Bauers Depeschen


Mittwoch, 13. März 2013, 1072. Depesche


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FLAENURSALON LIVE

Freitag, 17. Mai: Familien-Bande im THEATER RAMPE

(Wäre schön, wenn wir Rampe-Chefin Eva Hosemann zum Abschied einen schönen Abend vor vollem Haus bereiten könnten).

Samstag, 6. Juli: Hafen-Picknick am Neckarufer.

Montag, 4. November: "15 Jahre Flaneursalon" im THEATERHAUS



SOUNDTRACK DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



TOR ZUR WELT

An der Kriegsbergstraße, in der Nähe des zerstörten Hauptbahnhofs, wird zurzeit gebohrt und gebuddelt für „Stuttgarts neue Büroklasse“, ein elfgeschossiges Geschäftsgebäude, das durch seinen Namen besticht: „City Gate“. Tor zur Stadt.

Zuvor stand in dieser Ecke das Versatel-Haus, und damals konnte es beim besten Willen keiner ahnen: Dieser Ort, liest man auf den Internetseiten der Vermarkter (Urban Office) und der Rathaus-Propaganda, ist heute der „Mittelpunkt des wirtschaftlichen, kulturellen sowie gesellschaftlichen Lebens der Stadt“.

Für diese Art Aufklärung ist der Spaziergänger dankbar. Bisher hatte ich die abgasverseuchte Bahnhofsgegend nicht als Pforte zu den Gala-Bühnen von Ökonomie, Kunst und Society wahrgenommen. Womöglich ist für meine Sicht der Dinge das Schauspielhaus im Schlossgarten schon zu lange geschlossen, die Oper doch ein Stück zu weit weg vom Plattschuss und die Staatsgalerie nicht mehr richtig im Bewusstsein.

Dennoch ist „City Gate“ ein klug, ein geradezu perfekt gewählter Name für einen Bürokomplex im tiefsten schwäbischen Kessel. „Golden Gate“ würde zu sehr an die Selbstmorde auf der Brücke von San Francisco erinnern, „Heaven’s Gate“ zu viele schmerzhafte Bilder vom grandiosesten Filmflop Hollywoods ins Gedächtnis rufen – und ein „Tor zur Welt“ werbetechnisch zu brutal „Das neue Herz Europas“ in der Nachbarschaft angreifen.

Überhaupt ist es ein genialer Schachzug, Stuttgarts Vereinnahmung durch global erfolgreiche Investorenfamilien mit internationalen Gebäudenamen zu krönen. Man denke an den florierenden sozialen Brennpunkt City Plaza am Rotebühlplatz, an den ­südländisch inspirierten Ladenkettenbunker Milaneo im Europaviertel oder an das Discounter-Paradies Heusteig Living an der Hauptstätter Straße (vormals Möbelhaus Mammut-Beck). Vor allem Heusteig Living klingt extrem weltläufig und filmreif. Was wünschte man sich mehr als: Leben und Sterben im Mief der Stadtautobahn.

Mit solch großartigen Marketing-Ideen steht das City Gate weit offen für Stuttgarts Aufstieg von der Provinzkapitale zur Allerweltshauptstadt. Allein im Fußball haben wir noch ein scheiß Torproblem.

Beim Blick auf die Boomtown habe ich heute Hemmungen, mich den Überbleibseln des alten Stuttgart zu widmen. Es gibt allerdings einiges zu klären, bevor die Kinder der Nacht verzweifelt von der Neckarbrücke springen. Guten Gewissens darf ich mitteilen: Das Café Weiß, dieses einzigartige Nachtmenschen-Museum aus den sechziger Jahren, wird sein Gesicht behalten. Bernhard Weiß, der Sohn des 2010 verstorbenen Bar-Chefs Heinz Weiß, hat versprochen, das Erbe im Sinne seines Vaters und seines Großvaters Alois im bisherigen Stil weiterzupflegen.

Zwar wird der frühere Kellner und jetzige Wirt Ranko die Kneipe an der Geißstraße Ende März verlassen. Schon am 8. Mai aber soll ein neues Team das Café Weiß übernehmen. Wie die künftigen Chefs heißen, ist noch geheim. Sicher ist, sagt Bernhard Weiß, dass die Kneipe aus den großen Rotlicht-Tagen bleibt, wie sie ist. Lediglich die Elektriker und Flaschner müssen ran. Danach dürfte es erregender sein denn je, die Ruheräume des Hauses aufzusuchen: Im Keller arbeitet man an Stuttgarts neuer Kloklasse. Erhalten bleibt dagegen in den restlichen Abteilungen des Lokals der erotische Glanz des urbanen Schmuddels.

Das Café Weiß als fünfzig Jahre altes City Gate zum heutigen Kreisverkehr am Hans-im-Glück-Brunnen dürfte damit gerettet sein. Offenbar ist auch daran gedacht, in der Bar wie früher Lesungen und andere kleine Veranstaltungen abzuhalten, so dass sich der Laden als kultureller und gesellschaftlicher Mittelpunkt des Stuttgarter Wirtshauslebens behaupten könnte.

Mehr verrate ich nicht, auch wenn ich mir sicher bin, am Ende dieser Kolumne die letzte Pforte unserer Stuttgarter Weltmetropolenexistenz zu sehen: Die Neueröffnungsparty des Café Weiß am 8. Mai geht nahtlos über in den Himmelfahrtstag.



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