Bauers Depeschen


Donnerstag, 22. August 2013, 1160. Depesche


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Lieber Zu Weit Gehen Als Gar Nicht.



FLANEURSALON IM THEATERHAUS -

MIT DACIA BRIDGES & WOLFGANG DAUNER

Montag, 4. November, THEATERHAUS, 20 Uhr: 15 Jahre Joe Bauers Flaneursalon, die Geburtstagsshow mit Dacia Bridges & Wolfgang Dauner, Toba Borke & Pheel, Los Santos (mit Stefan Hiss), Roland Baisch - und als Gast Uta Köbernick. Vorverkauf läuft. Kartentelefon: 07 11 / 4020 720.



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Die aktuelle StN-Kolumne:



DER GEIZKRAGEN

Es war einmal. Oder auch nicht. Wenn Peter Rommel vor vierzig Jahren aus dem Bett stieg, sah er in den Spiegel und dachte nach, wie sein Film laufen könnte. Ob es Zeit sei für einen Schnitt, eine Wende, oder ob die Dinge von allein ihren Lauf nähmen. Jetzt ist er 57, und es sieht aus, als käme seine Geschichte gerade richtig auf Touren. Heute startet „Feuchtgebiete“, die Verfilmung von Charlotte Roches Bestseller, in den Kinos. Der Produzent heißt Peter Rommel.

Seine Wahlheimat ist Berlin. Zurzeit ist er in Stuttgart. Morgen, am Freitag (20.30 Uhr), gastiert er mit Charlotte Roche und seiner Hauptdarstellerin Carla Juri im ­Metropol. Es gibt noch mehr zu er­ledigen in der Stadt. Die Mutter be­suchen, Freunde treffen, Luft holen im Bad Berg.

Peter Rommel ist 1956 in Stuttgart geboren. Etwas Schule, Buchhändlerlehre. Im Kopf immer nur Kino. Und Rockmusik. Und Fußball (VfB). Es gibt Menschen, die haben ein ­Talent, ihr Leben als Road Movie zu leben, vorwärtszukommen auf eigene Faust. Anscheinend hat Rommel dieses Gen seinen Kindern vererbt. Neulich sagten ihm seine Töchter Mascha, 23, und Leticia, 26, sie müssten dringend nach Locarno. „Feuchtgebiete“-Premiere. Sie leihen sich sein Firmenauto, einen Volvo-Kombi mit 345 000 Kilometern auf dem Buckel. Auf der Tour von Berlin ins Tessin werden sie an jeder Tankstelle gefragt, ob sie ernsthaft vorhätten, mit dieser Karre ihre Reise fort­zusetzen. Blöde Frage. Sie brauchten den Volvo ja zum Übernachten; Hotels sind zu teuer.

Als Charlotte Roche bei der Ankunft der Frauen mitbekommt, dass sie in der Schrottkiste schlafen wollen, bucht sie ­ihnen schnurstracks ein Hotelzimmer. Der Dumme ist der Alte. Ganz Locarno erfährt, dass der „Feuchtgebiete“- Produzent seine Kinder im Auto pennen lässt. Seine Aus­rede, die Damen hätten unbedingt ihre Hippie-Nummer machen wollen, glaubt keiner. „Ich war wieder mal der Geiz­kragen“, sagt er, „der alte Schwoba­seggel.“ Diese Geschichte erzählt er gern, weil sie etwas über Charlotte Roche sagt. „Es macht ihr Spaß, Freude zu schenken, seit sie viel Geld verdient.“ Ihr ­Roman „Feuchtgebiete“ hat sich mehr als zwei Millionen Mal verkauft.

Rommel hat gelernt, auf Geld zu achten. Das ist sein Job. Er hat Mut zum Risiko. Ist ein Spieler. Nimmt den direkten Weg zum Tor. Als er in den Siebzigern Martin Scorseses düsteres New-York-Drama „Taxi Driver“ sieht, setzt er sich in den Kopf, beim Film­ zu landen. Anfang der Achtziger zieht er nach Berlin, arbeitet an der Filmbühne am Steinplatz an der Kasse. Nebenbei gründet er mit Freunden die Stuttgarter Mitfahrzentrale West. In Berlin versucht er sich als Kleinverleiher. Und hat Glück. Anfang der Neunziger nimmt er den Spielfilm „Children of ­Nature – Eine Reise“ in seinen Verleih, er glaubt an eine ­Fügung: Fridrik Thor Fridrisson, der Regisseur, ist ein Freund des isländischen VfB-Stars Àsgeir Sigurvinson. „Children of Nature“ wird für einen Oscar nominiert. Rommel kann in Berlin seine erste Produktionsfirma gründen.

1999 dreht er mit dem Regisseur Andreas Dresen „Nachtgestalten“ und erntet bei der Berlinale gute Kritiken. Mit demselben Regisseur gelingen ihm acht­bare Kinoerfolge wie „Sommer vorm Balkon“, „Wolke 9“, „Whisky mit Soda“. Zwischendurch lässt er die jungen Filmstudenten Lisa Sperling und Florian Kläger die Doku „S 21 – denk mal!“ drehen. Die Hommage an den Protest sorgt bei der Berlinale 2011 für Aufsehen.

Charlotte Roche lernt er in der Jury eines Filmwettbewerbs kennen. Sie ist unkompliziert, man versteht sich. Als sie ihn Monate später anruft, ob er „Feuchtgebiete“ produzieren will, ist er gerade in Saarbrücken. Am Bahnhof kauft er sich ihr Buch, liest es und vermisst „den Kinostoff, das Drama“. ­Wieder macht er sein Ding. „Zum ersten Mal musste ich richtig kommerziell denken“, sagt er. Er nimmt alle Fäden selbst in die Hand, ­er legt fest, wie der drei Millionen Euro teuere Film auszusehen hat.

Und jetzt Schnitt. Ein paar Tickets müssen her. Am kommenden Dienstag spielt die US-Rockband Eels im Theaterhaus. Die Musiker sind bekannt für ihre radikale Eigenwilligkeit. Rommel muss da hin.



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