Bauers Depeschen


Samstag, 09. November 2013, 1199. Depesche


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HEIMSIEG: Stuttgarter Kickers - FC Halle 1:0



NACHT DER LIEDER: RESTKARTEN

Es gibt noch Karten für DIE NACHT DER LIEDER am 10. und 11. Dezember im THEATERHAUS. Beginn jeweils 19.30 Uhr. Eric Gauthier moderiert die Benefiz-Show zugunsten der Aktion Weihnachten der StN, unsereins arrangiert das Programm und die Dinge, die sonst so anfallen ... alles für einen guten Zweck, das Geld geht an Menschen in Not aus der Region.

Kartentelefon: 07 11/4020 720.



Der Klick zum

LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



BEI ANNA

In ihren Stammlokalen reden die Leute tagtäglich darüber, und sie wissen nicht, wie lange sie ihren Stammlokalen noch darüber reden können: Die Eckkneipe verschwindet aus dem Stadtbild, so wie das Wort Ecke als Bild für die familiäre urbane Nische ­verschwindet. Investoren machen aus jeder Ecke ein „Quartier“.

Wer sehen will, wie sich die Stadt verändert, geht vom Rotebühlplatz die Tübinger Straße entlang bis zum Marienplatz, unterwegs kommt er an der Baustelle für das Einkaufszentrum mit dem irreführenden Namen Das Gerber vorbei. Er soll Identität vorgaukeln. Das Gerberviertel ist woanders.

Am Marienplatz besuche ich Frau ­Soussouridou. Nach zwölf Jahren Arbeit in ihrer Kneipe Treff bei Anna, gegenüber der Zahnradbahn, muss die Wirtin Anna ­Soussouridou ihr ­Lokal Ende November schließen. Die Bar ist im Erdgeschoss des Kaiserbaus. Die BW-Bank hat das 1911 erbaute Gebäude Ende 2012 an einen Investor namens Copro-Gruppe verkauft. Fünf Häuser, fünf Geschosse, einundvierzig Wohnungen, acht Gewerbe-­ und Büroeinheiten.

Eine dieser Gewerbeeinheiten hat seit 2001 Frau Soussouridou gemietet. Zuvor hieß die Kneipe Zur Zacke. Der Treff bei Anna hat täglich von neun Uhr morgens bis zwei Uhr morgens geöffnet, eine Bar, die man nicht zu den gehobenen Gastro-Adressen zählt. Das Publikum kommt aus der Nachbarschaft. Renter, Lehrer, Arbeiter, Akademiker, Gewohnheits­zecher, Problemfälle, Automatenspieler, junge und alte ­Abhänger, Neugierige. Einige waren schon Gast bei Anna, als sie noch in der Nähe mit ihrem Mann Georgios die Hauptstätter Stube, die frühere Kolbstube, führte. Georgios ist vor dreizehn Jahren gestorben, das Lokal dem Hotel Park Inn gewichen.

Ein warmer Novembertag, die Sonne scheint, fast wie Sommer, wenn Anna fünfzig Gäste auf der Straße bewirten konnte. Anna und ich sitzen in der Personalnische neben dem Schankraum, wo das Bild mit dem römischen Kampfwagen an der Wand hängt. Die Kündigung kam vor einem halben Jahr, als schon klar war, dass auch der benachbarte Kiosk-Betreiber gehen muss. Er ist schon weg. Die Bank-Filiale bleibt.

Anna ist dreiundsechzig. Erst in zwei Jahren, sagt sie, habe sie Anspruch auf ­Rente. Es ihr etwas unangenehm, dass da am hellen Nachmittag einer von der Zeitung gekommen ist, unangemeldet. Es ändert ja nichts, wenn etwas in der Zeitung steht, sagt sie. Nein, sage ich, es ändert nichts. Sie ist freundlich, und als wir sprechen, hat Anna ein paar Mal Tränen in den Augen. „Es ist bitter, ein harter Schlag in meinem Leben.“ Vor siebenundvierzig Jahren ist sie von Nordgriechenland nach Stuttgart gekommen, hat erst in einer Buchbinderei gearbeitet, dann in der Gastronomie.

An einen benachbarten Tisch hat sich inzwischen Frau Schindler gesetzt. „Schindler wie Schindlers Liste“, sagt sie. Dreiunddreißig Jahre war sie in der Kantine bei Bosch beschäftigt, jetzt ist sie Rentnerin, Stammgast bei Anna. Sie kenne Leute, die seien nach Cannstatt gezogen und weiterhin zu Anna gekommen, sagt sie.

Die bessere Adresse im Kaiserbau ist neben der Gelateria das Café Kaiserbau; es firmiert am Eingang auch als „Vincafé ­Kaiserbau“, im Untertitel als „Restaurant, Vinothek, Bar“. Der Treff bei Anna definiert sich einfacher: das 0,4-Liter-Bier zweifuffzig, der ­Ouzo einsneunzig. Rauchen erlaubt.

Am Marienplatz hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Es gibt neue Kneipen, eine originelle mit Bühne wie das Galao. Und wie überall in der Stadt verlieren Menschen, wie sie bei Anna verkehren, ihre Anlaufstellen, ihre Wohnstuben. Sie werden aus dem öffentlichen Leben an den Rand gedrängt, kommen in den „Konzepten“ der Investoren nicht mehr vor. In den Räumen von Anna soll eine hippe Bar einziehen. Als Mieter sind die Macher eines Live-Clubs in der Stadtmitte im Gespräch.



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