Bauers Depeschen


Dienstag, 01. Mai 2018, 1941. Depesche


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### 20 Jahre Flaneursalon ###



FLANEURSALON AM FLUSS - DIE SHOW IM NECKARHAFEN

An Samstag, 16. Juni 2018, sind wir zum 4. Mal im Stuttgarter Hafen, direkt am Neckarufer. Musik machen Eric Gauthier & Jens-Peter Abele, der Vesperkirchenchor rahmenlos & frei, Toba Borke & Pheel, Hajnal & Friends. Als Spezialgast begrüßen wir den Kabarettisten und Halbsatz-Virtuosen Rolf Miller. Durch den Abend führt Dietrich Krauß, der Autor der ZDF-Satireshow "Die Anstalt".

Die Daten: Neckarhafen Stuttgart, Stahlbau Heil, Am Mittelkai 12, 70327 Stuttgart. - Picknick mit Grill ab 16 Uhr. Showbeginn 18:45 Uhr. - Unser Hafen-Gelände ist überdacht. Der Klick zum Vorverkauf: MUSICCIRCUS - Kartentelefon: 0711/ 221105



FLANEURSALON FÜR UMSONST IM GASPARITSCH

Bevor es am 16. Juni ans Neckarufer in den Hafen geht: Am Dienstag, 15. Mai, machen wir mit dem Flaneursalon eine kleine Unterstützer-Show im Selbstverwalteten Stadtteilzentrum Gasparitsch in Ostheim, Rotenbergstraße 125, gegenüber der Gaststätte Friedenau. Eintritt frei - alle Hut-Spenden zugunsten des Gasparitsch. Musik machen Stefan Hannibal Hiss und Anja Binder & Jens-Peter Abele Beginn 20 Uhr.

Für Anmeldungen sind wir dankbar: kontakt@stadtteilzentrum-gasparitsch.org

Oder: flaneursalon@joebauer.de



REDE zum Tarifkampf der Journalistinnen und Journalisten heute bei der DGB-Maikundgebung auf dem Stuttgarter Marktplatz:



Liebe Kolleginnen und Kollegen,

schön, dass Sie hier sind auf dem Marktplatz. Dieser Ort vor dem Rathaus sollte viel öfter Umschlagplatz für Informationen. Aufklärung und Meinungen sein. Und nicht nur für Äpfel, Gurken und Glühwein.

Ich bedanke mich für die Möglichkeit, heute hier etwas zu sagen in einem Konflikt, der nur schwer an die Öffentlichkeit durchdringt. Gestatten Sie mir, unser Motto „Heraus zum 1. Mai“ etwas zu modifizieren: Wir Journalistinnen und Journalisten gehen bereits seit Anfang März regelmäßig heraus aus unseren Betrieben – und sind jetzt wieder seit Montag vergangener Woche dauerhaft im Streik.

Ich erinnere kurz daran, dass an der Entstehung des 1. Mai als Tag der Arbeit wesentlich ein Journalist beteiligt war. August Spies aus Hessen war Chefredakteur der Arbeiter-Zeitung in Chicago und kämpfte für den Acht-Stunden-Tag. Nach dem Bombenattentat bei der berühmten Arbeiterversammlung am 1. Mai 1866 auf dem Haymarket von Chicago wurde er 1867 ohne Beweise wegen Verschwörung angeklagt und hingerichtet. Zum Gedenken an die Haymarket-Ereignisse wurde der 1. Mai 1889 als Kampftag der Arbeiterbewegung ausgerufen.

Wenn Stadtreinigungsleute streiken, bekommen das alle mit, weil die Müllberge wachsen – und wenn wir Zeitungsleute streiken, wäre es nur allzu schön, es gäbe keine Papierberge mehr. Leider aber ist es möglich, mithilfe nicht streikender Lohnabhängiger dünne Blätter herzustellen, die nicht als Streikausgaben gekennzeichnet sind.

Obwohl die Verlage nach wie vor gut verdienen, werden wir seit 15 Jahren mit Gehältern oder Honoraren deutlich schlechter abgefunden als andere Berufe – nämlich unterhalb der Inflationsrate. Ich will hier aber nicht nur über ein internes Branchenproblem reden. Unser Thema geht alle an.

