Bauers Depeschen


Samstag, 21. Juni 2014, 1305. Depesche


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MONTAGSDEMO

Am kommenden Montag, 23. Juni, spreche ich bei der Demo gegen Stuttgart 21 auf dem Marktplatz. Musik macht Stefan Hiss. Motto: "Joe Bauer & Stefan Hiss - die Ballade vom Beschiss". Beginn 18 Uhr.



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LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



26 KNOCHEN

So weit ich das als Herumstiefelknecht ­beurteilen kann, werden diesmal weniger Deutschlandfahnen an Autos und Häuser gehängt als bei den Fußballturnieren 2012 und 2010. Anscheinend hat sich die Mehrzahl der Mitläufer darauf geeinigt, ihren Dekorations- und Kostümierungswahn an den Spieltagen des deutschen Teams aus­zuleben. Bei diesen Partys blühen sie auf im Glanze ihres Glückes: PR-geile Politiker heizen das Schland-Gejohle an, entsprechend nationalistisch gefärbt, belabern uns die Ranschmeißer des Staatsfernsehens in der ­Wir-Form, wenn sie über das deutsche Team berichten. Eine Verbrüderung, wie man sie so ähnlich vom Fasching kennt.

Am Morgen nach dem nächtlichen 0:0 zwischen Japan und Griechenland ging ich zur Erholung in die Neckarstraße, wo einmal der Stuttgarter Fasching zu Hause war. Auf dem ­Gelände des heutigen SWR-Gebäudes stand bis 1944 die Stadthalle. Dann fielen die Bomben. Zehntausend Besucher hatten Platz bei Sechstagerennen, Boxkämpfen, Operetten, Zirkus-Vorstellungen. 1929 luden Vereine der Arbeiterbewegung zum „Faschings­rummel der 25 000“ unter dem Motto „Achtung! Kurve links!“. Vier Jahre später, am 15. Februar 1933, schlugen KPD-Kämpfer mit einer Axt das Sende­kabel durch, als die Rundfunkanstalten Hitlers Propagandarede aus der Stadthalle übertrugen.

Heute ist die Neckarstraße weniger für das Kabelattentat als für seine Feinstaub­rekorde berühmt. Nirgendwo in der Staub- und Staustadt ist die Luft so beschissen wie am Neckartor, dem Eingang zur Straße. Es passt, dass hier der ADAC residiert. Der Skandalclub mit dem großkotzigen preußischen Adler als Markenzeichen vor dem Haus. Der ADAC ist eine Stuttgarter Errungenschaft, sein Vorläufer, die Deutsche ­Motorradfahrer-Vereinigung, wurde 1903 im ­Hotel Silber, der späteren Gestapo-Zentrale in der Dorotheenstraße, gegründet.

Wer etwas über die Auto-Besessenheit der Stadtplaner nach dem Zweiten Weltkrieg wissen will, der bewegt sich am besten eine Weile im grünen Alibistreifen zwischen der beginnenden Neckarstraße nach Berg und der Cannstatter Straße, der Stadtautobahn. Bitte nicht tief durchatmen. Hätte man die ­Neckarstraße nicht irgendwann vergessen und wie viele andere Gegenden außerhalb der Profitmacher-Zonen ihrem Schicksal überlassen, könnte sie heute eine bunte, eine internationale Meile sein. Es gibt noch originelle Geschäfte wie den Stempel-Gmähle (Handy-Hospital) oder den Eisenwaren-Volland. Stattliche Läden wie den Bio-Markt im Hinterhof oder den Mittelmeer-Feinkost. Die Kneipen am rechten Straßenrand stadtauswärts Richtung Berg kann ich beim besten Willen nicht alle aufzählen. Sie ­haben viel versprechende Namen wie Aspendos und 40 C, Nargile Café (Zutritt ab 18) und Bonnie & Clyde (mit Fish 'n' Chips, serviert in Pergament). Auf der linken Seite fallen mir schon wegen des neuen Leidenschaftsfußballs die Chile-Flaggen am Lokal Tierra del Fuego (Feuerland) ins Auge. An der Hauswand um die Ecke sieht man die Abbildungen eines Himmelsgeschöpfs mit Flügeln und Blasinstrument: Symbol der früheren Gaststätte Engelhorn.

Linker Hand auch das Hotel Köhler, wo einst beim Herbergsvater „Roter Dieter“ die Catcher (heute Wrestler) vor ihren Stuttgart-Auftritten gastierten; der eine oder andere Leser erinnert sich noch an Namen wie Roland Bock, Rene Lasartesse, Prinz von Homburg. Ziemlich am Ende der Straße das Ristorante Da Toni, ebenfalls ein Ort mit Geschichte. Lange hieß die Kneipe Neckarklause; in dieses Wirtshaus ist der irische Nobelpreisträger Samuel Beckett („Warten auf ­Godot“) eingekehrt, wenn er in den achtziger Jahren beim benachbarten SDR seine Stücke inszenierte. Bekanntlich hat er ein kleines, nicht unbedingt an der historischen Wahrheit orientiertes Gedicht über die ­Neckarstraße hinterlassen. Auszug: „Vom Nichts ist an diesem Ort / der alte Glanz lange fort. / Und der Verdacht ist groß / Hier war schon früher nichts los.“

Selbstverständlich darf ich den ­Stöckachplatz nicht vergessen, den Friseur­laden mit dem einzigartigen Namen Salon Härle. Leider hat davor der zwölfeckige Zeitungskiosk geschlossen. Am alten Wahrzeichen vom ­Stöckach sind die Rollläden unten. Die Toilettentüren offen.

Nur eine Pause macht an diesem Tag der weithin bekannte Schuhmachermeister Ralf Jaekel. Ein wegweisendes Zitat ziert das Schaufenster seiner Werkstatt: „Der Fuß ist ein Kunstwerk aus 26 Knochen, 107 Bändern und 19 ­Muskeln. Ein Kunstwerk braucht einen Rahmen, aber keinen Käfig.“

Geschrieben hat die Zeilen Leonardo da Vinci. Denken wir daran, wenn uns der Schuh drückt beim nächsten Spiel.



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FLANEURSALON

MIT UTA KÖBERNICK

Unsere nächste Lieder- und Geschichtenshow findet am Montag, 13. Oktober, im Theaterhaus statt. Als besonderen Gast begrüßen wir die Kabarettistin und Liedemacherin UTA KÖBERNICK. Die in der Schweiz lebende Künstlerin übernimmt eine Rolle, in der man sie bisher nicht kennt: Sie führt als Entertainerin durch den Flaneursalon-Abend. Musik machen der Sänger/Songschreiber Zam Helga, seine Tochter Ella Estrella Tischa sowie der Rapper Toba Borke und der Beatboxer Pheel. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Karten gibt es ONLINE und unter der Telefonnummer 07 11 / 4020 720.



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