Bauers Depeschen


Dienstag, 05. November 2013, 1197. Depesche


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NOTIZ, S 21

Das Duden-Fremdwörterbuch definiert "Kommunikation" als "1. Verständigung untereinander, Umgang, Verkehr. 2. Verbindung, Zusammenhang". Warum darf sich dann jede Propaganda-, Reklame-und Verlautbarungs-Abteilung "Kommunikationsbüro" nennen?



15 JAHRE FLANEURSALON und die Show im Theaterhaus sind abgehakt. Ich denke, der Abend war in Ordnung, viel mehr ist bei ungeprobten Sachen nicht drin.



DIE NACHT DER LIEDER

Für "Die Nacht der Lieder" gibt es noch Karten - allerdings nicht mehr viele: Große Benefiz-Show zugunsten der Aktion Weihnachten der StN am 10. und 11. Dezember im THEATERHAUS - 07 11/4020 720.

Eric Gauthier moderiert den Abend, begleitet von seiner Theaterhaus-Kompanie Gauthier Dance und unserer Big Night Showband, auf die Bühne gehen: Timo Brunke, Ella Estrella Tischa, die Füenf, Dacia Bridges, das Harfen-Duo Berenike Birth & Svenja Bleyer, das Klassik/Jazz-Trio Sara Wohlhüter (Gesang), Georg Dietl (Klavier) & Ekkehard Rössle (Saxofon), die Band Hajnal, The Louisiana Funky Butts. - Die Einnahmen gehen auf direktem Weg, ohne Abzug von Verwaltungskosten, an Menschen in Not.



Der Klick zum

LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne, Circus Bonanza:



GEBOREN IM AUGUST

Halb zehn am Morgen, einer dieser Novembersonntage, in der Nacht hat es geregnet, und der Wind hat an den Fenstern gerüttelt. Auf dem Rummelplatz riecht es nach Stall, wie früher bei einem Dorfspaziergang. Ein Kamel steht herum, ein Vogel Strauß, und der Neckar scheint sich wieder zu beruhigen. Irgendwo muss er sein, der Seniorchef. Hinter einer Wohnwagenscheibe erkenne ich den Hinterkopf eines Mannes, die dünnen Haarsträhnen im Nacken. Das ist er, der alte Clown. Ein paar Jahre her, dass wir uns gesehen haben. Die Tür geht auf, ich habe mich nicht angemeldet, störe beim Frühstück, die ­Begrüßung fällt herzlich aus. Alles in ­Ordnung, über der Oberlippe ­bewegt sich das Menjou-Bärtchen, wenn er lacht. Im vergangenen August ist Bernhard Sperlich fünfundsiebzig geworden. Irgendwie war der August sein Schicksal.

Wir gehen hinüber zum Vorbau des rot-gelb gestreiften Vier-Mast-Zelts. Noch ­haben wir etwas Zeit, die erste Vorstellung im Circus Bonanza beginnt um elf. Tanja, die Schwiegertochter, kommt vorbei, früher war sie Artistin auf dem Drahtseil, jetzt arbeitet sie hinter den Kulissen. In diesem Zirkus ist jeder da, wo er gebraucht wird. Respekt ist angebracht. Die Popcorn-Verkäuferin vom Vorzelt wird man wenig später in einem anderen Kostüm sehen, als Star in der Manege.

Zurück zum Wohnwagen. Bernhards Ehefrau Rosa beseitigt die letzten Spuren des Großfamilienfrühstücks. Das Paar hat immer im Wohnwagen gelebt, auch als es das Wasser noch von den Nachbarn holen und die Windeln mit dem Waschbrett reinigen musste. Halb elf. Bernhard Sperlich hat sich die groß karierte Hose und die Galoschen aus rotem Leder angezogen. „Die rote Nase“, sagt er, „muss ins Programm.“ Er ist wieder der August in der Manege, der Clown, wie ihn die Kinder mögen. Ein Foto im Wagen zeigt ihn als Vierjährigen, da war er auch schon der August. Später arbeitete er als Trapezkünstler, und wenn man einen Schlagzeuger brauchte, war er bereit.

Bernhard und seine Frau verkörpern die fünfte Generation der Zirkusfamilie ­Sperlich, sie haben neun Kinder und siebenunddreißig Enkel. Während der Show ­werde ich neben Santiago sitzen. Wenn eine Nummer zu Ende ist, legt San­tiago in seinem Buggy die Flasche und die Brezel weg und klatscht in die Hände. Er ist eineinhalb, ein Urenkel der Sperlichs. Es geht weiter.

Vieles hat sich verändert, sagt Rosa, nicht alles zum Guten. Die Standplatz­mieten und Energiekosten, das Plakatieren, alles ist teuer geworden. Zirkusleben heißt Existenzkampf. Den Circus Bonanza leitet inzwischen Bernhards Sohn Stephan ­Sperlich mit seiner Frau Tanja, seine Brüder ­Joachim, Markus und Michael haben eigene Unternehmen, zurzeit bereiten sie die ­Weihnachtszirkusse in Karlsruhe, Reutlingen und Waiblingen vor. Ich frage Rosa, wie lange es die Familie Sperlich schon gebe. „Eigentlich seit immer“, sagt sie, und damit ist alles gesagt.

Bernhard wurde in der Nähe von Berlin geboren, an einem Ort, den er nie wieder gesehen hat. Bis 1953 waren die Sperlichs in der DDR, wurden enteignet, gingen in den Westen. 1973 gründete Bernhard in Stuttgart einen neuen Zirkus. Weil er auf der Trompete gern die Titelmelodie der Fernsehserie „Bonanza“ spielte, hatte der Zirkus schnell einen Namen, und wenn der ­Moderator Sascha Thanner heute in der Jubiläumsshow zum vierzigjährigen ­Bestehen den „Stuttgarter Kult-Circus Bonanza“ rühmt, hat er gute Gründe. Die Sperlichs waren mit ihren Artisten dabei, als das Theaterhaus erst in Wangen und später auf der Prag eröffnete, sie halfen den Staatstheatern, wenn Akrobaten gebraucht wurden. Das Bonanza-Zelt hatte schon in den Achtzigern auf dem Karlsplatz gestanden, als der heutige Theaterhaus-Chef ­Werner Schretzmeier den Stuttgartern vorführte, welche Kultur in der Stadt fehlte.

Noch bis zum 10. November präsentiert der Circus Bonanza auf dem Wasen sein großes Jubiläumsprogramm, eine schöne, eine bewegende Familien-Show mit beachtlichem Ensemble. Der Zuschauer sieht ­wagemutige Darbietungen wie die Todesrad-Nummer von Maik & Siegfried, er erlebt die Mitmach-Spiele der Clowns für die Kinder, und wenn die virtuose Hula-Hoop-Tänzerin Monika mit ihren Reifen jongliert, verbreitet sie diesen Hauch von Erotik, um den sich viele Varietés vergeblich bemühen.Für das Vierzigjährige hat sich der Circus Bonanza auch Tiere geliehen, Pferde, Esel, Strauße, Büffel, Antilopen, alle vom Circus Kaiser. Wie immer protestieren Tierschützer. Das gehört zum Zirkusleben wie die Leute, die beim Anblick einer Manege die Nase rümpfen, ohne die leiseste Ahnung davon zu haben, wie viel die moderne ­Bühnen- und Filmkunst dem Zirkus und dem Rummelplatz verdankt. So wünscht man allen Sperlichs und ihren Freunden ein volles Zelt und ein langes Leben.

> Vorstellungen bis zum 10. November täglich um 15.30 und um 19.30 Uhr, am Sonntag um 11 und um 15.30 Uhr



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