Bauers Depeschen


Freitag, 27. Juni 2014, 1309. Depesche


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BEITRÄGE schreiben im LESERSALON



FLANEURSALON IM THEATERHAUS

Uta Köbernick. Ella Estrella Tischa. Zam Helga. Toba Borke & Pheel. Sie alle treten am Montag, 13. Oktober, im Flaneursalon auf. Schauplatz: THEATERHAUS. Der Vorverkauf läuft. Kartentelefon: 07 11/4020 720.



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LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



GEH AUF DIE TERRASSE

Die Fußball-WM ist ein gefährlicher ­ ­Eingriff in das Leben. Eine Art von ­Vereinnahmung, die das Leben schlimmer durcheinanderbringt als ein Leben mit den Stuttgarter Kickers.

Der Fußball spielt der Politik in die ­gezinkten Karten. Selbst­verständlich ist es purer Zufall, wenn das Stuttgarter Land­gericht mitten in der Fußball-WM den Schwarzen Donnerstag verhandelt. Wann sonst hätte man einen Termin finden ­können als in diesem Juni, da die brutalen Wasserwerfer-Attacken der Polizei auf Stuttgart-21-Demonstranten im Schlossgarten erst vier Jahre zurückliegen? Wundersamerweise haben es die Bilder der Schlossgarten-Schlacht dann doch noch einmal ins Staatsfernsehen geschafft, ohne die Jubelpropaganda von der WM zu stören.

Der wahre Zufall führt in keiner Sportart so schamlos und betörend Regie wie im ­Fußball. Der Zufall ist es, der die Liebe zum Fußball macht. Zufall ist es, dass Till ­Hofmann, der Chef der Münchner Kabarett-Bühne Lustspielhaus, am selben Tag geboren wurde wie der Fußballspieler ­Mehmet Scholl: am 16. Oktober 1970. Himmlische Fügung war es, dass der Kabarettist Rolf Miller im WM-Jahr 2010 bei der Party zum 40. Geburtstag der beiden Bayern auftauchte. Er muss ja irgendwie sein Leben auf die Reihe bringen, und es gibt für ihn kein größeres Glück, als wenn sich die Wege von Komik und Fußball kreuzen. Diese ­Produkte des Irrsinns prägen ihn. Beim Jubiläumsfest im Lustspielhaus lernte der Kabarettist Miller den Fußballer und TV-Kommentator Mehmet Scholl kennen. Diese Begegnung hatte Folgen.

Miller, 1967 im Odenwald geboren, heute im Stuttgarter Lehenviertel zu Hause, ist ein ernsthafter Komiker, der nicht auf die Idee käme, über die Tragik des vom Zufall ­beeinflussten Fußballspiels Witze zu ­machen. Was, verdammt, könnte daran lustig sein, wenn Horden von Fußball­glotzern reichlich Häme ausschütten, weil sie das Schicksal der Spanier nicht begreifen? Ja, die Spanier, die waren lange in der Lage, den Zufall mit ihren genialen Spiel­zügen in Schach zu halten. Sie waren die Überirdischen. Aber das will gerade keiner wissen. Außer vielleicht Miller.

Fußballzeit. Gewohnheitsmäßig treffe ich mich mit Miller im Süden. Im Café ­Galao, mit freiem Blick auf den Marienplatz, die Weltlage besprechen. Ausnahmsweise greift der Kabarettist in diesem Sommer selbst in das Spiel ein. Veröffentlicht auf Facebook sein „WM­-Tagebuch“: eine Minute alle 24 Stunden aus der Video-Werkstatt eines Komikers, der an dem Tag seine Karriere beenden müsste, da er einen Satz grammatikalisch sinnvoll zu Ende brächte. Miller ist der ­Virtuose des Unvollendeten, der Meister des Gedanken-Torsos. Einer, der stotternd „die Konsequenzen aus der Folge“ beleuchtet, bis jeder versteht, was nicht gemeint ist.

Weil er eine Humoristen-Ehre hat, ­kommentiert er in seiner Internet-Kolumne nicht den Fußball selbst. Die Ernsthaftigkeit des Spiels lässt es nicht zu. Miller karikiert den Fußballfan. Er spielt ihn, so liebevoll es geht. Sein Fan ist hilflos, gutmütig, beseelt. Eine tragikomische Figur, ein ­Ratloser, der so gut wie jeder andere nicht weiß, was das sein soll, wenn sie neuerdings von „Leidenschaftsfußball“, von „Actionfußball“, von „Konterfußball“ reden, als gäbe es kein Gestern.

Millers zufälliges Tagebuch hat seine Wurzeln in einem Deutschland-Trikot mit dem Spielernamen Podolski. Er kaufte es als Geschenk für seinen Sohn, einen Fußballer aus der vierten Liga. Dann streifte er das Hemd jedoch selbst über, setzte sich ins Auto und nahm ein Video mit gesammeltem Gestammel zum Thema auf. Als er das ­Ergebnis dem ARD-Experten Scholl nach Brasilien schickte, kam die ­Antwort: „Geh damit auf die Terrasse.“ Sollte heißen: Mach’s wie der Scholl, der leichtfüßige ­Musik-Freak und kluge ­Fußballübersteiger, geh auf Sendung mit dem Zeug, und zwar tagtäglich.

Wenn Miller Fußball im Fernsehen schaut (er macht es allein), ärgert ihn die „Glorifizierung“. Die peinliche Bemühtheit eitler Reporter, auch miese Spiele zu puschen. Reporter, die wichtige Szenen ignorieren, um ihr Party- und Event-Gedöns nicht zu stören. Diese Methode, sagt Miller, erinnere ihn an einen Satz über die Wahrheit und Wahrnehmung des Fernsehens: Der TV-Historiker Guido Knopp hat Hitler erfunden.

Rolf Miller macht seit April Auftritts­pause, schreibt an seinem neuen Programm. Die WM-Kolumne ist eine Art Konditionstraining. Im kommenden Oktober hat seine neuen Show in Aschaffenburg Premiere. Titel: „Alles andere ist primär“. Der Satz stammt von Hans Krankl, einem Österreicher, der zufällig Fußballer war. Käme ­Fußball auch in ­Millers neuem Programm vor, wäre das ein böser Zufall.

Die neue Show „Alles ist primär“ ist am 29. November im Theaterhaus zu sehen (und schon so gut wie ausverkauft). Die nächste Vorstellung findet am 17. April 2015 statt.



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