Bauers Depeschen


Samstag, 28. Juni 2014, 1310. Depesche


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FLANEURSALON IM THEATERHAUS

Uta Köbernick. Ella Estrella Tischa. Zam Helga. Toba Borke & Pheel. Sie alle treten am Montag, 13. Oktober, im Flaneursalon auf. Schauplatz: THEATERHAUS. Der Vorverkauf läuft. Kartentelefon: 07 11/4020 720.



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Die aktuelle StN-Kolumne:



FRISCHES BROT

Es gibt genügend Gründe, Zufluchtsorte zu suchen, sich dem Mief der Stadt zu ent­ziehen. Es langweilt, immer wieder von den Lügen der Politiker zu hören, ­Lügen, die es nicht einmal wert sind, ihnen mit Sarkasmus zu begegnen. Der Herr ­Mappus, ehemaliger Ministerpräsident von Merkels ­Gnaden, kann sich zurzeit nicht erinnern, dubiose Millionenverträge auf Kosten der Steuerzahler mit der Deutschen Bahn unterschrieben zu haben. Die Papiere ­tragen zwar seine Unterschrift. Wer aber kann schon wissen, wie oft er lügt in einem Geschäft, wo Lügen beim Reden so üblich ist wie Luftholen beim Schnarchen.

Fort vom Sumpf der Stadt. An diesem Samstag findet eine weitere ­sogenannte Demo für alle statt, diesmal auf dem Schillerplatz. Ein Aktionsbündnis verbreitet den Aufruf: „Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!“ Beim vorherigen Aufmarsch dieser Leute auf dem Marktplatz war ich dabei, sah Schwulenhasser und Sektierer, Rassisten und Rechtsextreme (zu erkennen an ihrer Fahne). Einige Leute demonstrierten als „besorgte Eltern“, ­hatten Kinder an der Hand. Ich hörte mir an, was sich die Kinder anhören mussten. Es war absurd bis über die Grenze des unfreiwillig Komischen ­hinaus. Es war widerlich.

Gestern war ein schöner Morgen, als ich hinausging in die warme Sonne. Es war der Morgen nach dem 1:0 der Deutschen gegen die Amerikaner. In der Zeitung stand, die Deutschen hätten das Spiel „kontrolliert“. Kontrolleure haben auf dem Fußballplatz nichts zu suchen, sagte ich mir, und stieg in die Straßenbahn der Linie 15.

Diesmal wusste ich ausnahmsweise, wo ich hinwollte. Neulich war ich beim Joggen vom Bad Berg aus an den Wilhelma-Gehegen und am Löwentormuseum vorbei auf den Spuren des Zufalls zum Wartberg ­gelaufen. Der Berg ist in Wahrheit eine Talmulde. Man erreicht ihn von der U-Bahn-Haltestelle Löwentor über die Hänge­brücken Bombay-Steg und Brünner Steg, benannt nach Stuttgarter Partnerstädten. Die Stege führen auch in den Leibfriedschen Garten. Es ist der Nordosten der Stadt. Der grüne Dschungel. Wir sind im Niemandsland der Natur, fern des Autolärms und doch in der Nähe der Heilbronner Straße, der Prag, des Killesbergs.

Bevor ich beim Joggen über die Brücken trabte, hatte ich den Wartberg nicht gekannt. Woher auch. Würde ich alle Orte der Stadt kennen, müsste ich nicht dauernd ­herumgehen und wäre arbeitslos. Es ist ­falscher Ehrgeiz, die Stadt im Hirn ab­zuspeichern, als wäre man ein Lexikon. Die Stadt muss eine Wundertüte bleiben, und oft genug ist das Wunder ein blaues.

Gleich als ich zum ersten Mal das Wasser in der Mulde umkurvte, wurde mir klar, dass ich zurückkehren müsste. Auch im Jogger-Tran bekommt man mit, wo man ist, ­sofern man Schilder lesen kann. Ich war am Egelsee am Wartberg, an einem abgelegenen Ort der Stille mit Skulpturen, Wildwuchs, Vogel­gezwitscher. Ich war im Revier der Reiher. Zu verdanken der Internationalen Gartenbauausstellung (Iga) von 1993.

Mir scheint, der Wartberg ist eine etwas vergessene Gegend, nur eingefleischten Naturmenschen und passionierten Spaziergängern bekannt. Die Volkshochschule hat hier eine Öko-Station. Man lehrt den Menschen die Kunst, mit der Sense zu mähen, lädt sie zum Sommerabend im Sinnesgarten und öffnet ihnen die Hausapotheke Natur.

Am Morgen umrunde ich den See, gehe bergauf Richtung Höhenpark Killesberg und erreiche das Backhaus. Ich komme zur rechten Zeit. Ein Dutzend Männer und Frauen sind schon an der Arbeit, schnippeln Obst, kneten Teig. An diesem Samstag, von 10 bis 18 Uhr, werden sie bei einem Fest im Freien frisches Brot aus dem Holzbackofen verkaufen. Landbrot und Vollkornbrot ohne Konservierungsstoffe. Auch gibt es Hefezopf und Obstkuchen. Frau Paula Fauth erklärt mir das Nötigste, freut sich, dass der Back-Brauch einundzwanzig Jahre überlebt hat, obwohl sie zwischendurch Angst haben musste, der Holzofen könnte für ­immer erkalten.

Ich gehe weiter bergauf, vorbei am Naturfreundehaus Steinbergle, einer rustikalen Freiluftanlage, wo oft auch Dozenten und Studenten der benachbarten Kunstakademie auf dem Weißenhof tagen. Bald darauf bin ich zurück im Alltag, im Reich der Glas- und Betonbauten. Vor mir die Luxus­kästen des neuen Quartiers Killesberghöhe. Nicht weit davon das vornehme Altersheim ­Augustinum. Davor zwei alte Wahlplakate der AfD, der Partei, die mit ihren Vasallen die „Demo für alle“ unterstützt.



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