Bauers Depeschen


Freitag, 03. August 2018, 1992. Depesche


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20 JAHRE FLANEURSALON

Sonntag, 21. Oktober, Gustav-Siegle-Haus.

KARTEN: EASY TICKET Telefon: 0711 / 2 555 555



ERFOLG IM WOHNUNGSKAMPF

Das Stuttgarter Aktionsbündnis Recht auf Wohnen/Stuttgarter Mieterinitiativen teilen mit:

„Die VONOVIA hat nun einen Verstoß gegen die Mietpreisbremse in Stuttgart-Ost zurückgenommen.

Wir haben mehrere Mieter in S-Ost und in der Friedhofstaße darüber informiert, dass ihre Miete gegen die Mietpreisbremse verstößt und sie zuviel Miete bezahlen und ihnen bei der Formulierung von Briefen zur Reklamation geholfen.

Ein Mieter hat heute einen Brief gekommen. Die VONOVIA hat sich entschuldigt und rückwirkend ab Mietbeginn im Oktober die Miete korrigiert. Die Kaltmiete sinkt damit rückwirkend jeden Monat um 152,47 Euro. Der Mieter bekommt eine Rückzahlung über 1.372,123 Euro und muss künftig jeden Monat 152,47 Euro weniger bezahlen. Die Grundmiete sinkt von 727,03 Euro auf 574,56 Euro. Der Mieter kann sein Glück gar nicht fassen.

Wir glauben, der Protest der VONOVIA-Mieter hat da kräftig mitgeholfen. Wir haben gedroht, den Verstoß öffentlich zu machen, falls sie ihn nicht korrigieren. Interessanterweise korrigiert die VONOVIA die Miete ab Einzug und nicht erst wie gesetzlich vorgeschrieben ab dem Zeitpunkt der Reklamation.

Jetzt müssen wir noch die anderen Fälle zum Erfolg führen. Der krasseste Fall ist eine Mietüberhöhung von 272,29 Euro in S-Ost im Monat.

Bei Neuvermietungen verstößt die VONOVIA gegen das Wirtschaftsstrafgesetz (Mietüberhöhung). Ein Verstoß gegen die Mietpreisbremse liegt vor, wenn die Miete 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt. Bei der letzten Mieterversammlung haben wir deshalb entschieden, dass wir bei der Stadt Anzeige erstatten werden.

Der Druck muss weiter aufgebaut werden.“



Hört die Signale!

DAS LIED ZUM TAG



StN-Kolumne vom 28. Juli

ZIEMLICH FAULER HAUFEN

Vermutlich war es der heißeste Sommertag meines kurzen Lebens, als ich aus dem Landtag üblen Qualm quollen sah. So beendete ich meinen Spaziergang unter freiem Himmel und setzte ihn im Internet fort. In den dunkelsten Ecken von Facebook landete ich auf der Seite des Landtagsabgeordneten Stefan Räpple, wo ich einen Text über dessen erweiterten „Aufgaben in mehreren Themenbereichen“ seiner Partei las.

Dieser offensichtlich multitalentierte Politiker aus der Ortenau ist für seine Partei als wissenschaftspolitisches Sprachrohr im Einsatz, sitzt in den Ausschüssen Kultus, Jugend und Sport sowie Wissenschaft, Forschung und Kunst und operiert als stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss. Da er auch „extremismuspolitischer Sprecher“ ist, hat er sicher auch extrem viel über sich selbst zu erzählen.

Nicht vergessen will ich, dass Herr R. seiner Fraktion auch als „suchtpolitischer Sprecher“ dient. Um seine Kompetenz auf diesem Gebiet zu beweisen, hat er neulich den Text einer Rede auf seine Facebookseite gestellt, die er im Plenum nicht halten ­konnte, weil seine Parteikollegen zuvor die Redezeit überzogen hatten.