Gut ausgestattete Medien mit fair bezahlten Journalisten sind wichtig für die Demokratie, besonders jetzt – doch ausgerechnet mit diesem hohen Gut springen die Zeitungsmanager im Stile eiskalter Controller so verantwortungslos um, als sei die Pressefreiheit ein altmodisches Abfallprodukt der Digitalindustrie. Diese Haltung ist brandgefährlich: Fake News, Hasspropaganda und die inzwischen salonfähige Unmenschen-Sprache der Rechtsnationalen und Völkischen verdrängen immer brutaler die seriösen Nachrichten.

Wichtig ist auch, die Hintergründe der Lohnstrukturen zu kennen: Wenn etwa unser Urlaubs- und Weihnachtsgeld gekürzt wurde, ging es beileibe nicht um Luxusgüter – sondern um Leistungen, die einst verantwortliche Verleger befürwortet haben, um stressige nächtliche Arbeitszeiten und den ständigen Zeitdruck auszugleichen. Das Gleiche gilt für gestrichene Urlaubstage – die waren der Ausgleich für unvermeidbare Überstunden. Davon haben heutige Manager in ihrer Unkenntnis der Geschichte keine Ahnung. Entsprechend arrogant treten sie auf.

Das Angebot im derzeitigen Tarifkampf lag zunächst bei sage und schreibe 0,9 Prozent – und wurde neulich auch in der fünften Verhandlungsrunde nicht spürbar erhöht. Unsere Gewerkschaftsleute sprechen von einer bisher unbekannten Dimension der Überheblichkeit im Arbeitgeberlager. Die Manager kommen vorsätzlich und reichlich zu spät zu den Verhandlungen – um dort dann ihre Ignoranz zu demonstrieren. Eine Delegation junger Journalistinnen und Journalisten, die neulich bei der Tarifrunde in Berlin ihre Probleme vortrug, wurde von den Managern kaum beachtet – und mit der Bemerkung abgespeist: In diesem schönen Beruf könne man doch auch für wenig Geld arbeiten. Auf diese Art Manager bezogen, wäre das sicher nicht falsch: So würde mehr für guten Journalismus bleiben.

Gerade die Nachwuchsredakteure sind ein wichtiger Grund unseres Arbeitskampfs. Nach abgeschlossenem Studium und Volontariat werden sie heute so schlecht bezahlt, dass auch die mit dem größten Idealismus in andere Branchen wechseln. Das bedeutet: Es wird zu wenig guter Nachwuchs ausgebildet, um der miesen, als Journalismus getarnten Manipulation und Meinungsmache auf allen denkbaren Kanälen entgegenzuwirken.

Albert Camus hat gesagt: „Eine freie Presse kann gut oder schlecht sein, aber eine Presse ohne Freiheit kann nur schlecht sein.“

Die Freiheit der Presse allerdings ist abhängig von guten Arbeitsbedingungen. Sonst gibt es bald keine hartnäckigen Recherchen und keine kritischen Texte mehr. Dann bleibt nur nur noch Verlautbarungs-, Werbe- und Propagandajournalismus. Dann werden noch mehr Meldungen ungeprüft als Wahrheit verbreitet.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Arbeitskampf geht es auch darum, über den eigenen Laden hinauszuschauen. Wir brauchen Aufklärung und Information mehr denn je, da die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht.

Wir brauchen demokratische Bündnisse und starke Gewerkschaften, wenn sich im allgemeinen Mietenwahnsinn nicht mal mehr Normalverdiener wie Polizisten oder Krankenpflegerinnen eine Wohnung in der Stadt leisten können – und junge Lokalredakteure weit raus auf die Dörfer ziehen müssen. In diesem Zusammenhang solidarische Grüße an die Hausbesetzer in der Wilhem-Raabe-Straße.

Vor dem Hintergrund der Profitmaximierung wird der Rechtsruck immer bedrohlicher. Rassismus und Sündenbock-Denken sind gegenwärtig – und die Schwächsten unserer Gesellschaft die Opfer. Deshalb ist qualifizierter Journalismus zu fairen Bedingungen in seiner Wächterfunktion bitter nötig.

Am Ende, liebe Freundinnen und Freunde, die gute Nachricht: Die Streikbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen speziell in Stuttgart ist enorm. Und auch im weiten Land gibt es große Solidarität.

Im Namen aller sei es den Unternehmern gesagt:

Vielleicht war Papier einmal geduldig – wir sind es nicht mehr!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich schließe mit dem Motto unseres Kampfgeistes: Heraus – auch nach dem 1. Mai!

Vielen Dank!









 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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