Bauers Depeschen


Donnerstag, 07. Juni 2018, 1961. Depesche


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ZEITUNGSSTREIK

An diesem Montag ist in Berlin auch die sechste Verhandlungsrunde im Tarfistreit um die Gehälter von Journalistinnen und Journalisten bei Tageszeitungen ergebnislos beendet worden. Am Dienstag wurde in Stuttgart und anderen Städten der Streik fortgesetzt. Seit Mittwoch wird wieder gearbeitet - und die Urabstimmung vorbereitet. Das bedeutet: In etwa zwei Wochen könnte ein unbefristeter Streik beginnen.



KUNDGEBUNG WOHNUNGSNOT

Am Donnerstag, 14. Juni, wenn im Stuttgarter Gemeinderat das Thema "Wohnen" verhandelt wird, ruft das Aktionsbündnis Recht auf Wohnen zu einer Kundgebung auf dem Marktplatz auf. Beginn der Aktionen um 14.30 Uhr. Reden von Betroffenen und Aktivisten ab 17 Uhr. Musik macht u. a. Stefan Hiss. Unsereins moderiert.



Samstag, 16. Juni: Es gibt noch Karten:

JOE BAUERS FLANEURSALON AM FLUSS

Die Show im Stuttgarter Neckarhafen mit:

Eric Gauthier & Jens-Peter Abele

Rolf Miller

Hajnal & Friends

Toba Borke & Pheel

Dietrich Krauß

Vesperkirchenchor rahmenlos & frei

Hier geht's zum Vorverkauf: MUSICCIRCUS - Kartentelefon: 0711/ 221105



UND SO GEHT‘S ZUM HAFEN

Weil immer wieder die Frage auftaucht, wie man in Stuttgart ohne Auto und Fahrrad, ohne U-Boot und Fallschirm zum Hafen gelangt, hier eine Empfehlung für mobile Globetrotter: Straßenbahnlinien 9 und 13 - Ausstieg Hedelfinger Straße, dann lockerer Fußmarsch über die berühmten Otto-Konz-Brücken mit Blick auf den Neckar. Anschließend steuerbord Richtung Mittelkai. Und dort wartet das Wunder.



Hört die Signale!

DAS LIED ZUM TAG



MEIN HUT

Auch heute werde ich einen Hut aufsetzen. Zu klären ist noch: welchen? Einen ausgesprochenen Festtagshut habe ich nicht, auch wenn ich eines meiner besseren Modelle der Marke Stetson für Spezialeinsätze reserviert habe. Meine schönsten sind im Übrigen für den Sommer gemacht, darunter ein paar Panamas in verschiedenen Formen zur Selbstbelohnung, ein Cowboy-Exemplar aus Stroh für Ernstfälle und ein überaus praktischer, knetbarer Hanfhut als Mehrzweckwaffe (nicht zum Rauchen).

Der Sommer ist schuld, dass ich seit einigen Jahren Hüte trage. Weil die Sonne meine Kopfhaut im Halbglatzenbezirk bedrohlich malträtierte, musste ich mir zwingend eine Mütze besorgen. Und weil mir diese ewigen Baseballkappen mit dem Logo der New York Yankees und die noch blöderen Truckermützen der Dorf-Hipster auf den Geist gingen, suchte ich in der Stuttgarts Alter Poststraße Louis Lenz auf. In diesem Hutladen, gegründet 1823, fand ich eine luftige Schiebermütze von Stetson. In kurzer Zeit gewöhnte ich mich so sehr an das Stück, dass ich mich auch mit Exponaten für Herbst, Winter und Frühling eindeckte. Bald schon kam ich mir nackt, würdelos und verwundbar vor, wenn meine Halbglatze im Freien versehentlich mal blank lag. Der Kopf an sich ist ja ein sehr empfindliches, extrem schlecht isoliertes Körperteil, weshalb viele Menschen penibel darauf achten, auf keinen Fall ihr Hirn zu strapazieren.

Beim jedem Mützenkauf stand ich nicht nur zwischen tausend noch edleren Kopfbedeckungen, auch Hüte genannt. Umringt war ich auch von echten Hutmacherinnen, den Stylistinnen. Also bat ich eines Tages eine der Damen, mir zur Abwechslung einen wahren Hut zu gönnen. Über Frank Sinatra gibt es ein Buch von Bill Zehme mit dem Titel „My Way oder die Kunst, einen Hut zu tragen“. Diese wegweisende Stil-Fibel hatte ich schon gelesen, als meine Halbglatze noch überschaubar und ein Hut kein Thema für mich war. Auf die Frage, woran ein Mann erkennt, dass er den passenden Hut trägt, antwortet Sinatra: „Wenn niemand lacht.“ Ich wusste also, worum es ging.

Heute ist es mir völlig wurscht, wenn ich höre, Männerhüte seien für alle Ewigkeiten aus der Mode und nur noch peinlich. Sie wirkten, hat ein sogenannter Stilkritiker geschrieben, wie eine Verkleidung für große Jungs, die gern Mafioso oder Künstler spielten. Wahr ist: Ohne den Schutz einer gut gebogenen Krempe bist du eine Null. Nur ein Trottel mit zu vielen Klischees aus Opas Kino in seinem schlecht isolierten Hirn denkt angesichts gut behüteter Männerhäupter an Al Capone oder Frank Sinatra. Womöglich ist er sogar so doof und lacht. Es wäre sein letztes Lachen im Leben.





 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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