Bauers Depeschen


Montag, 22. April 2013, 1093. Depesche


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Vorverkauf läuft ...

FLANEURSALON IN DER RAMPE

Freitag, 17. Mai, 20 Uhr, Zahnradbahnhof Filderstraße, Theater Rampe: Die Lieder- und Geschichtenshow mit Roland Baisch & Sohn Sam, Zam Helga & Tochter Ella, Toba Borke & Pheel - unsereins ist auch dabei. Den Abend widmen wir der Rampe-Intendatin Eva Hosemann - sie verlässt die Bühne nach dieser Saison. Noch einen Tusch!

INFOS UND VORVERKAUF



DAS LIED DES TAGES



Die StN-Bundesligakolumne:



MÜNCHEN ODER CHICAGO

Der zeitgenössische Fußball, das weiß jedes Kind, ist eine wichtige Sache. Er hat eine soziale, eine wirtschaftliche, eine globale politische Dimension. Deshalb ist es ­unangenehm, womöglich sogar börsen­relevant, wenn kurz vor Saisonende eine Münchner Finanzamts­angelegenheit auf dem Platz des schönen Fußballsports verhandelt wird. Wegen dieses Vorfalls geht jetzt unter, dass die Stuttgarter ­Kickers einen Punkt aus Unterhaching „entführten“ – wie „Kicker online“ meldet, ohne auch nur anzudeuten, welche Folgen dieser Coup ­haben könnte. Offenbar sind Punkte-Entführungen auf dem Territorium der zweitgrößten Gemeinde im Landkreis München weniger spektakulär als Schwarzkohle-Überführungen von Bayern in die Schweiz.

Der Täter selbst ist noch nicht überführt. „Bild am Sonntag“ meldet lediglich, der mutmaßliche Täter sei ein „Tor“, es gehe für ihn „um die Wurst“. Darum geht es auch für die Stuttgarter Kickers, ohne dass man von ihren Toren und Würstchen gebührend ­Notiz nimmt. In Stuttgart genießt das ­geschlossene Treppenhaus eines alten Fernsehturms mehr Aufmerksamkeit als der Tabellenstand eines viel älteren Fußballclubs, der in der Nachbarschaft des Fernsehturms um sein Leben kämpft.

Dauernd landet der Fußballsport in miesen Schlagzeilen. Als ob traditionelle Wett­betrügereien, handelsübliche Bestechungs­rituale und lückenhafte Steuererklärungen wichtiger wären als das schöne Fußballspiel. Wenn es dumm läuft, steigen die ­Kickers in die vierte Liga ab. Was interessiert es mich da, ob ein Mann mehr oder weniger in Stadelheim sitzt.

Unser Mann hat sich bisher nichts zuschulden kommen lassen. Gut, es gab den 20. Juni 1976. Da hat er im EM-Finale von Belgrad einen Elfmeter so hammerhart über den Torbalken gejagt, dass auf dem Ball noch heute irgendein unschuldiger Engel im Koma durchs Weltall reiten dürfte.

Der Mann selbst fand bald wieder Bodenhaftung. „Selbst die Anhänger anderer Vereine, die ihn früher ausschließlich hassten, zollen ihm heute Respekt“, schreibt „Der Spiegel“ im Februar 2013. „Die Kanzlerin möchte ihn treffen, Horst Seehofer ruft ihn vor schwierigen Entscheidungen an, Unternehmer wollen von ihm hören, wie man wirtschaftlich erfolgreich und dennoch menschlich bleiben kann, die großen Talkshows fragen jede Woche bei ihm an.“

Wenn ein Mann so viel zu tun hat, sich nebenbei noch um das Halbfinale gegen Barcelona und die Schwarzwürste für McDonald’s kümmern muss, dann möge man bitte die Pflichten des Lebens prüfen. Was ist wichtiger: die menschliche Beratung der Kanzlerin oder ein Steuerwisch vom ­Finanzamt?

All diese Dinge wird man jetzt monatelang in der Öffentlichkeit verhandeln, auch moralisch. Dies werden auch viele der Schleimer tun, die jahrelang die Nähe des Mannes suchten, der wie ihresgleichen lieber ein Schwarzgeld-Depot füllt als den Steuertopf. Bekanntlich ist diese Haltung in gewissen A-Liga-Kreisen weit verbreitet. Ironischerweise trifft es den Sünder diesmal besonders hart, weil er den Ruf des guten Menschen genoss.

Mich erinnert der Fall an Al Capone. Als man ihm vorwarf, er finanziere seine Suppen­­­küchen für Obdachlose nur aus Imagegründen, soll er gesagt haben: Nein, er hasse Armut. Heute würde er auch Leuten wie den Kickers eine Wurst spendieren.

Al Capone aus Chicago hat man allein aus Finanzamtsgründen eingelocht. Dennoch ist der Vergleich mit dem Mann aus München nicht ganz korrekt. Wenn Al Capone geschossen hat, ging es selten um Elfmeter.

Der schöne deutsche Fußballsport hat jetzt ein pikantes Führungsproblem. Am Pranger steht sein größter Steuermann.



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