Bauers Depeschen


Dienstag, 28. Januar 2014, 1238. Depesche

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PRO FAMILIA LIVE

FLANEURSALON am Mittwoch, 19. Februar, in der ROSENAU. Mit Zam Helga & Tochter Ella Estrella Tischa, mit Roland Baisch & Sohn Sam, Toba Borke & Pheel. Beginn: 20 Uhr. Karten übers Internet oder via Telefon: 01805/700 733.



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LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



UNTERM REGENBOGEN

Ich gehe und fahre ziellos in der Stadt ­herum, kritzle Beobachtungen in mein ­Notizbuch, knipse mit meinem Taschen­telefon Fotos zur Erinnerung. Ich muss ­ grinsen, als ich auf einem Konzertplakat in der Straßenbahn einen Hinterkopf mit akkurat gebundenem Pferdeschwanz sehe. Kopf und Schwanz gehören dem Stuttgarter Generalmusikdirektor Sylvain Cambreling.

In der Unterführung beim Feuerbacher Bahnhof zeigt ein Großplakat das Porträt des früheren Fernsehmoderators Ulrich Wickert. Daneben steht: „Ich bin Jude“. Darunter: „Wenn du was gegen ­Juden hast“. Die Aktion heißt „Gesicht zeigen“. Der kleiner gedruckte Text des Posters ­lautet: „Mein Name ist Ulrich ­Wickert und ich zeige Gesicht: für Respekt, für ein weltoffenes Deutschland und für deine Würde. Denn meine Freiheit ist auch deine Freiheit. Zeige auch du dein Gesicht. Es wird gebraucht.“

Januar 2014. Die Medien behandeln ­ausführlich zwei historische Jubiläen: Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg. Die nicht nur regionale Tagespolitik beschäftigt sich im Januar 2014 ausgiebig mit dem Widerstand von Bürgern gegen die Pläne der Landesregierung, an Schulen über „sexuelle ­Vielfalt“ aufzuklären. Mehr als 180 000 Leute haben eine Petition gegen die „komplette sexualpädagogische Umerziehung“ unterzeichnet. Auf Deutsch: Sie kämpfen gegen die vollständige geschlechtserzieherische Umerziehung.

Womöglich haben diese Leute Angst, Homosexualität sei ansteckend oder übertragbar durch Hypnose. Ein Lehrer könnte einen jungen Menschen im Unterricht ­„umpolen“. Lange genug sagte man in diesem Land, einer sei „falsch gepolt“, „vom anderen Ufer“. Man darf nicht vergessen: Noch vor zwanzig Jahren gab es in der ­Bundesrepublik den Paragrafen 175 zur Bestrafung von Liebe zwischen Männern. ­Derselbe Paragraf diente bis 1969 auch zur Verfolgung „widernatürlicher Unzucht mit ­Tieren“. Zwanzig Jahre lang hielt die deutsche Justiz an einer Version des Paragrafen fest, die den Nazis zur Verfolgung (und ­Ermordung) Homo­sexueller gedient hatte.

Der aktuelle Sturmlauf des gesunden Volksempfindens gegen die „Vielfalt“ zielt auf Schwule, Bisexuelle, Lesben, Trans­sexuelle. Auf alle, die gegen die Zwangsnormen verstoßen, wie sie ein Realschullehrer aus dem Schwarzwald namens Stängle formuliert hat. Ich als Bauer mit Grundkenntnissen im Fach Humor lehne Namenswitze normalerweise ab. An vorderster Front im Kampf gegen sexuelle Buntheit macht sich ein Schulmeister mit Namen Stängle allerdings ausgesprochen gut.

Seine Attacken richten sich gegen die „Akzeptanz ­sexueller Vielfalt“ auf dem Bildungsplan, gegen den Umgang im Unterricht mit nicht-heterosexuellen Lebens­stilen. Die Perversität im Denken und ­Handeln in einem Land mit freiheitlich­demokratischer Verfassung bleibt selbstverständlich geschützt. Logischer­weise geht es um ­„moralische“ Dinge. Die Stängle-Fraktion wehrt sich gegen eine „Ideologie des Regenbogens“: gegen eine Politik, die jungen Menschen die Spektralfarbigkeit des Liebeslebens vermitteln könnte.

Unkonventionelle Lebensstile, sagt Stängle, machten junge Menschen anfällig für Alkohol, Drogen, Suizide. Dem kann man nicht einmal widersprechen: Ein Mensch, der wegen seiner menschlichen Neigungen die Verfolgung homophober Baden-Württemberger fürchten muss, kann auch mal zu ­ Trostmitteln greifen, die nicht alle im Schwarzwald gedeihen.

Unsereins ist übrigens ein stinklang­weiliger Hetero im Endstadium, bisher verschont von den zumindest sexual­moralischen ­Angriffen komplett normaler Mitbürger. Vielleicht aber werde ich demnächst ein Plakat aufhängen. Am Text feile ich noch. Entweder „Ich bin schwul“, „Ich bin lesbisch“ oder „Ich bin eine schwule ­Transe“. Irgendein Gesicht muss man doch zeigen, auch wenn man in diesem Fall lieber die anderen Backen hin­hielte.



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