Bauers Depeschen


Mittwoch, 20. November 2013, 1203. Depesche


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TERMINE

Donnerstag, 21 November: Kapfenburg Lauchheim. 19.30 Uhr. Nacht der Poeten. SWR-Aufzeichnung. Mit Jess Jochimsen (Freiburg / Moderation) Kirsten Fuchs (Berlin), Joe Bauer (Stuttgart), Heiko Werning (Berlin), Musik: Sascha Bendiks (Freiburg)

Freitag, 22. November, Kulturhaus Schloss Großlaupheim, 20 Uhr: Laupheimer Nacht der Poeten

Dienstag, 26. November: Kleiner Flaneursalon in der Buchhandlung Ebert, Leinfelden-Echterdingen, Hauptstraße 60/62. Mit Anja Binder & Jens-Peter Abele. 19.30 Uhr. Karten: 07 11/45 96 82-50.

Montag, 9. Dezember: "Die Papiertiger" - 2. Lese- und Liederabend mit Wolfgang Schorlau, Roland Baisch und Joe Bauer im Café Weiß, Stuttgart, Geißstraße 16. 19.30 Uhr. Eintritt frei. Reservierungen: 07 11/24 41 21.

Dienstag, 17. Dezember: Flaneursalon Intim in der Jakob-Stube, Leonhardsviertel. 20 Uhr. Karten (10 € inklusive Getränk) ab sofort im Lokal und im Plattencafé Ratzer Records.



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Die aktuelle StN-Kolumne:



GEDÄCHTNISSTÖRUNGEN

Auch der letzte der Ginkgobäume im ­Mineralbad Berg hat sich in den vergangenen Tagen herbstlich verfärbt, ein lebendes Naturbild, und der Baum muss schon ziemlich alt sein, wenn ich daran denke, wie ich neulich unter der Dusche im Berg mit einem Mann gesprochen habe, der vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs geboren wurde und noch voll da ist. Das kommende Jahr wird ein Kriegsgedenkjahr, es ist dann ­hundert Jahre her, dass der Erste Weltkrieg begonnen hat, und fünfundsiebzig Jahre, dass deutsche Soldaten über Polen her­gefallen sind und den Zweiten Weltkrieg ausgelöst haben. 2014 wird das große Medienjahr der Historiker, der Mahner und der Heuchler. Vielleicht aber birgt es auch eine Chance.Es könnte sich beim Betrachten der Bilder des ausgebombten Stuttgart nach dem Zweiten Weltkrieg etwas regen im einen oder anderen Hirn, und es wäre hilfreich, die Ginkgobäume des Mineralbades vor Augen zu haben. Ginkgo ist bekanntlich ein gutes Mittel gegen Gedächtnisstörungen.

Gegen den Verlust der Erinnerung und die Ignoranz gegenwärtiger Entwicklungen im rechtsextremen, im rassistischen Lager unserer Gesellschaft könnte Aufklärung helfen. Ein Lernort für die Auseinander­setzung mit den alten und neuen Nazis wäre zwingend notwendig in einer Landeshauptstadt – und die ehemalige Gestapo-Zentrale, das Hotel Silber in der Dorotheenstraße, der richtige Platz. Aber was richtig und was falsch ist, entscheidet in dieser Stadt schon lange nicht mehr die politische Vernunft, sondern die internationale Immobilien­Abteilung. Die Idee vom Hotel Silber stört beim Bau eines Einkaufszentrums.

Es geht heute in der Stadt darum, Areale zu „entwickeln“, wie neulich eine Sprecherin der LBBW-Immobilien GmbH sagte, als bekannt wurde, dass das Filmbüro und der Club Rocker 33 in der Friedrichstraße ihre Räume postwendend aufgeben müssen. Man kann es auch formulieren wie die ­Copro-Gruppe, die den Kaiserbau am ­Marienplatz von der BW-Bank gekauft und damit das Aus für den Kiosk und die Kneipe Treff bei Anna besiegelt hat: „Mit den operativen Einheiten ‚Projekt­entwicklung’ und ‚Immobilienmanagement’ werden durch integrative Zusammenarbeit dieser beiden Geschäftsbereiche nach­haltige wirtschaftliche Lösungen mit hoher Wertschöpfungstiefe für Wohn- und Büroimmobilien ­erarbeitet und umgesetzt . . . Wir wecken ­ungenutzte Potenziale, positionieren ­Objekte neu, erhöhen die Rendite und ­beschleunigen den Wertzuwachs.“

Der Wertzuwachs ist das Maß aller Dinge. Das muss uns bewusst sein, wenn im kommenden Jahr die großen Schwüre geleistet werden, man habe aus der Vergangenheit gelernt und werde die Demokratie zum Wohle aller lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger schützen. Um die Demokratie zu schützen, bedarf es einer lebendigen ­urbanen Kultur, die ihre Freiräume braucht. Da geht es nicht nur um ein paar Immobilien für das Veranstaltungsgeschäft, sondern um eine urbane Lebensart, um eine städtische Kultur. Leider gibt es genügend Stadträte, die Kultur generell als Luxus zur ­Bespaßung der Event-Kundschaft betrachten und an der Überflüssigkeit von ­Subventionen keinen Zweifel lassen. So denken auch einige Grüne in der Landes­regierung, wenn sie die Arbeit eines ­Sinfonieorchesters als elitär und damit als verzichtbar betrachten und mit dem Siebzigerjahre-Begriff „Kultur für alle“ Kleinbühnen-Romantik beschwören.

Wer heute auf die wirtschaftlichen ­Entwicklungen mit ihren sozialen und ­kulturellen Folgen für die Bürger hinweist, wird von den „Machern“ des Fortschritts und ihrer „Kommunikation“ unverzüglich als Ewiggestriger oder Nostalgiker ab­gestempelt, als einer, der die Vergangenheit verklärte. Wer die alten Zeiten aber in Wahrheit beschönigt, sind die Ewiggestrigen, die nichts dagegen tun, wenn sich die geistigen Nachfahren und Erben der Nazis bei uns ungehindert ausbreiten.

Experten sprechen von der „Scharnierfunktion“; gemeint ist das heimliche ­Eindringen von gut getarnten, sich bürgerlich, cool und modern gebenden Neonazis in die politische Mitte der Gesellschaft, in ihre Institutionen. Vor diesem Hintergrund wäre die Ablehnung einer pädagogisch fundierten, finanziell und räumlich gut ausgestatteten Einrichtung eines Gedenk- und Lernorts ein Skandal. Das Hotel Silber wäre nicht nur ein wichtiger zentraler Gedenkort, um die seit jeher in dieser Stadt vernachlässigte Geschichte auf­zuarbeiten. Es wäre ein Haus zur Demonstration einer demokratischen Haltung, ein Haus der politischen Kultur in der Auseinandersetzung mit dem heutigen Rechtsextremismus.

Der Blick auf die herbstlichen Gingkobäume im Mineralbad Berg, eines von ­Immobilienhändlern bedrohten Ortes voller Geschichte und Kultur, schärft das ­politische Gedächtnis und das historische ­Bewusstsein. Rathaus-Politiker sieht man dort ausgesprochen wenige.



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