Bauers Depeschen


Samstag, 03. August 2013, 1151. Depesche


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Die aktuelle StN-Kolumne:



ABKÜHLUNG

Sieben Wochen vor der Bundestagswahl erscheint mir die Propaganda der Parteien erschreckend aggressiv, bissiger als jede Kampagne für ­Kukident. Nach wie vor etwa hängen die Plakate des CDU-Kandidaten Stefan Kaufmann in der Stadt, und noch immer kündigen sie seinen Raketenstart in diesem Wahlkampf an, obwohl seine Premiere im Theatersaal des Altersheims Augustinum schon einige Zeit zurück liegt.

Kaufmanns örtliche Restpartei macht unterdessen bei fünfunddreißig Grad im Schatten Schlagzeilen mit der Drohung, sie kämpfe für die Einrichtung eines Badesees. Eine großartige Idee. Ich freue mich auf erregende Schlammschlachten, beschallt vom Sound der „Stadtstrand“-erprobten Dorf-DJs, beduftet vom Grillfett der üblichen Budenbetreiber.

Der Badesee ergibt Sinn, weil die Stadträte mit solchen Freischwimmer­-Übungen von ihrem skandalösen Umgang mit dem Wasser der Stadt ablenken können. So muss sich keiner von ihnen mit einem Rettungsplan für das schändlich ignorierte Mineralbad Berg beschäftigen oder sich um einen bürgerfreundlichen Zugang zum Neckarufer kümmern.

Das Thema Badesee passt bestens in das Event-Geschwafel der Politiker und ihrer Planer, die nichts, aber auch gar nichts ­leisten, um ihrer Stadt ein halbwegs erkenn­bares Profil zu geben. Es wäre keine Überraschung, würde die SPD die Planscherei der Schwarzen in diesen heißen Tagen mit einem kosten­losen Ventilatoren-Verleih kontern. Die Roten rotieren ja fortwährend umsonst.

Angesichts des politischen Hochsommers fürchten die Grünen womöglich schon das frühe Abseits, weshalb ihr in Berlin lebender Superstar Cem Özdemir („Yes, we Cem“) eine Offensive als Freizeitkicker ankündigt. An diesem Sonntag veranstaltet er im Vaihinger Schwarzbach-Stadion sein „Partei-übergreifendes Fußball-Turnier“, und zwar unter dem Motto: „Hier wird nicht um Stimmen, sondern um Tore gekämpft.“ Dieser erregend elegant formulierte Slogan könnte mit ­Özdemirs Migrationshintergrund zu tun haben: Er wurde in Bad Urach geboren. Dort hinterlässt der internationale Fußballsport seit jeher weniger Spuren als das ­heimische Kalkaufkommen.

Sieben Wochen vor dem Urnengang geben sich die lokalen Helden auffällig still. Vor allem der Regierungschef Kretschmann, nach wie vor den Grünen zu­gerechnet, glänzt durch Schweigen. Krach gab es zuletzt, als Kretsch­manns Kultus­minister die Schullehrer, die Ex-Kollegen des Ministerpräsidenten, zum Praktikum in die In­dustrie ­schicken wollte. ­Spötter sagten, die Lehrer könnten so ihre Schüler­ besser auf das postindustrielle Zeitalter vorbereiten. Früher waren Kretschmanns ­Ge­nossen noch ­freiwillig in die Fabrik gegangen, um das Proletariat auf die Weltrevo­lution einzustimmen. Heute ist das nicht mehr so hip.

Den bisher besten Wahlkampf-Slogan habe ich beim Sommerfest im Schlossgarten entdeckt. An der Königstraße, am Eingang zum weißen Zeltlager, wirbt eine fette Schrift für meinen Lieblingskandi­daten. Er heißt Ox am Spieß. Herr Ox vereint wie kein Zweiter alle Eigenschaften des erfolgreichen Parteipolitikers der Gegenwart: keine Eier, aber eine ein­gebaute Mechanik zum Drehen und Wenden nach Bedarf.

Wie sich abzeichnet, stehen uns die heißesten Tage im Wahlkampf erst noch bevor. Ich bin gespannt, was die Duschköpfe der Parteien sonst noch in die Welt setzen, um die Wasserspiele der CDU zu toppen. Vielleicht bringt der Wahlkampf in dieser Stadt ja nach dem Badesee auch mal eine gute Idee zur Abkühlung des Stimmvolks hervor. Beim Blick auf die mit leuchtendem Blau schöngepinselten Rohre des „Grundwasser­managements“ bietet sich die ultimative Lösung geradezu an. Erstklassige Erfrischung in der schlimmsten Schweißperiode des Jahres verspräche die Entscheidung, Stuttgart 21 auf Eis zu legen.



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