Bauers Depeschen


Freitag, 10. Oktober 2014, 1361. Depesche


Permalink zu dieser Depesche: www.flaneursalon.de/de/depeschen.php?sel=20141010

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ACHTUNG: An diesem Samstag von 13 Uhr bis 18 Uhr Suppenküche in der Leonhardstraße. Die Altstadt darf nicht vor die Hund gehen! Essen und Trinken, Austausch und Musik. Eric Gauthier (voc, g), Jens-Peter Abele (g) & Marquis des Shoelch (key) spielen von 13 Uhr bis 14 Uhr. Danach treten Musiker auf wie Hajnal & Max Braun, Georg Dietl ... bei der ursprünglich geplanten Band Anjabelle gibt es leider einen Krankheitsfall.



SPAZIERGANG DURCHS LEONHARDSVIERTEL

Bei der Suppenküche an diesem Samstag kann jeder Neugierige um 15 Uhr an unserem Spaziergang durchs Leonhardsviertel teilnehmen. Die Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle führt durchs Quartier. Ich stiefle auch mit. Start: Leonhardstraße, Bar Fou Fou.



HERZLICHEN DANK AN DIE BIG SPENDER

für die Suppenküche: Susann Breinbauer, Carmen Klees, Heike Schiller, Wolfgang Kaemmer, Thomas Maiwald, Uwe Horst Pfeifer, SvC, Horst Walter, Daniela Horvath, Regina K. ...





Der Klick zum

LIED DES TAGES



LIEBE GÄSTE,

manchmal, wenn es Herbst wird, braucht man auf dieser Seite eine Einleitung, etwas zum Vorwärmen. Auch einen Song wie oben von The Delines, einer meiner Lieblingsbands. Ich freue mich, dass immer mehr Besucherinnen und Besucher dieser Homepage anklicken. Internet-Betreuer Ralf Schübel hat das mal geprüft. Oft sind wir an einem Tag im vierstelligen Bereich. Noch ein wenig mager ist leider der Vorverkauf für den Flaneursalon am kommenden Montag im Theaterhaus. Dieser Oktober, habe ich gehört, ist allgemein ein Problem. Viele Veranstalter klagen. Über die Gründe der oft überraschenden Konditionsschwäche im Kassenbereich weiß man nichts. Die Publikungsbewegungen sind und bleiben ein Phänomen. Wäre trotzdem schön, wenn sich die Theaterhaus-Reihen am Montag noch füllen würden. Es sieht schon ganz gut aus. Die Sache ist erfahrungsgemäß so: Je mehr Leute im Saal, desto besser die Stimmung.

Der Flaneursalon ist ja eine kleine Stuttgarter Unterhaltungs-Institution, immer aber auch als mobiles Einsatzkommando zu gebrauchen, bei Demos oder Streiks, bei Festen und Aktionen. An diesem Samstag beispielsweise spielen Flaneursalon-Musiker bei der Suppenküche in der Leonhardstraße (13 Uhr bis 18 Uhr). Auch "Die Nacht der Lieder", die Benefiz-Show zugunsten der Aktion Weihnachten der StN, ging aus diesem Programm hervor (9./10. Dezember 2014, Theaterhaus). Es gibt also den einen oder anderen Grund, diese 16 Jahre junge Bühnenshow zu unterstützen, auch als Begleitmusik zur Stadt, in der wir leben.

Allen Depeschen-Leserinnen und -Lesern wünsche ich einen schönen, einen harlekinmäßigen Herbst - und bedanke mich für die Neugier und das Interesse.

Am Montag führt erstmals die Liedermacherin/Kabarettistin Uta Köbernick durch den Abend, sie präsentiert die Familien-Bande: Vater Zam Helga & Tochter Ella Estrella Tischa, Papa Roland Baisch & Sohn Sam Baisch, Rapper Toba Borke & Beatboxer Pheel.

KARTEN: THEATERHAUS und 0711/4020 720



Die aktuelle StN-Kolumne:



SCHNÄPPER

Der Sommer, der keiner war, hat sich unaufgeregt aus der Stadt verabschiedet. Entschlafen im Volksfestdelirium, hinterließ er uns warmen Regen und metallic schimmerndes Herbstlicht. Es sind die Tage, da ich am Morgen überlege, ob ich eine Ballade von Leonard Cohen oder etwas Rap-Lyrik von Kate Tempest auflege. Der 80 Jahre alte Kanadier hat sein neues Album „Popular Problems“ genannt, die 28 Jahre junge Engländerin ihre LP „Everybody Down“. Poetische Düsternis hat immer auch eine trotzige Kraft. Gut aufgelegt spaziere ich los.

In der Stadt werden nicht nur Einkaufskomplexe zur Verbreitung innerstädtischer Tristesse eröffnet. Es gibt Orte, die uns Tröstlicheres erzählen als die Reklame für den Sturm auf das Müllaneo: „Das Ländle sucht Schnäpple jetzt am Mailändle“. Mit diesen Zeilen weltläufiger Lyrik ist Stuttgart endgültig zur Großstadt aufgestiegen. Die großmannssüchtigen Provinzpolitiker sind am Ziel ihrer feuchten Träume.

