Bauers Depeschen


Dienstag, 03. September 2013, 1166. Depesche


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ABSTIEGSKAMPF: Stuttgarter Kickers - Spvgg Unterhaching 2:3



Lieber Zu Weit Gehen Als Gar Nicht.



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Die aktuelle StN-Kolumne:



ZWEIKAMPF

Ich war nicht in der Stadt, ich saß vor dem Flachbildschirm. Duelle sind eine ernst­hafte Sache, nie habe ich eines überlebt, an das ich mich erinnern könnte. Wikipedia deutet ein Duell als ­geordneten, freiwilligen Zweikampf mit „gleichen, potenziell töd­lichen­ Waffen, um einen Ehrenstreit aus­zutragen“. Stilgerecht wählten die CDU-Politikerin Merkel und der SPD-Politiker Steinbrück für ihr „TV-Duell“ eine potenziell tödliche Waffe. Sie heißt Langeweile und bringt nicht die ­Duellanten, sondern die Zuschauer um.

Der Duden definiert ein Duell auch als „Zweikampf mit geistigen Waffen“. Wer sich das „Aufeinandertreffen“ von Merkel und Steinbrück antat, weiß es: Das war kein Duell. In Wahrheit standen sich bei diesem Scheinmanöver zwei Fragerinnen und zwei ­Frager sowie eine Kanzler-Darstellerin und ein Politiker-Darsteller gegenüber. Macht zusammen sechs Flachbild-Duellanten. Bei geordneten Duellen hingegen werden zwei ­Rivalen von je einem Sekundanten begleitet, im Frühtau kaum wahrnehmbar.

Die Kampfgeschichte kennt auch ein legendäres „Duell zu dritt“. Diese Formulierung ist zwar absurd, wird aber immer wieder gebraucht. Genau genommen geht es um ein „Triell“. Sergio Leone hat es in ­seinem Italo-Western „Zwei glorreiche ­Halunken“ inszeniert. Im Showdown stehen sich Clint Eastwood, Lee Van Cleef und Eli Wallach auf einem Friedhof gegenüber. Dort lagert Gold. Und selbst bei diesem Triell wird im Grunde nur ein Duell aus­getragen, wenn auch ein getürktes. Clint Eastwood nämlich hat heimlich die Kugeln aus Eli Wallachs Kanone genommen, so dass er sich auf Lee Van Cleef konzentrieren und ihn in Ruhe erledigen kann. Der Depp ist am Ende Eli Wallach, er muss das Gold ausgraben. Dieser Dreikampf erscheint etwas unfair geordnet, ist aber politisch korrekt und vor allem lustig, was man vom kampflosen Sechskampf im „TV-Duell“ auf vier Fernsehkanälen nicht behaupten kann.

Wie ein anständiger Zweikampf geführt wird, zeigt Arthur Penns Western ­„Duell am Missouri“. Marlon Brando spielt den Regulator, einen etwas schläfrig wirkenden Fresssack in Frauenkleidern, der für Geld und aus Spaß Menschen jagt. Zu Ehren der Gerechtigkeit gibt es in dieser Geschichte auch Jack Nicholson, er ist der Pferdedieb Tom ­Logan und entscheidet das ­Duell auf betörende Weise. Als der Regulator am Ende des Films noch verschlafen auf einer Wiese herumliegt, steht Tom ­Logan über ihm und sagt: „Weißt du, weshalb du gerade aufgewacht bist? Ich habe dir soeben die Kehle durchgeschnitten.“

Solche Szenen voller Poesie erwähne ich nicht nur, weil sich Steinbrück gern seiner „Westernfilm-Erfahrung“ rühmt und regelmäßig die „Kavallerie satteln“ will, als wäre er der Teufelshauptmann in John Fords gleich­namiger Pferdeoper am Roten Fluss. Zur Nach­besprechung des „TV-Duells“ saß neben Alice Schwarzer und anderen Chargen auch Paul Breitner im Studio. Nicht nur, dass Breitner einst in Peter Schamonis Western-Parodie­versuch ­„Potato Fritz“ den Kavallerie-Sergeant Stark gab. Wenig später machte er sich erneut einer Attacke auf die Kultur der Zivilisation schuldig. Er war Werbemann für das Rasierwasser ­Pitralon. Viele Menschen verurteilen diese Operation bis heute als Giftgas-Angriff.

Sei’s drum. Geschmacksfrage. Ehrlos ist, wenn das übliche Worthülsen-Geknatter zum „TV-Duell“ aufgeblasen wird, um die Einschaltquoten zu steigern. Am Ende gilt wieder einmal der Satz des Musikers Frank Zappa: ­„Politik ist die Unterhaltungs­abteilung der Wirtschaft.“ Eine Schnarcher-Abteilung. Tom Logan ist nervös.



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