Bauers Depeschen


Montag, 28. Oktober 2019, 2142. Depesche


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LIEBE GÄSTE,

bevor wir den etwas größeren Flaneursalon am 25. November im Theaterhaus machen, gibt es am 7. November noch einen Flaneursalon-Intim in der kleinen Uhu-Bar im Stuttgarter Leonhardsviertel. Stefan Geyer, ein alter Schulfreund von mir, der heute in Frankfurt am Main zu Hause ist, hat zuletzt die Bücher "Vom Warten" und "Die Kunst des Gehens" herausgegeben. Daraus und noch ein bisschen was anderes lesen wir beide in der Uhu-Bar - die Musik dazu machen die fantastische Sängerin Marie Louise und ihr famoser Gitarrist Zura Dzagnidze. Reservierungen sind möglich: Do, Fr, Sa, So in der Uhu-Bar.

Der Vorverkauf für den Flaneursalon u. a. mit Vincent Klink und Oliver Maria Schmitt im Theaterhaus hat zuletzt kräftig angezogen, es gibt aber noch gute Karten. Wäre schön, wenn wir den Saal gut füllen könnten - dann funktioniert alles gleich viel besser. Und hier gibt es online Karten: VORVERKAUF - Telefonisch: 0711/4020720



Hört die Signale!

Ein Lied zum Tag



Neue StN-Kolumne:

REVOLUTION

Als ich am Sonntagmorgen wie gewohnt durch den Wald lief, hätte mich beinahe eine depressive Erschöpfung frühzeitig zur ­Aufgabe gezwungen. Solche Hänger können nach meinen sportmedi­zinischen Erfahrungen nur vom Besuch des Spiels der Stuttgarter Kickers am Vortag herrühren.

Nun neigen Kolumnenschreiber dazu, ihre eng bemessene Zeilenzahl mit Übertreibungen und Zuspitzungen aufzuwerten, aber ich lüge nicht, wenn ich sage: Ein belangloseres und langweiligeres Spiel wie das der Kickers gegen den 1. FC Riela­singen-Arlen habe ich in meinem Leben nie gesehen. Dies deprimiert mich umso mehr, als ich mithilfe von Google herausfand, dass der 1. FC Rielasingen-Arlen in der Gemeinde Rielasingen-Worblingen unmittelbar an der Schweizer Grenze beheimatet ist, sodass es sich um eine fast internationale Partie handelte. Ein Spiel, das endgültig die infame Behauptung widerlegt, unsere fußballerische Strahlkraft beschränke sich auf den S-Bahn- und Regionalzug-Radius.

Am Ende siegten wir in einem Spiel, das man problemlos ohne Torhüter hätte bestreiten können, einszunull. Unsere etwas mehr als 2000 Zuschauer freuten sich über drei Punkte, so wie man sich nach einem schrecklichen Popkonzert tröstet, dass während der Show kein Feuer ausgebrochen und das Bier nicht ausgegangen ist.

Ich erzähle dies, weil bis heute niemand erklären konnte, warum wir uns dieses ­etwas merkwürdige Freizeitvergnügen ­namens Fußball regelmäßig antun. Gut, ich habe vergessen, dass unsere fußballerischen ­Darbietungen in der fünften Liga über die Bühne gehen. Depressive Erschöpfungs­zustände erleben viele unserer Brüder und Schwestern auch weiter oben. Speziell bei den Kickers aber pflegt man trotz oder ­wegen der sportlichen Depression mit großer Leidenschaft Tradition, Heimat und ähnliche Mythen, die mit dem Spiel an sich nichts zu tun haben. So schreibt ein Präsidiumsmitglied im Vereinsheftchen beim Rückblick auf die Feier zum 120-jährigen Bestehen: „Die Kickersfamilie ist etwas ganz Besonderes und es erfüllt mich mit Stolz, Teil davon zu sein.“

Das ist zweifellos ein ehrbarer Standpunkt, wenn man außer Acht lässt, dass zu einem solchen Sportverein, der sich als ganz besondere Familie sieht, irgendwie auch das Fußballspielen gehört. Aus aktuellem Anlass fällt mir da Kurt Tucholsky ein, der mit Rücksicht auf die politische Präzision der SPD einst geraten hat, sich nicht mehr ­sozialdemokratische Partei, sondern besser „Hier können Familie Kaffee kochen oder so

etwas“ zu nennen. Und da ich immer wieder erlebe, wie sich bei der Betrachtung der Stuttgarter Kickers Zusammenhänge mit der Weltlage ergeben, leiste ich mir weiterhin meine Stehplatz-Dauerkarte, um am Ball zu bleiben.

Damit sind wir endgültig bei der großen Politik. Und dem VfB. Im November-Heft von „11 Freunde“ findet sich in der Reihe „So wollen sie spielen“ ein sehr lustiger Beitrag über die Taktik von Stuttgarts oberstem Fußballklub in der zweiten Liga. Der Autor feiert in grenzenloser Bewunderung eine weltweit einzigartige „Revo­lution“, die das VfB-System ausgelöst habe. (An diesem fehlenden Mut zum Umsturz ist die SPD vor mehr als hundert Jahren gescheitert.) In Cannstatt bringen laut ­besagter Expertise Innen- und Außenverteidiger, Sechser, Außen- und Mittelstürmer dermaßen revolutionär die Welt durch­einander, dass der Autor dieses „taktische Experiment“ zu Ehren des VfB-Trainers Tim Walter „Walterball“ tauft.

Zwar habe ich zunächst „Waterball“, also Wasserball, gelesen. Dennoch schließe ich nach der dritten VfB-Pleite in Folge, zuletzt mit einem radikalen 2:6 in Hamburg, ­respektvoll mit einem Satz von Karl Marx: „Die Revolution beginnt im Kopf der Trainer.“ Genaugenommen hat Marx nicht „Trainer“, sondern „Philosophen“ gesagt. Es erscheint mir allerdings nicht so wichtig, wie man den Beruf des revolutionären ­Denkers nennt, den die nächste Revolte beim VfB den Kopf kosten wird.



 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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