Bauers Depeschen


Mittwoch, 08. Januar 2014, 1229. Depesche


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DIE PAPIERTIGER MIT JESS JOCHIMSEN IM CAFÉ WEISS

Zum dritten Mal lade ich zu meinem Lese- und Liederabend unter dem Titel "Die Papiertiger" ins Café Weiß: Am Donnerstag, 23. Januar 2014, heißt mein Gast Jess Jochimsen. Der Freiburger Schriftsteller und Kabarettist nutzt einen freien Tour-Tag für ein außerplanmäßiges Gastspiel in der Stuttgarter Altstadt-Bar, Geißstraße 16. Musik macht wieder Roland Baisch mit seinen Freunden. Beginn 19.30 Uhr. Eintritt frei. Bitte rechtzeitig reservieren, es könnte wieder eng werden: Telefon 07 11/24 41 21 ( (Montag bis Samstag ab etwa 19 Uhr).



DIE FAMILIENSAGA: FLANEURSALON IN DER ROSENAU

Mittwoch, 19. Februar 2014, ROSENAU: Auf vielfachen Wunsch tritt der FLANEURSALON nach dem Gastspiel im Theater Rampe noch einmal in der Familien-Bande-Besetzung an. Mit Zam Helga & Tochter Ella Estrella Tischa, mit Roland Baisch & Sohn Sam sowie Toba Borke & Pheel. Andere Geschichten, andere Songs. 20 Uhr. Vorverkauf läuft. Telefon: 01805 700 733.



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LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



STATION F

Am Feuerbacher Bahnhof ist die Uhr stehen geblieben, als ich am frühen Nachmittag zur Bahnhofs­wirtschaft gehe. Die Uhr zeigt Viertel vor Neun und erinnert mich daran, wie mich vor Weihnachten beim Abendmahl in einer Altstadtkneipe rücklings ein Mann ansprach. Entschuldigung, wenn ich Sie beim Essen störe, sagte er, welchen Tag ­haben wir heute? Dienstag, sagte ich. Und wie spät ist es? Halb neun. Der Mann überlegte kurz und sagte: Morgens oder abends? Nicht wichtig. Die Bahnhofsgaststätte von Feuerbach heißt Wirtshaus Station F. Wenn man das Lokal betritt, wähnt man sich in dem braun getönten Wirtshauslicht, das man aus Filmen kennt. Deutsche Filme, die in einer Zeit spielen, als es noch Bahnhofsgaststätten und Eckkneipen gab. Es gibt in der Station F Nudelsuppe mit Siedfleisch und Kartoffelsuppe mit Wurst für jeweils zweiachtzig und Schmalzbrot mit Zwiebeln für zweizehn. Einen halben Liter Bier bekommt man für zweineunzig.

Drei elektronische Spielautomaten und ein stattlicher Flachbildschirm mit dem Bezahlsender Sky im Repertoire vernetzen die Station F mit der Gegenwart. Die anderen Utensilien im Raum tragen die Patina deutscher Gemütlichkeit. An der Wand hängt ein Pferdegeschirr. Unter den vielen gerahmten Bildern im Lokal, allesamt prächtige Schinken, suche ich nach James Dean, Marilyn Monroe und Elvis Presley. Diese Leute vermute ich immer in solchen Kneipen. Wenn ich sie finde, treten sie aus ihrem Rahmen heraus, wie man es so ähnlich von Woody Allens Kino kennt. Sie blinzeln mir zu, der Kneipenventilator weht Marilyns Rock hoch, und James Dean fragt: Welcher Tag ist heute? Spielt keine Rolle, Jimmy, sage ich, ihr seid nicht zum Sterben geboren, und die Bahnhofsuhr von Feuerbach ist ohnehin hinüber.

Im Lokal meiner Wahl sind Jimmy Dean, Marilyn Monroe und Elvis Presley nicht da. Es ist Montag, der 6. Januar, das Fest der Heiligen Drei Könige, und es gibt keinen verdammten Dreikönigstag, an dem mir nicht einfällt, dass zwei Tage später der King ­Geburtstag hat. Am achten Januar 2014 (gewisser­maßen heute, da Sie diese Zeilen lesen) ­feiert Elvis seinen neunundsiebzigsten ­Geburtstag. Dies als Warnung, was uns im kommenden Jahr bevorsteht.

Einer meiner Kollegen, der etwas von ­Musik versteht, hat mal die Gesangstechnik des King mit der Kunst von Maria Callas verglichen. In diesem Fall sollte man wissen, was zwei Oktaven bedeuten, bevor man sich mit ihnen anlegt. Unsereins, der wenig vom Singen versteht, hat Elvis Presley in erster Linie als sexuellen Schrittmacher wahr­genommen. Er führte uns so umwerfend seinen ­Unterleibsbereich vor, bis ihn alle Welt „Elvis the Pelvis“ nannte. Zwar hat er gesagt, er finde diesen Spitznamen für einen erwachsenen Menschen absolut albern, aber machen konnte er dagegen nichts. So blieb er zeit seines Lebens und über den Tod hinaus Elvis the Pelvis. Elvis das Becken.

Elvis konnte beim Singen unnachahmlich die Beine vom Knie an abwärts spreizen und weiter oben mit dem Becken kreisen, obwohl das Becken für das Gros der Menschen ein eher schwer bewegliches Teil ist. Es gibt sogar Berufsfußballer, die an Hüftversteifung leiden; man kennt sie vom VfB.

Bekanntlich gehören zum sogenannten knöchernen Becken zwei Hüftbeine, und glaubt man dem Lexikon, bildet das knöcherne Becken im erweiterten Bauchraum zusammen mit dem Kreuzbein den ­Beckenring. Der Beckenring wiederum ist verantwortlich für das Stehvermögen und den aufrechten Gang des Menschen, ­weshalb wir vermuten müssen, dass viele Menschen ganz und gar ohne Beckenring aufgewachsen sind oder ihn beim Tanz auf zu vielen Hochzeiten verschlissen haben.

Seine sagenhafte Becken-Akrobatik wäre Elvis beinahe zum Verhängnis geworden. Nicht weil er beim Rock‘n‘Roll -Tanzen seinen Beckenring angebrochen hätte. Fromme Menschen hielten seine gottgegebene Mobilität in der Ober- und Unterbauchzone für obszön, für eine öffentliche Gefahr. Seine Art, Rock‘n‘Roll mit Freude am eigenen Körper zu singen, habe er vom ­Teufel gelernt, sagten sie. Elvis führe mit seinem Becken die Kinder ins Verderben. Im Fernsehen zeigte man ihn ­deshalb eine Weile nur oberhalb der Hüfte. Die Christenmenschen konnten ­damals nicht ahnen, welche ungeheure ­mediale Bedeutung das Becken an sich am Drei­königstag 2014 ­in einer ­amerikanischen ­Kolonie ­jenseits des großen Teiches erlangen sollte. In einer ­Republik, der zu Ehren Elvis einst den besten ­schwäbischen Blues-Song aller Zeiten gesungen hatte: „Muss i denn zum Städtele ­hinaus“.

Als ich die Station F verlasse, zeigt die Feuerbacher Bahnhofsuhr immer noch Viertel vor Neun. Ich gehe spazieren, in guten Stiefeln leicht federnd im Hüftbereich. Am Straßenrand blühen, ungewöhnlich für einen frühen Januartag, Gänseblümchen. Ich reiße ein paar Blümchen ab und werfe sie in die Luft. Für dich, King, sage ich und steige in die Straßenbahn. Die Linie sechs bringt mich ­zurück ins ­Talbecken.



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