Bauers Depeschen


Montag, 16. Juli 2018, 1982. Depesche


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Aufruf an alle:

„Seenotrettung

ist kein Verbrechen.“

Kundgebung am Samstag, 21. Juli.

Stuttgarter Schlossplatz. 14 Uhr.



LIEBE GÄSTE,

hab mich jetzt doch entschieden, die eine Woche alten Texte aus meiner StN-Kolumne, die online zuvor nur hinter der Bezahlwand zu lesen waren, auf die Depeschenseite zu stellen. Auch wenn sie aktuelle Bezüge hatten. Ich mache das aus einem einfachem Grund: Bei Bedarf finde ich sie leichter ...

Einen Text über alles, was sich gerade tut im Flaneursalon-Dunstkreis, findet man in der Depesche vom vergangenen Samstag.



Hört die Signale!

DAS LIED ZUM TAG



Kolumne vom 10. 7. 18

DER ANFANG VOM ENDE

Nach altem Brauch habe ich mir in diesen heißesten Tagen des Sommers wieder vorgenommen, auf eine unumstößliche Tatsache hinzuweisen: Weihnachten kommt schneller, als man denkt. Ich erinnere damit an „Die Nacht der Lieder“, die Benefizshow zugunsten der Aktion Weihnachten der Stuttgarter Nachrichten, am 5. und 6. Dezember im Theaterhaus. Obwohl sich der Werbeetat dieser Veranstaltung bei null Komma null Euro eingependelt hat, ist die Show zur Unterstützung von Menschen in Not in der Region schon jetzt fast wieder ausverkauft. Für den ersten Abend gibt es im Moment nur noch 30 Karten, für den zweiten 50. Dies als letzte Mahnung.

Die letzten freien Plätze findet man in den hinteren Reihen, doch ist der große Theaterhaussaal (T1) so gebaut, dass man sich als Besucher auch in der Tiefe des Raums wohlfühlt.

Auch die 18. Folge der „Nacht der Lieder“ spiegelt das Leben in der Stadt und ein wenig auch in der Welt, worauf ich noch zurückkommen werde. Künstlerinnen und Künstler verschiedener Generationen und Herkunft präsentieren stilistisch und inhaltlich kontrastreiche Nummern. Sinn und Zweck dieser Show ist es nicht nur, Geld für einen guten Zweck einzuspielen, sondern auch, die Gemeinsamkeiten im Leben und Arbeiten unterschiedlicher Menschen zu zeigen. Herzlichen Dank an alle, die unsere Sache unterstützen.

Aus einer Zusammenarbeit auf und hinter der Bühne ergeben sich trotz der spielerischen Leichtigkeit der Show Bezüge zur Realität des Lebens. Das gehört zur Unterhaltung, wenn man sie halbwegs ernst nimmt. Im Programm haben wir dieses Jahr beispielsweise den Chor Zuflucht, das Projekt der Stuttgarter Opernsängerin Cornelia Lanz. Mit Geflüchteten aus Ländern wie Afghanistan und Syrien hat sie in den vergangenen Jahren mehrere Opern erarbeitet, zuerst 2014 „Cosi fan tutte“, zuletzt in diesem Jahr „Orfeo“. Das Ensemble wurde mit dem Grimme-Preis für seinen Auftritt in der ZDF-Show „Die Anstalt“ und mit dem Amnesty Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Unsereins kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn er im Programm einer Wohltätigkeitsshow mit dem Wort „Zuflucht“, dem Namen eines Ensembles Geflüchteter, konfrontiert wird. Die politischen Konflikte in der europäischen Flüchtlingspolitik haben sich unerträglich verschärft. „Es gibt plötzlich zwei Meinungen darüber, ob man Menschen, die in Lebensgefahr sind, retten oder lieber sterben lassen soll. Das ist der erste Schritt in die Barbarei“, schreibt Wolfgang Luef im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“. Helfer werden von europäischen Staaten gehindert, Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken zu retten, nach der Devise: Wenn sie auf Hilfe hoffen dürfen, kommen noch mehr.

Tatsächlich hatte ich für heute zunächst nur die Absicht, gewissermaßen als Gag an einem schwülen Sommertag auf unsere Weihnachtsveranstaltung hinzuweisen, um noch die letzten Plätze zu füllen. Dann aber vermischten sich Ereignisse und Gedanken, und es wäre für mich zu einfach zu sagen: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, da muss man gefälligst trennen zwischen Politik und Alltag.

In dem vorne zitierten Zeitungskommentar heißt es weiter: Die Akzeptanz der Unmenschlichkeit sei der „Anfang vom Ende der europäischen Idee“. Und diese Sicht müsste auch lokale Politiker einer Stadt wie Stuttgart bewegen. Beim Blick auf die humanitären Pflichten einer Gesellschaft, die Europa angeblich ernst nimmt, kann es nicht damit getan sein, eine Ansammlung von Konsum- und Luxusbauten Europaviertel zu nennen, ein Europahaus für kulturellen Austausch einzurichten und einen sogenannten Europlatz ins Nirwana des Fasanenhofs zu verbannen. In einer Situation wie jetzt, da Menschen fast täglich auf der Flucht ertrinken, kann sich keine halbwegs zivilisierte Stadt und schon gar keine verhältnismäßig reiche Stadt wie Stuttgart mit dem Hinweis begnügen, die Zeichen der Barbarei und des Rechtsrucks gingen sie aus geografischen Gründen nichts an. Es gibt Möglichkeiten zu helfen. Menschen aufzunehmen. Oder wenigstens laut etwas zu sagen.

In diesen Tagen, da unmenschliche, zynische Begriffe wie „Flüchtlingsflut“, „Ankerzentren“ und „Asyltouristen“ anscheinend widerstandlos die Alltagssprache beherrschen, empfehle ich die Ausstellung „Die Caesar Photos“ im Württembergischen Kunstverein (WKV) am Schlossplatz (nur noch bis zum 11. Juli geöffnet). Ein syrischer Militärfotograf hat Aufnnahmen von Folteropfern in syrischen Geheimdienstgefängnissen außer Landes geschmuggelt. Die Heinrich-Böll-Stiftung, ihre Stuttgarter Vorsitzende Heike Schiller und der WKV haben diese Schau möglich gemacht. In Begleitung eines syrischen Anwalts und Aktivisten aus Berlin habe ich mir die Fotos und Dokumente am Sonntag noch einmal angeschaut. Ich verzichte darauf, die Grausamkeit der abgebildeten Wahrheit in Worte zu fassen. Sie würden der Wirklichkeit nicht gerecht.

KARTEN für Die Nacht der Lieder telefonisch: 0711/4020 720.



 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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