Bauers Depeschen


Samstag, 09. März 2013, 1069. Depesche


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Montag, 4. November: "15 Jahre Flaneursalon" im THEATERHAUS (Vorverkauf).



SOUNDTRACK DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



STRASSENTHEATER

In den frühen Tagen des März, wo der harte Winter 12/13 kurz Pause macht, kommt mir das Tempo meines Herumgehens langsamer vor als zuvor. Eine Sinnestäuschung. Allein der Drang, dem Sauwetter in eine wärmende Sammelstelle, also in eine zeitgemäß fette Bar oder in ein cooles Wirtshaus, zu entfliehen, hat sich gelegt. Ein Herumgeher darf sich nie vom Klima steuern lassen. Sonst wäre er wie ein Schönwetterfußballer oder ein Sommerdemonstrant.

Beim Protestieren gegen die herrschenden Zustände bläst einem manchmal ein Wind ins Gesicht, den wir aus dem Sprachlexikon der gehobenen Metapher kennen: Es ist der Furz im Einmachglas.

Am Donnerstag dieser Woche demonstrierten auf dem Schlossplatz siebenhundert Menschen gegen den Mietwahnsinn in der Stadt. Als nach einer halben Stunde die Kund­gebung um halb sechs beendet war, stolperte ich in eine Ansammlung von einem Dutzend Menschen, darunter zwei junge Polizisten in blauer Uniform, angereist in einem Kleinbus.

Einer der Polizisten war gerade dabei, einen noch jüngeren Mann abzuführen und dessen Zeitung zu konfiszieren, die er als Information über das Elend seines Landes für eine kleine Summe zum Kauf angeboten hatte. Ich nenne den jungen Mann im Folgenden „syrischen Freiheitskämpfer“, er hatte eine Fahne und einen Freund dabei.

Weil im Umfeld des umtriebigen Polizisten die Frage auftauchte, was der junge Mensch verbrochen habe, tat der Polizist alsbald kund, man verhindere seine „Amtshandlung“ und eine „polizeiliche Maßnahme“. Er forderte Verstärkung an. Im Lauf des weiteren, recht unterhaltsamen Abends kamen mehrere Polizeibusse vor­gefahren, irgendwann zählte ich ein Dutzend Polizisten und noch mehr – in vielen S-21-Aktionen geschulte – Demonstranten, welche die Polizisten über demokratische Meinungs- und Demonstrationsfreiheit aufzuklären versuchten. Es mussten in diesem staatskundlichen Dialog aus bürgerrechtlichen Gründen mehrere Personalausweise gezückt und einige Polizistennamen ­notiert werden. Der syrische Freiheitskämpfer saß unterdessen gut bewacht im Bus.

Die Aktion erinnerte an ein absurdes Straßentheater, in dessen Verlauf ein als liberal bekannter Polizist seinen Kollegen anherrschte, er solle jetzt endlich aus dem Bus kommen und sagen, „was ­Sache ist“. Eine Sache schien womöglich nicht vor­zuliegen, und mir taten nicht nur der syrische Freiheitskämpfer und seine solidarischen Helfer, sondern auch die Polizisten in ihrer Rolle als überflüssige Statisten dieses absolut sinnfreien Aktionstheaters Leid.

Der Vorfall hätte beinahe noch einen Nachrichtenwert erhalten, als sich zufällig der weithin bekannte Vorsitzende einer von Konservativen als altkommunistische Seilschaft beäugte Partei unter die Zuschauer mischte: Bernd Riexinger, der Chef der Linken, war aus Berlin in seine Heimat Stuttgart zum Mieter-Protest gereist. Auf seine freundliche Frage, ob man „die Peinlichkeit eventuell beenden“ könne, gab es erwartungsgemäß keine Antwort. Die Gesichter von Linken-Politikern dürften in schwäbischen Polizeikreisen weniger bekannt sein als die Kapuzen des Ku-Klux-Klan.

Zu guter Letzt wurde der syrische Freiheitskämpfer unter dem Beifall weiter Kreise der Bevölkerung aus dem Polizeibus ­entlassen, und alle gingen ihres Wegs. Anderntags las ich in der Zeitung, die Polizeieinsätze bei Demos gegen S 21 seit 2009 hätten 41 Millionen Euro gekostet. Rechnet man die Kosten der jüngsten Mieter-Demo dazu, dürfte das Maß voll sein.

Es ist politisch also völlig logisch, wenn der Bundesverkehrsminister Ramsauer eine Fahrpreis-Erhöhung bei der Deutschen Bahn angekündigt hat. Ich denke, da bringe ich nichts durch­einander.



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