Bauers Depeschen


Sonntag, 01. September 2013, 1165. Depesche


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3. LIGA: VfL Osnabrück - Stuttgarter Kickers 2:2



Lieber Zu Weit Gehen Als Gar Nicht.



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LIED DES TAGES



DIE GEBURTSTAGS-SHOW:

15 JAHRE FLANEURSALON

IM THEATERHAUS

Im Herbst 1998 habe ich im Rahmen einer Mix-Show im Gustav-Siegle-Haus mein erstes Kolumnen-Buch vorgestellt, es hieß "Stuttgart - my Cleverly Hills". So entstand Joe Bauers Flaneursalon. Am Montag, 4. November (20 Uhr), feiern wir im Theaterhaus unseren 15. Geburtstag. Auf die Bühne gehen Künstler der ersten Stunde, die uns schlägt - z. B. Stefan Hiss (mit Los Santos) und Roland Baisch (als Conférencier), und zum Jubiläum kommen ehrenwerte Gäste: Erstmals treten die Sängerin Dacia Bridges und der Pianist Wolfgang Dauner zusammen auf; sie präsentieren Lieder von Marlene Dietrich. Aus der Schweiz reist die Chansonsängerin Uta Köbernick an - und den Groove des Abends machen der Rapper Toba Borke und der Beatboxer Pheel. Vorverkauf im THEATERHAUS. Kartentelefon: 07 11 / 4020 720



Die aktuelle StN-Kolumne:



DER BETTLER

Ich bin Kunde bei einem Physiotherapeuten, den ich schon lange kenne. Früher hat er die VfB-Spieler so hart gefoltert, bis sie ihn mehr fürchteten als ihren Trainer. Als ich ihn neulich aufsuchte, musste ich die rechte Hand ausstrecken. Er sah mich an und sagte: Mann, mit dieser Hand taugst du nicht mal zum Betteln. Ich sagte: Mann, wie soll ich dann deine Scheißrechnung bezahlen?

Eigentlich, verehrtes Publikum, wollte ich heute zum August-Ausklang nur etwas Werbung für „Die Nacht der Lieder“ ­machen. Am 10. und 11. Dezember präsentieren wir im Theaterhaus zum 13. Mal die Benefiz-Show zugunsten der Aktion Weihnachten unserer Zeitung. Für beide Abende gibt es noch günstige Karten; die teuren sind schon weg. Das Geld, wohl mehr als 30 000 Euro, werden wir Menschen in Not geben.

Die meisten Leute denken bis heute, Stuttgart sei eine reiche Stadt. Mag sein. Aber der Reichtum ist anders verteilt als früher. Jeder Fünfte in der reichen Stadt ist armuts­gefährdet. Und eine Benefiz-Show, auch als Wohltätigkeitsabend oder in besseren Kreisen als Charity bekannt, ist in Wahrheit ein Akt der Bettelei: Zig Künstler treten ohne Gage auf. Und bieten dafür dem Publikum etwas, das die Eintrittskarte wert ist. Sonst kommt der Folterknecht.

Der weltberühmte Geiger Joshua Bell setzte sich vor einigen Jahren als Straßenmusiker verkleidet in eine Metro-Station von Washington. In 45 Minuten spielte er sechs Bach-Stücke. In dieser Zeit blieben nur sechs Leute stehen, 20 gaben ihm im ­Vorübergehen Geld. Herr Bell verdiente 32,17 Dollar. Der Clou an der Geschichte: Der Virtuose spielte mit seiner 3,5 Millionen Dollar teuren Stradivari. Als sein Konzert beendet war, applaudierte kein Mensch.

Nicht erst seit ich von dieser Geschichte gehört habe, bin ich wachsam, wenn ich Straßenmusiker sehe. Einige von ihnen haben früher, vielleicht irgendwo im Osten, in großen Konzertsälen gespielt. Und ­irgendwann Pech gehabt. Vielleicht musste ihr Orchester mit einem anderen fusionieren, oder ihre Regierung hat eine Abteilung ihrer Musikhochschule dicht gemacht.

Der Physiotherapeut hat mich drauf­gebracht, was es mit dem Handaufhalten auf sich hat. Die Stadt ist voller Bettler. Es gibt Tage, da sind so viele unterwegs, dass die SSB davor mit Lautsprecherdurchsagen warnen. In der Regel warnen sie vor Drücker-Kolonnen, organisierten Banden, die Menschen zum Betteln zwingen und ihnen danach ihr Geld wegnehmen: eine auch in der legalen Wirtschaft ähnlich verbreitete Form von Arbeit und Ausbeutung.

Betteln ist ein großes Thema. Straßen­musiker beispielsweise sind keine Bettler. Sie arbeiten und nehmen dafür, was die Leute ihnen zugestehen. Das ist in einigen Kneipen auch nicht anders. Ein guter Bettler baut den Passanten auf, er hat einen Spruch parat. Einmal sagte mir einer, dem ich etwas mehr als üblich gegeben hatte: „Super, Chef, die Bombe ist gesichert.“ Ich wusste nicht, was er meinte, und er klärte mich auf: Eine Bombe ist eine Zwei-Liter-Flasche. Solchen Leuten sagt man mit Freude am Geben, was Clint Eastwood einem ­Obdachlosen in dem Film „Ein wahres Verbrechen“ sagt: Hier hast du fünf Dollar, aber kauf dir dafür bloß nichts zu essen.

Es gibt viele Arten zu betteln, und es gibt durchaus Bettler mit Würde. Was es noch zu sagen gibt: Besorgen Sie sich bitte rasch Karten für „Die Nacht der ­Lieder“ im ­Theaterhaus (Telefon: 07 11 / ­­ 4 0 2 07 20). ­Womöglich werde ich Sie schon bald nicht mehr daran erinnern können, weil der Physiotherapeut­ meine Hand zertrümmert hat. Er ist ein guter Mann, aber er hasst es, wenn ich um Gnade bettle.



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