Bauers Depeschen


Samstag, 17. August 2013, 1158. Depesche


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Lieber Zu Weit Gehen Als Gar Nicht.



15 JAHRE FLANEURSALON LIVE -

DIE GEBURTSTAGS-SHOW

Am Montag, 4. November, im THEATERHAUS (20 Uhr): mit Dacia Bridges & Wolfgang Dauner, Toba Borke & Pheel, Los Santos (mit Stefan Hiss), Roland Baisch - und als Gast Uta Köbernick. Kartentelefon: 07 11 / 4020 720.



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LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne (die in der Zeitung heute aus inhaltlichen Gründen einspaltig erscheint - und deshalb etwas anders aussieht als sonst):



KAFFEE

Was Sie heute hier sehen, meine Damen und Herren, entspricht einer klassischen Zeitungskolumne: eine Säule (lateinisch: columna, englisch: column) auf einer Zeitungsseite, kerzengerade an den Rand gestellt, traditionell gefüllt mit einem sogenannten Meinungsbeitrag, also mit individuell aneinandergereihten, nicht der Objektivität dienenden Buchstaben. In manchen Gegenden verbirgt sich hinter diesem Format (so sagen wir TV-Kunden) die Meinungsfreiheit. Das bedeutet: Jeder darf seine Meinung sagen, solange er nicht gegen Stuttgart 21 ist.

Damit eine Meinung straffrei geäußert werden darf, gibt es seit jeher den Narren. In Deutschland ist ­daraus Anfang des 20. Jahrhunderts der Kabarettist geworden. Das Wort ­Kabarett lehnt sich an das französische Cabaret an; es steht für die Schänke, wo jeder seine Meinung loswerden darf, wenn er die richtige dabei hat.

Heute können die meisten Leute Kabarett und Cabaret nicht mehr unterscheiden (auch nicht der Duden). Dabei hatten die Wörter lange völlig verschiedene ­Bedeutungen. Das Cabaret war eine Rotlicht-Bar mit Bühne für hüllenlose ­Damen. Das Kabarett eine Theaterbude mit Podium für humorvolle Wortkünstler. Der große Kabarettist Werner Fink – er leitete nach dem Krieg die Stuttgarter „Mausefalle“ in der Tübinger Straße – hat die Begriffe denkbar präzise definiert: ­Cabaret wie Callgirl (eine ­Dame, die man kaufen kann), Kabarett wie Kassandra (die Dame, die das Unheil voraussagt, aber keine Beachtung findet).

Eine verdammte Kassandra ist der Stuttgarter Kabarettist Mathias Richling. Er verkörpert das Kabarett großartig, weil er ein Komiker ist, ein Poet und ein Philosoph. Seine neue Bühnenshow, die im Oktober Premiere hat, heißt „Deutschland to go – das Programm“. Der Begriff „to go“ (zu Deutsch: gehen, laufen, funktionieren usw.) ist bei uns ein Brechmittel, seit es „Coffee to go“ gibt. Vielen erscheint diese Floskel inzwischen so uncool, dass sie voll übel „Gehkaffee“ bestellen.

„Coffee to go“ heißt in etwa „Kaffee zum Mitnehmen“. Viele Koffein-Dealer sind von ihrer Papp-Plörre so berauscht, dass sie, frei von jedem Gedanken, „Coffee to go zum Mitnehmen“ auf ihr Kiosk-Schild drucken. (Übertroffen wird der Togo-Terror nur von der Reklame einer Stuttgarter Bäckerei: „Let’s brezel“).

Auch Fußballreporter im Fernsehen sind auf dem Togo-Trip. Bis zum Nervenkollaps strapazieren sie das englische „Five  ­minutes to go“ (das Spiel dauert noch fünf Minuten) auf Deutsch: „Noch fünf Minuten zu gehen . . .“

Dagegen ist Richlings „Deutschland ­­to go“ ein ehrbares Kassandra-Versprechen. Du kaufst dir eine Kabarett-Karte und nimmst dafür ganz Deutschland mit nach Hause. Und weil man in einer Zeitungssäule eine Meinung haben darf, rate ich, „Coffee to go“ endlich richtig zu über­setzen: „Kaffee zum Davonlaufen“.

In diesem Sinne: „Stuttgart 21 ­to go“ – und ein geiles Weekend zum Mitnehmen.



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