Bauers Depeschen


Samstag, 09. Mai 2020, 2212. Depesche


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Diese kurze Rede habe ich heute im Cannstatter Kurpark bei der kleinen Kundgebung „Solidarität. Freiheitsrechte. Klare Kante gegen rechts“ beigesteuert:



GUTEN TAG, willkommen im Kurpark zu Cannstatt,

ich finde es schön, dass wir heute hier sind, in diesem östlichen Stuttgarter Großrevier. In Cannstatt, einem durch und durch internationalen Stadtteil, fließt nicht nur Mineralwasser, sondern auch der Neckar. Der Neckar ist unser Fluss, den die Politik in ihrer provinziellen Engstirnigkeit seit langem ignoriert – so wie vieles andere, das wichtig ist für das Zusammenfinden und das Miteinander der Menschen in einer Stadt.

Die Kultur einer Stadt, in einem Bezirk wie Cannstatt, den die Nazis in Bad Cannstatt umgetauft haben, spiegelt eine Lebensart. Wenn heute von Kunst und Kulturarbeit die Rede ist, dann meinen wir oft den Veranstaltungsbetrieb: Theater, Konzerte, Kinos, Museen, Galerien. In Wirklichkeit aber sind Kunst und der Kulturbetrieb unverzichtbar für ein humanes Klima und die Aufklärung in einer halbwegs demokratischen Gesellschaft. Die Räume der Künste müssen hineinwirken in das Leben der Stadt. Gute Bühnen sind in aller Regel international, das bedeutet: antirassistisch, dem Menschsein verpflichtet. Und genau deshalb führen die Faschisten heute wie damals ihren hinterlistigen Kulturkampf: Sie wollen unsere Lebensart der Offenheit zersetzen.

Ich bin sehr dankbar, dass auch heute wieder der Württembergische Kunstverein mit uns im Boot ist. Der Kunstverein steht beispielhaft für den neugierigen, für den präzisen Blick über Grenzen hinweg, für ein fortschrittliches Zusammenspiel der Künste, des politischen Bewusstseins und des solidarischen Handelns.

Liebe Freundinnen und Freunde, zu jeder Art geistiger Auseinandersetzung gehört der Humor, und heute sage ich voller Zuversicht mit Bertolt Brechts Lieblingskomiker Karl Valentin: „Hoffentlich kommt es nicht so schlimm, wie es schon ist.“

Die Einschränkungen in der Corona-Zeit bringen jetzt zum Vorschein, wie falsch die Kultur schon lange von vielen in der Politik behandelt wird: Sie betrachten künstlerische Arbeit als Schmierstoff für das Tourismus-Geschäft. Oder sie denken, Kultur bedeute, in eine Stadt des Mietenwahnsinns Protzbauten zu bauen, von führenden Landeiern im Gemeinderat auch Landmarks genannt.

Corona zeigt uns jetzt, wie schnell die seit jeher prekären Bedingungen Kulturschaffenden an den existenziellen Abgrund treiben. Und deshalb müssen wir uns schon heute dafür einsetzen, dass die Bedingungen für kulturelle Arbeit in Zukunft in Zukunft besser und würdiger werden als vor der Krise.

Kunst ist, auch wenn es floskelhaft klingt, ein Lebensmittel. Viele aber, die Kunst ausüben, haben derzeit nicht mal das Geld, Lebensmittel im Supermarkt einzukaufen. Unter Freunden haben wir deshalb schon Mitte März die Künstlersoforthilfe gegründet und seitdem 180.000 Euro Spenden an 550 Menschen in Not weitergeleitet. Wie bei jeder politischen Aktion war das Motiv unserer Initiative der Gedanke der Solidarität.

Die Kultur ist schwer angeschlagen. Das gefällt den Rechten. Und wer bitte soll jetzt verstehen, wenn jede Aufführung auch noch in der kleinsten Bühne aus vernünftigen Gesundheitsgründen untersagt wird – gleichzeitig aber einschlägig bekannte Horrorclowns vor 10 000 Leuten auf dem Cannstatter Wasen ihre von rechts befeuerte Propaganda-Show abziehen dürfen. Angesichts dieser Schmierenkomödianten verabschiede ich mich mit der solidarischen Bitte: Tag für Tag klare Kante gegen rechts.

 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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