Bauers Depeschen


Freitag, 09. August 2019, 2121. Depesche


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FÜR DACIA

Vor wenigen Tagen, am 1. August, ist in Michigan völlig unerwartet die großartige Sängerin Dacia Bridges gestorben. Todesursache: Hirnaneurysma. Dacia trat von 2007 bis zur ihrem Umzug von Stuttgart in die USA 2015 regelmäßig im Flaneursalon auf. Sie war in allen Lebenslagen eine Freundin, wie man sie selten findet. Dacia hinterlässt ihre kleine Tochter Billie Sky. Spenden für sie und die Familie sind über diesen Klick möglich: UNTERSTÜTZUNG VON FREUNDEN



FLANEURSALON MIT

OLIVER MARIA SCHMITT

UND VINCENT KLINK

Den letzten Flaneursalon in diesem Jahr machen wir am Montag, 25. November, im Theaterhaus. Eigentlich ein Zufallsprodukt: Der erstklassige Satiriker und Schriftsteller Oliver Maria Schmitt, mit Martin Sonneborn und Thomas Gsella in der Titanic BoyGroup unterwegs, hatte mir mal angeboten, im Flaneursalon mitzumischen. Ich hätte mich nicht getraut, ihn zu fragen. Irgendwann nahm ich die Sache dann ernst, und wie‘s der Teufel will, schwirrte auf einmal auch der Name Vincent Klink herum, weil Herr Schmitt dort gerade eingekehrt war. Auch Herr Klink - als Koch, Musiker und Autor ein Begriff - hatte zufällig Zeit, und so waren wir schon zu dritt. Ergänzt wird dieser Flaneursalon im Theaterhaus mit der tollen Sängerin Eva Leticia Padilla und ihrer Begleitung sowie vom famosen Rapper/Beatboxer-Duo Toba & Pheel. Der Vorverkauf läuft bereits, und ich freue mich auf einen ungewöhnlichen Abend voller kontroverser Wort- und Musik-Beiträge. Hier gibt es online Karten: VORVERKAUF - Telefonisch: 0711/4020720



FERIEN

Es sind Ferien, weshalb behauptet wird, es gebe weniger Staus und mehr Parkplätze in der Stadt. Ich kann das nicht beurteilen, weil der übliche Motorenlärm in vielen Ecken der Stadt untergeht im sirenenschweren Krach der Laubbläser, Laubsauger und Benzin-Saughäcksler. Die Älteren von uns flüchten bei diesem Alarm in den Keller oder in den Wagenburgtunnel. Der Rest nimmt diese Attacken nicht mehr wahr. Die meisten Gehörgänge wurden längst vom Dummgedudel in Läden und Kneipen zerstört. Ist der Soundtrack der Luftangriffe gegen das Laub abgeklungen, erhebt sich das Schlachtgetöse der akustisch schlimmsten Invasion unserer Zeit: Die Rollkoffer kommen, viele davon mit alten, lärmenden Rädern.

Etliche Menschen entfliehen diesem Schreckensszenario, indem sie andere Länder mit ihren grauenhaften Rollkoffern heimsuchen. Nicht mal Kriege und Terrorismus beeinträchtigen heute das Geschäft mit dem Massentourismus. Mag sein, dass im einen oder anderen Risikoland ein paar lebende Prollkoffer weniger einmarschieren. Spielt aber keine Rolle. Die Armen und Ausgebeuteten bekommen sowieso kaum was ab von der Urlauberkohle. Viele Touristen fühlen sich schon deshalb überall wie zu Hause, weil sie auch im Urlaub keinen Cent Trinkgeld geben.

Ich habe ein wenig in „Fairreisen“, dem Tourismus-Handbuch des Autors Frank Herrmann, gelesen. Schwierige Sache, faires Reisen. Auch ich verblase gelegentlich wie jeder andere Öko-Schurke Kerosin und Strom, obwohl ich vom Reisen nicht viel halte. Wirklich reisen, das machen in Wahrheit nur die sehr Bewussten. Dafür brauchst du Zeit, guten Willen und einen vorurteilsfreien Blick. Die meisten setzen sich in ein Flugzeug oder ein Auto und wechseln nur den Standort ihres Körpers. Dann sind sie nicht mehr am Ecken-, sondern am Titikakasee. Mit richtigem Reisen, dem Unterwegssein in den Überraschungen der Fremde, hat das nichts zu tun. Dennoch sind viele Standortwechsler überzeugt: Waren sie mal 14 Tage all inclusive in der Türkei, wissen sie für alle Zeiten alles über den Türken. Auch wenn sie bloß Deutsche gesehen haben. Diese Weltreisenden wechseln mit den Orten niemals ihre Urteile. Meinungen sind höchst selten mobil.

Unerträglich wird es, wenn pausenlos von „unserer Kultur“ geschwafelt wird. Da blasen Reaktionäre sich auf, als wären wir alle mit Dürer, Goethe und Beethoven aufgewachsen – mit irgendwas, das sie für „deutsch“ halten. Ihre eigene Kultur aber heißt Gabalier im Fußballstadion. Dagegen klingt ein Stihl-Laubbläser durchaus weltläufig.

Nationalistische Schreier können oft nicht unterscheiden zwischen „verschiedenen Kulturen“ und „verschiedenen Zivilisationen“. Kulturen sind oft nicht zu unterscheiden: Vor einem Istanbuler Jazz-Club siehst du die gleichen Kapuzen und Mützen wie in der U-Bahn der New Yorker Bronx und an der Endersbacher S-Bahn-Haltestelle. Woher ich das weiß? Reisen bildet! Vielleicht hab ich’s aber auch auf Instagram, YouTube oder RTL gesehen.

Bei Mark Twain hab ich gelesen, wie er zu einer „Fußreise“ aufbrach. Er wollte nicht etwa zum nächsten Bäcker – was Stuttgarter Machos heute mit einem 800-PS-Porsche Cayenne erledigen. Twain ging durch Europa. Lange habe ich nicht mal gewusst, dass es dieses schöne Wort überhaupt gibt: „Fußreise“. Ich dachte, zum Reisen brauchst du mindestens ein Fahrrad oder ein Pferd.

So, verehrte Damen & Herren, jetzt trolle ich mich, rolle mich ab – und mache bald wieder mega coole Fußreisen durch die heimischen Shared Spaces unserer deutschen SUV- und E-Scooter-Kultur.

 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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