Nächste Premiere. Am 18. November wollen Rathauspolitiker den Gerda-Taro-Platz an der Alexanderstraße am Olgaeck einweihen. Das neue Gesicht der Anlage zur Erinnerung an die Fotoreporterin Gerda Taro ist schon gut zu erkennen, man kann bereits durch die Anlage spazieren und von den sportlich tiefer gelegten Bänken aus die Kesselwelt beobachten und die lustige Straßenmusik der streikenden Taxis hören.

Gerda Taro ist ein Beispiel dafür, wie Stadtgeschichte wiederentdeckt und sichtbar werden kann. 1910 in Stuttgart als Tochter des jüdischen Eierhändlers Pohorylle geboren und auf den Namen Gerta getauft, lebt sie 19 Jahre am südlichen Ende der Alexanderstraße, im Hinterhaus 170 A. Bald danach wird sie im Spanischen Bürgerkrieg unter dem Künstlernamen Gerda Taro als Kollegin und Lebenspartnerin des Star-Fotografen Robert Capa berühmt; heute weiß man, vor allem dank ihrer in Schorndorf lebenden Biografin Irme Schaber, dass sie selbst eine große Fotografin und die Ideengeberin für Capas Karriere war. Sie stirbt mit 26 Jahren nach einem Luftangriff von Hitlers Legion Condor 1937 in der Nähe von Madrid; ein republikanischer Panzer überrollte ihre Beine, als sie vom Trittbrett eines Sanitätswagens fiel. Wie viele Künstler hatte sie sich im Kampf gegen Francos Faschisten engagiert.

In Stuttgart war sie, sieht man von der Arbeit kleiner Privatinitiativen ab, so gut wie vergessen. Als ihr 2007 das International Center of Photography in New York eine vielbeachtete Retrospektive widmete, besuchte ich die Ausstellung und nahm mit Irme Schaber Kontakt auf. Ausgerechnet in Gerda Taros Heimatstadt war es so schwierig wie sonst nirgends, Interesse für die Geschichte dieser schillernden, mutigen Frau zu wecken. 2008 setzte sich der Grünen-Stadtrat Michael Kienzle erfolgreich für die Schaffung eines Gedenkorts ein, und nach erschreckend peinlichem Schulterzucken im Kulturbürgermeisteramt übernahm schließlich die damalige Chefin des Kunstmuseums, Marion Ackermann, die New Yorker Ausstellung. 2010, zu Gerda Taros 100. Geburtstag, war sie am Schlossplatz zu sehen. Jetzt also, vier Jahre danach, der neu gestaltete Platz.

Eine weitere Eröffnung mit historischem Hintergrund steht bevor. Junge Leute haben sich in den vergangenen Monaten in der Ostheimer Rotenbergstraße 125, gegenüber der Gaststätte Friedenau, Räume für ein selbst verwaltetes Stadtteilzentrum hergerichtet. Als Hommage an einen großen Bürger der Stadt tauften sie ihren Laden, ein Haus für Nachbarschaftshilfe und kulturelle Veranstaltungen, Gasparitsch.

Hans Gasparitsch, 1918 im Ostheimer Kanonenweg (heute Haußmannstraße) als Sohn eines Schusters geboren, war ein antifaschistischer Widerstandskämpfer mit bewegender Biografie. Am 14. März 1935, noch keine 17 Jahre alt, hinterlässt der Schriftsetzer-Lehrling als Mitglied der Gruppe G (wie Gemeinschaft) an den Rossbändiger-Skulpturen im Unteren Schlossgarten die Botschaften „Hitler = Krieg“ und „Rot Front“. Er wird geschnappt, weil ihn die rote Farbe an seinen Kleidern verrät; er hat sie nicht bemerkt. Nach den Verhören im Hotel Silber, der Gestapo-Zentrale in der Dorotheenstraße, landet er im Gefängnis. Nach Ablauf seiner Strafe wird er nicht entlassen. Die Nazis sperren ihn ins KZ. Welzheim, Dachau, Buchenwald heißen seine Folterstationen, ehe er sich 1945 bei der Selbstbefreiung der Häftlinge von Buchenwald retten kann.

Nach dem Krieg kehrt er nach Stuttgart zurück, studiert danach in Leipzig Journalismus und wird später per Fernstudium Bauingenieur. Zeit seines Lebens engagiert sich Hans Gasparitsch gegen den Faschismus, gegen die Nazis, hält Vorträge, veröffentlicht Bücher. Im Jahr 2000 erhält er für seine Courage das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Zwei Jahre später stirbt er in Stuttgart. Sein Nachlass liegt im Stadtarchiv.

Es gibt ständig Dinge zu entdecken in der Stadt, gute Geschichten von mutigen Menschen. Die Schnäpper vom Mailändle haben uns nichts zu erzählen.



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