Bauers Depeschen


Dienstag, 04. Februar 2014, 1241. Depesche




ZUM KOPEREN UND VERBREITEN:

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ZURÜCK IN DER ROSENAU

FLANEURSALON am Mittwoch, 19. Februar, in der ROSENAU. Mit Zam Helga & Tochter Ella Estrella Tischa, mit Roland Baisch & Sohn Sam, Toba Borke & Pheel. Beginn: 20 Uhr. Karten übers Internet oder via Telefon: 01805/700 733.



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LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



INFERNO

Bedingt aufrecht stand ich hinter einem Holzpult, als das Unglück nahte:

„Ein Wirbelsturm erhob sich und traf den Vorderteil des Schiffes. Dreimal drehte er es mit allen Wassern um sich selbst; beim vierten Mal riss er das Heck in die Höhe und ließ den Bug versinken – so gefiel es ihm, und dann schlug über uns das Meer zusammen.“

Dann war ich Gott sei Dank fertig, hatte den 26. infernalischen Gesang aus Dantes „Göttlicher Komödie“ vorgetragen und Zeit zum Atmen. Als das Meer über mir zusammenschlug, hatte ich meinen Höllenritt unfallfrei überstanden und dachte: Die Untergangszeilen, die ich vor­zulesen hatte, passen wie bestellt.

Das Italienische Kulturinstitut Stuttgart hat, wie die Filialen der Einrichtung in Bonn, Frankfurt, Hamburg, München und Berlin, am Sonntag einen Lesemarathon veranstaltet, nicht im eigenen Haus in der Lenzhalde, sondern im Ungarischen ­Kulturinstitut in der Haußmannstraße 22, wo auch die Stuttgarter Akademie für ­Gesprochenes Wort beheimatet ist. Von mittags um zwölf bis abends um sieben lasen Menschen aus der Stadt auf Deutsch und Italienisch Dantes Texte. Wenn der Schauspieler Roberto Benigni so etwas in Italien unter freiem Himmel macht, ver­sammeln sich Zigtausend Menschen, viele kennen die Texte auswendig.

Unsereins hat wenig Ahnung von Italien, er muss sich das Land von den Italophilen seiner Umgebung erklären ­lassen, weil er in jungen Jahren selten mehr als die deutsche Toskana-Fraktion wahrgenommen und auch den Rest vom Stiefel nur mit bösen Witzen beurteilt hat. So bin ich kein guter Spaghetti, sondern Banause geworden.

Als mich jetzt das Meer vom Pult gespült hatte, fiel mir wieder mal auf, was es alles gibt in der Stadt. Seit mehr als fünfzig ­Jahren ein Italienisches Kulturinstitut. Leider erhebt sich davor in diesen Tagen ein Wirbelsturm. Das Haus in der Lenzhalde 69 soll dicht gemacht werden, weil die Regierung in Rom dafür kein Geld mehr ausgeben will. Das italienische Außenministerium hat die Institute einst gegründet, um Gastarbeiter besser zu integrieren und Bücken zwischen Deutschen und Italienern zu bauen.

Wenn man zuschaut, wie die Stuttgart-Italiener als Gäste bei den Stuttgart-Ungarn auftauchen, wo auch die deutschen Wort-Akademiker zu Hause sind, dann fliegt einem so etwas wie ein europäischer Gedanke zu. Selbstverständlich haben der Herr Oberbürgermeister und der Herr Ministerpräsident bereits in Rom inter­veniert, die Italiener in Stuttgart zu belassen. Allerdings weiß man nie so genau, wer in Rom auf der Geldtasche sitzt und wer die Jobs vergibt. Die Stuttgarter Institutsleiterin heißt Adriana Cuffaro, und sie trägt, soweit ich das als alter infernalischer Schnüffler im Untergrund beurteilen kann, einen in ­Italien bekannten Nachnamen.

Wir in Stuttgart haben noch einen anderen italienischen Kulturpfeiler in der Stadt: den Mailänder Platz. Dieses städtebauliche Kunstwerk aus den Untiefen des Asphalts hat mit Mailand etwa so viel zu tun wie der Dichter Dante mit dem Verteidiger von ­Bayern München. Dennoch ist der Platz weltberühmt, seit man die neue städtische Bücherei Stadtbibliothek am Mailänder Platz getauft und ihr an der Frontseite den Schriftzug „Library“ verpasst hat.

Global-Player, wie sie im Rathaus sitzen, haben das Architektur-Inferno drum herum passend Europaviertel getauft. Als ich ­neulich vor der Bücherei stand, sah ich das große Transparent der SSB: „Wir bauen für Sie die U 12 im Europaviertel“. Gelesen habe ich diesen Text oft, begriffen nie. Über das Werbebanner vor der ­Bücherei hinweg schaut man nicht etwa auf eine SSB-Baustelle, sondern auf ein­ ­riesiges S-21-Loch mit dem Eingang zum geplanten Tunnel mit Namen Andrea. Neu ist nur, dass die ehe­malige Haltestelle Türlenstraße inzwischen Stadtbibliothek heißt und die U 15 nicht mehr über den Nordbahnhof fährt. Das erledigt jetzt auf einem kleinen Umweg die U 12 zum Hallschlag.

Klar ist, dass man sich reichlich Unsinn einfallen lässt, um die Leute von der Kostenexplosion und vom bevorstehenden Inferno im Stadtbahn- und Straßenverkehr abzulenken. Seit gestern demonstrieren die S-21-Gegner montags wieder auf dem Marktplatz. Das ist insofern unglücklich, als man ihnen nicht mehr Staus am Bahnhof und dazu Umsatzeinbrüche in den Geschäften in die Schuhe schieben kann.

Sei’s drum. Eines Tages erreicht uns der Wirbelsturm, und es wird nicht das Meer sein, das über uns zusammenschlägt. ­Zurzeit kämpfen die weltbesten Bau­stellenplaner bei S21 noch gegen die ­Urgewalten des Nesenbachdükers.



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