Bauers Depeschen


Dienstag, 17. September 2013, 1174. Depesche


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FLANEURSALON FEIERT

15. GEBURTSTAG IM THEATERHAUS

Am Montag, 4. November, feiert der Flaneursalon im Theaterhaus sein fünfzehnjähriges Bestehen. Mit Dacia Bridges & Wolfgang Dauner, Los Santos (mit Stefan Hiss), Roland Baisch, Toba Borke & Pheel - und als Gast Uta Köbernick. 20 Uhr. Ein volles Geburtstags-Haus wäre ein Trost für die Welt. Übrigens: Der Vorverkauf im THEATERHAUS läuft nicht schlecht. - Kartentelefon: 07 11 / 4020 720.



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LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



DER HÖHEPUNKT

Die Dinge kommen und gehen. Wer wüsste das besser als ein Spaziergänger. Zum Hallschlag kommt neuerdings die Straßenbahn, die Linie 12. Es gab Zeiten, da sagten die Leute im Kessel: Zum Hallschlag fahren nur Polizeiautos. Lange her. Heute ist das Revier für Umtriebige und Neugierige eine Hallschlagader in der Stadt. Ich wünsche allen Menschen in dieser Gegend, dass mit der „Standort­qualität“ (wie die Politiker sagen) nicht auch gleich die Mieten steigen. Eine Hallschlag-Tour wird für mich fällig, wenn die Aufregung um den Neuankömmling der SSB vorbei ist, wenn sich der Geruch des Empfangskomitees verzogen hat.

Dicht beieinander lagen Kommen und Gehen in der jüngeren Geschichte der alten Stadtbücherei, dem Wilhelmspalais. Nachdem man die neue Bibliothek in einem Baugebiet mit dem so großkotzigen wie unsinnigen ­Namen Mailänder Platz eröffnet hatte, wurde der Palast am Charlottenplatz eine Bühne für Partys, Konzerte, Lesungen, Shows. Ausnahmsweise ergibt heute ein läppischer Straßenreim Sinn: Ende / ­Gelände. Unzählige junge Menschen belagerten in den Sommertagen die Wiesen vor dem ­schönen, im 19. Jahrhundert von Giovanni Salucci erbauten Haus. Das Leben blühte, und es blühte ausgerechnet im ­Abgas der Konrad-Adenauer-Straße. Diese Stadtautobahn vergiftet das urbane Klima zwischen Staatsgalerie und Staatsbühnen in jeder Hinsicht, sie zerstört das kulturelle Herz der Stadt. Im Umfeld der brachialen Stuttgart-21-Operationen interessiert das keinen. Warum auch. Bei den Stuttgarter Umwälzungen unserer Tage geht es nicht um Stadtplanung. Es geht um Geld. Gedeckelt werden nicht hässliche Straßen, sondern politisch unbequeme Dinge.

Der Wilhelmspalais hat als Unter­haltungstempel ausgedient, das neue Stadt­museum wird einziehen. Dagegen ist vorerst nichts zu sagen. Wir müssen prüfen, was das Museum den Menschen zu bieten hat. ­Schade ist es um die Achse von der Bibliothek zum Live-Club Universum in der ­U-Ebene des Charlottenplatzes. Da herrschte ein lustiger Asphalt-Groove zwischen Hedonisten-Party und Veganer-Punk.

Veganer gibt es nicht nur bei den Punks und am Hallschlag, wozu ja auch das ­Römerkastell zählt, dieses Territorium der Trend­bewussten. Folge ich nicht nur meinen Privaterfahrungen (auf die ich nicht so viel gebe), glaube ich auch einem Text der „Frankfurter Allgemeinen am Sonntag“, ist der komplette Verzicht des Menschen auf tierische Produkte in Deutschland nicht nur hip, sondern auch ein großes ­Geschäft. „Vegan ist das neue Bio“, sagt Jan Bredack, der Erfinder der Supermarktkette Veganz. Er war einst Daimler-Manager, ehe ein Burn-out sein Leben veränderte. 2015 will er auch in Stuttgart eine ­Filiale eröffnen.

Bei allen gequälten Schweinen dieser Welt – als bekennender Fressgeneralist will ich bei Gott keine Fleischesser-Debatte vom Bauzaun brechen. Vielmehr muss ich mich aus aktuellen politischen Gründen dem armen Laubfrosch widmen. Höre ich Frosch, denke ich an die Grünen, an weit aus­gefahrene Zungen und das Kommen und Gehen je nach Wetterlage. Die Pietät verbietet es mir, dem großen Cheffrosch ­Kretschmann eine schlüpfrige, gar humorvolle Annäherung an die Feuchtgebiete seiner Gattung zu unterstellen. Lediglich der Blick auf ein grünes Wahlkampf-Plakat macht mich stutzig. Der ­Auftritt des heiligen Landesvaters in Begleitung des Bad Uracher Möchtegern-Popstars Cem Özdemir und der Partei-Funktionärin Katrin Göring-Eckardt an diesem Mittwoch auf dem Schlossplatz hat das Knaller-Motto: „Wir kommen zum ­Höhepunkt“. Und diese Drohung steht nicht für sich allein. Unterstützt wird der Akt von einer „Blassportgruppe“.

Im Wissen, dass es sich bei dieser Truppe weniger um die Grünen-Miliz als um eine Brass-Band handelt, muss ich noch schnell das Geheimnis der Laubfrösche lüften: Der Name Laubfrösche, habe ich gelesen, steht für ein „schwäbisches Gericht“, zubereitet mit Wickeln aus ­Mangold- und Spinat­blättern, gefüllt mit Zwiebeln, Kräutern und Brot. Es handelt sich also um ein ­vegetarisches Mahl – sogar vegan, sofern nicht ein kannibalischer Bäcker heimlich Kuhmilch in den Brotteig geträufelt hat.

Sogar die Aussicht auf schwäbische ­Vegan-Laubfrösche im Schlund erscheint mir im Moment ­erregender als die Vorstellung, auf dem Schlossplatz könnten die Bio­-Grünen zum Höhepunkt kommen.

Zeit zum Gehen, sagt der Spaziergänger. 



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