des Tourismusgeschäfts behandelt.
In Wirklichkeit aber ist Kulturarbeit für eine demokratische, eine humanistisch geprägte Gesellschaft so wichtig wie Bildungsarbeit oder medizinische Versorgung. Das Wort Kultur steht ja nicht nur für kreative Arbeit. Gute Kunst und Kultur stehen für unsere Lebensart: für die Meinungsfreiheit, für die Fähigkeit zur Kritik der Verhältnisse. Und für ein internationales, ein antirassistisches Miteinander. Genau deshalb wird unsere Kultur ständig von den Rechten angegriffen, nicht nur mit Anfragen in den Parlamenten. Auch dagegen müssen wir uns wehren.


Noch schnell zur Statistik: In der Saison 2017/18 haben 21,4 Millionen die Fußballspiele der ersten, zweiten und dritten Liga besucht. 34 Millionen dagegen waren im Theater oder in einem klassischen Konzert. Diese Beispiele ließen sich problemlos fortsetzen. Während aber in allen möglichen Bereichen, sei es im Straßenbau oder bei Stuttgart 21, ganz selbstverständlich Unsummen Steuergeld ausgegeben werden, spricht man bei den Brosamen für die Kultur bis heute von „Subventionen“. Gerade so, als gehe es um luxuriöse Geschenke der Politik.


Liebe Freundinnen und Freunde, die Veranstaltungswirtschaft ist ein wesentlicher Teil unseres Lebens. Und deshalb muss sie am Leben erhalten werden – und zwar unter lebenswerten Bedingungen! Vielen Dank.



 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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