In seinem Text heißt es eingangs: „Frau Präsidentin, Werte Damen und Herren, sehr genährte Abgeordnete.“ (An dieser Stelle unterbreche ich kurz, damit das Wortspiel „sehr genährte ...“ und die Begabung des Politikers für ab­gekaute Kalauer nicht untergehen.) Weiter im Räpple-Text: „In meiner letzten Rede sprach ich von Ihnen im Allgemeinen als fett­gefressene Politiker. Das war nicht richtig und dafür möchte ich mich heute bei Ihnen entschuldigen. Beim NATO Gipfel sah ich Jean Claude Juncker und zumindest bei den Christdemokraten handelt es sich nicht nur um fettgefressene, sondern offenkundig auch noch um kaputtgesoffene ­Politiker. Ich hatte also beim letzten Mal nicht die ganze Wahrheit erzählt.“

Da er damit seine suchtpolitischen Kapazitäten anscheinend noch nicht vollständig dokumentiert sah, fährt er fort: „Von den Koksnasen der SPD und Antifa-Kiffern von den Grünen ganz zu schweigen erscheint mir hier im Landtag insgesamt ein Bild von gelinde gesagt einem ziemlich ­faulen ­Haufen floskelschwingender Parlamentsfüllmasse (...)“.

Das sind Sätze, die selbst einem dahergelaufenen Nazi-Junkie nach einem Dutzend „Jägermeister“ nicht ohne weiteres ein­fallen. Solche Reden für den Landtag entwirfst du nur als Suchtpolitiker aus der Parlamentsfüllmasse der AfD.

Vergessen darf ich nicht, dass Herr Räpple laut Facebook-Eintrag auch als „Strafvollzugsbeauftragter des Landes“ tätig ist. Auch in diesem Fach beweist er Kompetenz. Am 2. Mai notiert er auf Facebook: „Merkel muss weg & ins Gefängnis“. Beruhigend an dieser Forderung ist, dass Herr R. als bekennender Großkritiker der Aufwandsent­schädigungen für Politiker die Kanzlerin auf Staatskosten im Knast entsorgen will. Womöglich hat sich auch bei Strafvollzugs­beauftragten herumgesprochen, dass Fallbeil und Galgen bei uns zurzeit nicht zur Verfügung stehen.

Laut seiner Webseite dient R. der Menschheit als „Hypnoanalytiker“ und „Heilpraktiker für Psychotherapie“, als „Mentaltrainer und Psychologischer ­Berater mit eigener Praxis“. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Text, der als Titelgrafik seine Facebook-Seite dekoriert: „Nie haben die Massen nach Wahrheit ­gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen mag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.“

Wir können davon ausgehen, dass R. sich nicht als aufklärendes Opfer, sondern als gött­lichen Verführer sieht. Das Zitat auf seine Facebookseite stammt von Gustav Le Bon (1841 bis 1931), einem maßgeblichen Vordenker der Massenpsychologie. Beeinflusst von dem französischen Mediziner war beispielsweise Hitler, als er seine Propagandastrategien entwarf. Zu den erfolgreichsten Methoden der Nazi-Propaganda gehörte es, durch gezielte Provokationen Aufmerksamkeit zu erregen. Gegen das verfressene Establishment zu wettern. Skandale für die Medien zu inszenieren.

So gesehen ist es nicht besonders originell, heute auf die Provokationen von rechts mit Empörung zu reagieren. Mit der Empörung ihrer Gegner putschen die Populisten sich und ihre Anhänger auf, wie es Koks und Cannabis der SPD-Nasen und grünen ­Antifa-Kiffer gar nicht könnten, schon weil auf dem rechten Flügel eher Morphium Tradition hatte, bevor Zyankali ihren finalen Abgang beschleunigte.

Es ist falsch, wie die Parteien im Landtag Räpples Ausschluss aus der rechtspopu­listischen, völkisch durchsetzten Fraktion zu fordern. Soll er uns doch weiterhin mit blauem Anzug und blauer Krawatte als tönende AfD-Uniform vorführen, mit was für einem Haufen wir es zu tun haben. ­Woher der Wind weht und der üble Qualm kommt. Statt uns aufzuregen, sollten wir die mit propagandistischer Schlauheit nicht sehr genährten Typen à la Räpple mit ihren Methoden bloß­stellen. Ehe noch mehr Zeit­genossen ihr Heil in den Psycho-Kammern der AfD-Polterer suchen.

 

im Nordbahnhof-Areal
 

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