Bauers Depeschen


Mittwoch, 18. September 2013, 1175. Depesche


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NACHTRAG: Chemnitzer FC - Stuttgarter Kickers 1:0 



FLANEURSALON FEIERT

15. GEBURTSTAG IM THEATERHAUS

Der Vorverkauf läuft inzwischen ganz gut, es wird wohl kaum mehr Karten an der Abendkasse geben. Am Montag, 4. November, feiert der Flaneursalon im Theaterhaus sein fünfzehnjähriges Bestehen. Mit Dacia Bridges & Wolfgang Dauner, Los Santos (mit Stefan Hiss), Roland Baisch, Toba Borke & Pheel - und als Gast Uta Köbernick. 20 Uhr. Vorverkauf: THEATERHAUS Kartentelefon: 07 11 / 4020 720.



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LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne vom Donnerstag:



TOTE VÖGEL

Eine Bundestagswahl muss eine todernste Sache sein. Warum sonst würden darüber am selben ­Abend Stimmungskiller wie Atze ­Schröder, Dieter Hallervorden und die Sportfreunde Stiller in ARD und ZDF ­diskutieren. Zum Glück ist die Sache bald gelaufen, und danach werden sich die ­Fernsehsender beeilen, die ersten Jahres­rück­blicke aus­zustrahlen. Schließlich hat im fortgeschrittenen September in einigen Läden bereits das Weihnachtsgeschäft ­begonnen. Die Manager beweisen gutes Gefühl für ihren super Markt, wenn sie ­Lebkuchen und Spekulatius in die Regale stopfen ­lassen, bevor ­ihnen die Osterhasen den Platz im Leben wegnehmen.

Soll bloß keiner glauben, nach der ­Bundestagswahl am kommenden Sonntag seien all die Lügen- und Täuschungs­manöver beendet.

Schon am 25. Mai 2014 stehen die Gemeinderatswahlen und ein paar ­andere Urnen-Wettkämpfe im Kalender. Als Propaganda-Typ einer Partei würde ich am Montag mit der Kampagne für die Gemeinderatswahlen beginnen, noch bevor sich die Leute beim ersten Jahresrückblick auf ihr vergeudetes Leben besinnen. Als Spaziergänger, ­genau genommen: als Kesselherumreiber, verengt sich der Blick, und so setzte ich mich leicht panisch in den nächstbesten Regionalexpress und fuhr nach Reutlingen. Das schöne Reutlingen hatte ich zuvor so gut wie nie ­gesehen, wertet man ein paar Auswärts­spiele der Stuttgarter ­Kickers nicht als Besuch in der Stadt. Als ich in Reutlingen ankam, war gerade Wochenmarkt. Die Händler verkauften Auberginen, Mangos und ­Tiroler Käse, all die feinen Sachen, die eine fruchtbare schwäbische Region zu bieten hat. Das Marktrecht ­besitzen die Reutlinger seit gut 800 Jahren, und da kommt einiges zusammen, was für einen ordentlichen Rückblick taugt.

Auf dem Marktplatz, in einer von den üblichen Bankenkästen gezeichneten Altstadtkulisse, erzählte mir ein Einheimischer eine denkwürdige Geschichte. Ende Juli, als er wie üblich morgens um fünf auf­gewacht war, bemerkte er, dass die Vögel nicht  ­zwitscherten. Die Singvögel sangen sonst immer um diese Zeit, aber Ende Juli sangen sie nicht. Sie waren tot. Der Hagel hatte Tausende von Sing­vögeln erschlagen, und ihre Hinterbliebenen trauerten schweigend. Drei Jahre werde es dauern, sagte der Mann, bis sich der Vogelbestand wieder normalisiert habe. An das Unwetter Ende Juli kann ich mich erinnern. Ein befreundeter Musiker rief mich an, weil er im Reutlinger Hagel seinen neuen Kleinbus verloren hatte. Total­schaden. Müsste ich einen Jahresrückblick ­zusammenstellen, würde ich von den Reutlinger Vögeln berichten. Ein Mann auf dem Wochenmarkt, würde ich den Leuten erzählen, hat mich gelehrt, was es bedeutet, wenn ­Totenstille herrscht.

Solche Gedanken kommen dem Herumgeher, wenn er im Herbst Regionalexpress fährt. Und wenn er am Stuttgarter Bahnhof aussteigt, erinnert er sich, wie Bagger dem Bahnhof von Ende August bis Ende September vor drei Jahren seinen Flügel ­ab­gehackt haben, als wäre er ein toter Vogel. Es war der Nordflügel, der Südflügel kam später dran. Und am 30. September vor drei Jahren machte eine Polizei­armee im Schlossgarten neben dem Bahnhof die Demonstranten gegen Stuttgart 21 nieder. Da verging nicht nur den Vögeln in den ­Bäumen das Zwitschern. Die Uniformierten in den Wasserwerfern verrichteten ihre Arbeit gründlich, etliche Demonstranten traf es hagelschlagartig. Noch lange werden die Leute, die ein Gedächtnis für die Dinge in der Stadt haben, vom „Schwarzen ­Donnerstag“ erzählen. Die juristische ­Aufarbeitung ist ja noch gut präsent.

Im kommenden Jahr ist es hundert Jahre her, dass nach den Plänen von Paul Bonatz mit dem Bau des heutigen Stuttgarter Hauptbahnhofs begonnen wurde. Das war 1914, als der Krieg ausbrach. Nicht nur deshalb wird dieses Datum kein Anlass sein für eine Gedenkfeier zu Ehren des Bonatz-Baus, es wird kein Fest geben wie in New York, wo in diesem Februar das Jubiläum zur Fertigstellung des Grand Central Terminal vor hundert Jahren ­begangen wurde. Spekulanten wollten auch mal den New Yorker Bahnhof abreißen, mit dem Argument, das Grundstück sei mehr wert als das Gebäude. Ein Gericht hat es ihnen verboten, und bei der jüngsten Restaurierung, das war schon in diesem Jahrtausend, holte man Zirkusartisten, um den Sternenhimmel an der Bahnhofsdecke anzubringen.

Vermutlich werde ich wieder ein paar Leser-Mails erhalten, am besten solle ich doch so schnell wie möglich in den nächsten Regionalexpress steigen und aus der Stadt verschwinden, und das werde ich tun, bald nachdem die Bundestagswahl ihre toten Hosen hinterlassen hat. Es scheint ein guter Herbst zu werden, und mit etwas Glück werde ich den Sternenhimmel sehen.



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