Bauers Depeschen


Mittwoch, 03. April 2013, 1082. Depesche


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FLANEURSALON

IN DER RAMPE

Bald kommt die Sonne, und dann ist es so weit: Flaneursalon im Theater Rampe. Als kleine Geste zum bevorstehenden Abschied von Rampe-Intendantin Eva Hosemann, die das Theater im Zahnradbahnhof in der Filderstraße geprägt hat, machen wir am Freitag, 17. Mai, unser Familienfest. Der Entertainer Roland Baisch tritt mit seinem Sohn Sam auf, Sam singt Songs zur Gitarre, und unser Sänger/Songschreiber Zam Helga bringt seine Tochter Ella Estrella Tischa mit - auch sie eine hoch talentierte Sängerin. Ergänzt wird der Flaneursalon-Clan von dem fantastischen Rapper Toba Borke und seinem virtuosen Beatboxer Pheel. Beginn ist um 20 Uhr. INFOS UND VORVERKAUF



DAS LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



DREI TÄNZERINNEN

Es ist schön, das Herumgehen als Grenz­gänger in der Stadt. Zwischen Bohnen­viertel und Leonhardsviertel. Gegenüber der Leonhardskirche der Mann mit der ­Hellebarde und dem kleinen Hund: der Nachtwächterbrunnen mit der Steinbank für die müden Altstadt-Krieger.

Vom Charlottenplatz zum Kebab-Imbiss und links ab ­in die Pfarrstraße, die noch zum Bohnenviertel gehört. Ein Taxifahrer winkt. Er hat Neuigkeiten. Gerade haben schwer bewaffnete Polizisten den Glaskasten gestürmt, wo im Erdgeschoss der Imbiss ist. Ja, sage ich, zurzeit gibt es viele Stürme im Quartier. Das liegt am Klima.

Mir gefällt die Pfarrstraße. Das Fitness-Center, das Tattoo-Studio, der African­Fashion-Shop. Das Schild von Eugen ­Schicklers Schlosserei, gegründet 1862. Das Lokal Bernstein, die Insel-Bar, letztes Überbleibsel ­ des Animiergeschäfts. Nicht zu vergessen: das Büro des Kinderschutz-Zentrums. Gegenüber, im Leonhardsviertel, der vergitterte Kinderspielplatz. Am Straßenstrand warten zwei junge Huren auf Freier. So ist das in dem Teil der Stadt, der alt ist und städtisch.

Gleich komme ich zum schönen Wirtshaus Drei Mohren. Zum Haus mit dem Fachwerk, das eine Geschichte erzählt. Erstmals 1875 erwähnt, standen die Drei Mohren bis 1977 in der Friedrichstraße 37 beim Kleinen Schlossplatz, früher „Reiche Vorstadt“ genannt. Das Fachwerk stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert. Vor sechsund­dreißig Jahren musste die Gaststätte einem Bürokomplex weichen. Die Brauerei Dinkelacker als ­Besitzerin ließ sich überzeugen, wenigstens das Fachwerk zu retten. Sie lagerte es ein, und dreizehn Jahre später schmückten die Balken die Frontseite eines Neubaus, Pfarrstraße 23. Die Wirtsleute Sabine und Günther „Obi“ Oberkamm eröffneten 1990 das neue Restaurant mit dem alten Gesicht (heute führen sie das feine Augusten­stüble im Westen).

An der Außenwand der Drei Mohren ist nach wie vor die Skulptur mit den drei schwarzen Jungs in den goldenen Lendenschürzen zu sehen. Man muss befürchten, eines Tages könnte ein ­Tugend- oder Nachtwächter politische Korrektheit einfordern. Dann würde die Kneipe nach ihrer alten Heimat auch ihren Namen verlieren.

Peter Aurenz leitet seit vier Jahren die Drei Mohren. Ein alt­gedienter Gastronom, gelernter Konditor, lange Chef im Old ­Ascot, dem ehe­maligen Pub an der ­König­straße. Das Problem mit dem Kneipen­namen ist ihm bewusst in den Tagen, wo man böse Wörter aus Märchenbüchern streicht. Mehr Sorgen macht ihm allerdings der Ruf der Straße. Nicht jeder schätzt den urbanen Charme der Altstadt, und mancher Stammgast hat Angst, er könnte, wenn schon in keinen Polizeisturm, so doch in moralische Turbulenzen geraten.

Das ist dumm, denn die Drei Mohren sind ein liebenswertes Wirtshaus im Herzen des vergessenen Zentrums. Dunkles Holz, kleine Kronleuchter, Fenster mit Bleiverglasung, Straßenbestuhlung. Chefkoch Daniel Dürsel bereitet gute schwäbische Speisen zu. Maultaschen, Gaisburger Marsch. Es gibt württembergische Weine und faire Preise. Wichtig für das Altstadt­leben, dass es solche Orte gibt.

Die Gäste, eine lustige Gesellschaft. In der Ecke sehe ich Ludmilla Bogart. Als Tochter russischer Eltern im Harz geboren, kam sie über Australien und die USA nach Stuttgart. Einst viele Jahre Tänzerin beim Stuttgarter Ballett. Franca Barchesi aus New York ist da, Ex-Kollegin Sarah Abendroth sitzt mit am Tisch. Gesprochen wird Englisch, wie damals, als sie in John Crankos Kompanie tanzten.

Es gibt viel zu erzählen in diesem Haus. Und falls Sie Ärger bekommen mit den Drei Mohren, Herr Aurenz, nennen Sie Ihren Laden einfach „Drei Ohren“. In der Altstadt weiß man, was damit gemeint sein könnte.



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