Bauers Depeschen


Samstag, 20. September 2014, 1350. Depesche


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FUSSBALLSPORT: Stuttgarter Kickers - VfL Osnabrück 1:1



LIEBE GÄSTE,

am Montag, 13. Oktober, ist der Flaneursalon im Theaterhaus.

Karten THEATERHAUS und 0711/4020 720



GERBER ETC.

Mein Gastbeitrag für KONTEXT.



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LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



SCHOTTEN

Leider sind mir bisher nur wenige Schotten in der Stadt begegnet. Stuttgart ist keine Schotten-Hochburg. Stärker vertreten sind England, Irland, Kaufland.

Neulich habe ich mir zwei neue Vinyl-Platten schottischer Musikanten gekauft. Normalerweise höre ich keine Schottenlieder, und im Plattenladen dachte ich keineswegs an den Plan der tapferen Eingeborenen, sich von Großbritannien abzunabeln. Der eine meiner Sänger heißt King Creosote und hat ein Album mit den Songs zu dem Film „With Scotland From Love“ gemacht. Der andere ist James Yorkston und hat eine Scheibe mit dem griffigen Titel „The Cellardyke Recording And Wassailing Society“ veröffentlicht.

Ich besorgte mir die Platten, als die deutschen Fußballer in der EM-Qualifikation auf die Schotten trafen. Weil das Spiel als üble Karnevals-Inszenierung auf RTL übertragen wurde, verzichtete ich aus Protest aufs Dumpfbacken-Fernsehen und hörte mir in der Zeit schottische Song an. Sie sind poetisch und verspielt, ergreifend wie Özils sanfte Ballkunst an einem guten Tag.

Wir kennen viele Klischees von Ländern und Leuten. Eines davon ist das rassistische Vorurteil, Schotten und Schwaben seien gleichermaßen geizig. Dies ist nicht die einzige Lüge von den Parallelen zweier Länder, die ihre Unabhängigkeit eingebüßt haben. In der Zeitung „Welt“ las ich dieser Tage von der Haltung einer in Baden-Württemberg geborenen, aus Liebe zur Wahl-Schottin gewordenen Übersetzerin namens Ute Penny (der Namen ist nicht erfunden): „In Deutschland habe ich wegen meines Dialekts oft Vorurteile gespürt, wir Schwaben seien einfältig, geizig und hätten eine seltsame Sprachfärbung. So ähnlich schauen die Engländer auf die Schotten herab.“

Ob unsereins einfältig ist, kann ich nicht beurteilen. Dass ich geizig bin, kann nicht stimmen, da ich sonst mehr Kohle hätte. Die „seltsame Sprachfärbung“ dagegen räume ich unumwunden ein. Oft verstehe ich mich selbst nicht, wenn ich mit mir spreche.

Neben einem steinbruchartig rollenden Dialekt pflegen die politisch zur Bundesrepublik zählenden Schwaben im Vergleich zu den Schotten ein sehr merkwürdiges Traditionsbewusstsein. Das gilt vor allem für ihre Hauptstadt. Zwar reduziert sich die Vorliebe Stuttgarter Männer, wie die Schotten im Frauenrock herumzulaufen, meist auf den Christopher Street Day, einer Freiheitsparade, die im globalen New York ihre Wurzeln und deshalb Platz für Dudelsäcke hat. Ansonsten pflegt man in Stuttgart eine Art von Folklore, dass es der Sau graust.

Mangels ethnischer Identität und historischer Kenntnis tanzen Armeen geklonter Party-Figuren in bayerischen Dirndln und Lederhosen durch die Bierzelte auf dem Cannstatter Wasen. Inzwischen berauschen sie sich sogar auf dem Weindorf an den läppischen Hinterwäldler-Trachten aus dem nahen Ausland. Vermutlich wird bei der schwäbischen Abfüll-Orgie demnächst Münchner Trollinger serviert.

Wohl aus Trotz gegen den irren Hang zu falschen Uniformen hat sich ein Reklamefritze des VfB ein sehr spezielles Referendum ausgedacht. Mit der stockreaktionären Losung „Furchtlos und treu“ aus der württembergischen Monarchie des 19. Jahrhunderts spaltet sich der Cannstatter Fußballverein neuerdings von den letzten Regionen des Menschenverstands ab. Über die Historie des einstigen Soldaten- und heutigen Neonazi-Mottos hat man schon genug diskutiert. Auch sind alle „Furchtlos und treu“-Kalauer von „Mutlos und scheu“ bis „Furchtbar nulldrei“ durchgenudelt.

Offen ist, welches Provinzleiden Stuttgarts Erstligisten treibt, in den Stadien der seit bald 25 Jahren vereinten Republik wie ein Schützenverein aus den braunen Sümpfen Sachsens aufzukreuzen. Beim Anblick eines Mercedes-Mannschaftsbusses mit der Aufschrift „Furchtlos und treu“ muss man die Welt doch warnen: Alle Schotten dicht. Die Einfältigen mit dem Sprachfehler kommen! Olé.



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