Bauers Depeschen


Samstag, 02. August 2014, 1327. Depesche


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HEIMSIEG in Reutlingen: Stuttgarter Kickers - Jahn Regensburg 3:1





DIE FAMILIEN-BANDE IM THEATERHAUS

Flaneursalon am 13. Oktober im THEATERHAUS. 07 11 / 4020 720.

Mit Uta Köbernick. Zam Helga & Ella Estrella Tischa. Toba Borke & Pheel. Roland Baisch & Sam Baisch. Unsereins macht auch mit.



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Die aktuelle StN-Kolumne:



5. AUGUST

Am Morgen wirkt der Marktplatz ohne Marktstände wie ein Parkplatz ohne Autos. Wenn nicht Polizisten hinter den Fenstern Demonstranten filmen, steht das Rathaus herum wie vom letzten Geist verlassen. Gegenüber, in der Filiale der Silberwaren-Kette Thomas Sabo (wo mal das Café Scholz war), ist Totenkopfschmuck ausgestellt. Man sollte ihn als Warnung in alle guten Innenstadt-Läden hängen.

Über das Ende der Qualitätsgeschäfte herrscht allgemeines Wehklagen, was mich wundert, weil viele der Aufgeschreckten den Abbau historischer Häuser in der Stadt normalerweise als „Fortschritt“ feiern. Viele Trauernde tragen selbst zum Ende des Einzelhandels bei. Als Opfer der Geiz-ist-geil-Propaganda holen sie ihren Hut lieber im Internet, als sich im Fachgeschäft bei einer Hutmacherin über die Tücken eines Kopfs zu informieren, der unterm Hut gelegentlich ein Hirn birgt.

Der nächste Schritt im Zeichen einer großen Zukunft der Stadt wird am kommenden Dienstag gemacht. Ursprünglich als große Party geplant, eröffnen die Stuttgart-21-Profiteure und ihre Lobbyisten jetzt still und leise die Baugrube Nummer 16 für den Bahnhofstrog im zerstörten Schlossgarten. Für ein solches Loch gibt es kein treffenderes Wort als Trog. Die Immobilienspekulanten können sich daran mästen.

Als Feier-Tag hat man den 5. August gewählt, ein berühmtes Datum, das schon einmal für Glanz und Gloria des Fortschritts stand. Am 5. August 1908, sechs Jahre vor Beginn des Ersten Weltkriegs, landete das vierte Luftschiff des berühmten Ferdinand Graf von Zeppelin in Echterdingen auf den Fildern. Morgens um acht setzte es tadellos auf einer Wiese am Rand der 2000-Seelen-Gemeinde auf. Tags zuvor war es in Manzell bei Friedrichshafen zu einer 24-Stunden-Fahrt gestartet. Zeppelin wollte mit dieser Promotion-Tour der Berliner Reichsregierung die militärische Tauglichkeit seiner Zukunftsmaschine beweisen.

Das Schiff landete in Echterdingen, weil ein Daimler-Motor ausgefallen war und in Untertürkheim repariert werden sollte. Eine Mischung aus nationalistischer Begeisterung über den technischen Fortschritt und chauvinistischer Volkstrunkenheit prägte die Stimmung. Die Fahrt geriet zum Massenspektakel, gefeiert von der internationalen Presse.

Der Graf selbst flüchtete am Nachmittag des 5. August vor seinen ausgeflippten Fans in die Echterdinger Gaststätte Hirsch. Gegen drei Uhr erreichte ihn am Wirtshaustisch die Nachricht: Sein Luftschiff war von einer Windböe erfasst worden. Der Gewittersturm riss es aus seiner Verankerung und schleuderte es gegen die Obstbäume auf der Wiese. Das 136 Meter lange Luftschiff ging in Flammen auf und brannte völlig aus.

Trotz der Katastrophe (zum Glück kamen keine Menschen zu Schaden) stieg Graf Zeppelin zum gefeierten Volkshelden auf. Gleich nach dem spektakulären Unfall startete man eine Spendenkampagne, die sage und schreibe sechs Millionen Mark einbrachte und den Grundstock für den neuen Zeppelin-Konzern legte.

Im Mai 1937 ging ein weiteres Zeppelin-Unglück weniger glorreich zu Ende. Bei der Landung in Lakehurst im US-Bundesstaat New Jersey explodierte das Luftschiff Hindenburg. 36 Menschen kamen um.

Echterdingen, nach der Obstwiesen-Show eine Zeit lang weltberühmt, blieb ein großer Name. 1936 wurde der zivile Flugplatz des Raums Stuttgart von Böblingen auf die Filder verlegt. Bis zum Jahr 2000 hieß er Flughafen Stuttgart-Echterdingen, ehe man Echterdingen abhängte, um Stuttgart solitären Glanz zu verleihen.

Da Namen wohl Überschall und Rauch sind, griff der grüne Rathaus-Chef eine Schnapsidee der CDU auf: Im vergangenen Juli wurde der Manfred-Rommel-Flughafen ausgerufen. Ein passender Name für den Krauts-Airport. Da ist noch mehr drin.

Spätestens nach dem 5. August würde es Stuttgarts neuem Ruhm im Global-Verkehr gerecht, die ganze Stadt umzutaufen: Welcome to Rommelshausen! Zwar ist der Name schon an eine Teilgemeinde im Remstal vergeben. Es wäre aber sinnvoll, mit dem Dorf zu tauschen. Rommelshausen 21 entspräche der wahren Bedeutung der geplanten U-Bahn-Haltestelle, auch Tiefbahnhof genannt. Die Bezeichnung Stuttgart an der Rems wiederum ginge insofern in Ordnung, als im Rathaus bis heute eh keiner gemerkt hat, dass die Stadt am Neckar liegt. Ich wünsche viel Spaß am Trog zur Welt.



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