Bauers Depeschen


Samstag, 19. Januar 2013, 1044. Depesche


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FLANEURSALON IM SCHLESINGER:

ACHTUNG, NUR NOCH WENIGE KARTEN

Der nächste Flaneursalon geht am Dienstag, 19. Februar, im SCHLESINGER über die Bühne. 20 Uhr. Erstmals mit der Sängerin UTA KÖBERNICK und ihrer Band Kritische Begleitung. Neu in unserer Truppe ist auch die grandiose Sängerin EVA LETICIA PADILLA (Dacia Bridges musste wegen eines vierwöchigen Portugal-Engagements absagen). Außerdem dabei: Zam Helga und Roland Baisch. Es gibt nur noch wenige Karten (Montag bis Samstag ab 17 Uhr in der Kneipe). Tel 07 11 / 29 65 15



MIT VINCENT KLINK

IN DEN WAGENHALLEN

Unter dem Motto "Der Häuptling spielt auf" gastiert der Meisterkoch und Basstrompeter Vincent Klink an diesem Montag, 21. Januar, in den WAGENHALLEN. Begleitet wird er von dem New Yorker Bassisten Joe Fonda und seinem etatmäßigen Pianisten Patrick Bebelaar. Ein Abend mit Musik und Geschichten. Unsereins ist als vorlesender Gast dabei. Beginn 19.30 Uhr. Nach der Vorstellung werden Fleischküchle mit Kartoffelsalat serviert.



SOUNDTRACK DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



LUFTVERKEHRSANGELEGENHEITEN

Herr Kuhn hat am Freitag Porsche in Zuffenhausen besucht. Herr Kuhn ist 57, also im besten Alter, in dem sich ein Mann guten Gewissens einen Porsche zulegen darf. Unsereins ist schon 58 und hat unlängst als Passagier in einem Porsche Cayman eine niederschmetternde Feststellung gemacht: Ab einem gewissen Alter ist es wesentlich leichter, in einen Porsche einzusteigen, als aus ihm herauszukommen.

Herr Kuhn, den die vielen Freunde, die er neuerdings hat, „Fritzle“ nennen, ist seit einigen Tagen Oberbürgermeister von Stuttgart. Ein Außenstehender wie ich kann sich die Ausmaße dieses Jobs nicht einmal im schlimmsten Albtraum vorstellen.

Herr Kuhn ist ein Chef. Er hat zwanzigtausend (20 000) Untergebene, und mir ist schleierhaft, wie eine Amtsperiode von acht Jahren reichen soll, sich all diesen tapferen Leuten als Dienstherr vorzustellen und ihnen die Hände zu schütteln.

Ein guter Unternehmer oder Manager, das wissen wir aus großen Porsche-Tagen, geht zu Fuß durch seinen Betrieb, bleibt auch mal stehen und haut seinen Mitarbeitern mit der Hand auf die Schulter. Wie einst im Fall Wiedeking so kameradschaftlich, dass der im Thai- und Schattenboxen ausgebildete Betriebsrat Hück herbeigeeilt kam, um auf die Einhaltung der sportlichen Regeln zu achten.

Wie es vergleichsweise im Rathaus zugeht, wurde bisher nur unzureichend erforscht. Frau Doktor Eisenmann beispielsweise, die Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und andere Kampfsportarten, erzählt den Leuten gern, ihre Partei, die CDU, habe sie nicht bei der OB-Wahl gegen Herrn Kuhn antreten lassen, weil sie zu häufig mit den Grünen „geflirtet“ habe. In meinen Augen ist dieses Geständnis weniger wert als die Dopingbeichte Lance Armstrongs. Für Frau Eisenmanns Flirt gibt es keinerlei Beweise. Als ich Herr Kuhn neulich zufällig auf der Straße begegnet bin, konnte ich in seinem Gesicht weder Kratz- noch Beißspuren sehen. Das bedeutet: Sein Besuch im Kultur- und Sportamt steht noch aus.

Doch auch diese Behörde ist nur eine kleine Station auf dem Weg in die Apokalypse. Allein das Telefonverzeichnis der Stadtverwaltung fördert so viele Dienststellen zu Tage, dass einem schnell klar wird: Eine Gemeinde von der Größenordnung Stuttgarts ist unregierbar. Sodom und Gomorrha ist ein Scheiß dagegen. Stuttgart ist dem Untergang geweiht, auch wenn sich mancher kleine Stadtrat für den großen schwarzen Sheriff hält. Man denke an den CDU-Stadtrat und Kuhn-Attackierer Hill, der einst im Internet kundtat: Falls sich ein S-21-Demonstrant vor sein Auto setze, „fahre ich den um“.

Ordnung muss sein. Allein die Liste des Ordnungsamts umfasst zwölf Buchseiten. Soll mir einer erklären, wie sich Herr Kuhn ungedopt durch die Dienststelle für „Infektionsschutz, Privatkrankenanstalten, Taubenangelegenheiten, Ungezieferbekämpfung, Privatkrankenanstalten, Überwachung von Wohnunterkünften“ kämpft, ehe er die Amtsstube für „Allg. Gefahrstellen, Reinigungs-, Räum- und Streupflicht, Altglascontainer, Plakatieren, Musik auf öffentlichen Straßen, Wahlwerbung“ erreicht. Lobend zu erwähnen ist die kluge Strategie, die Posten „Allgemeine Gefahrstellen“ und „Wahlwerbung“ in eine Hand zu geben. Nicht vergessen will ich auch die konzeptionelle Weitsicht im Zimmer für die Sachgebiete „Luftverkehrsangelegenheiten, Luftballonstarts, Feuerwerkserlaubnisse, Vereinsangelegenheiten, Prostitution“. Nur nebenbei die eher intime Frage an Herrn Kuhn: Was haben Ihrer Meinung nach Ballonstarts und Feuerwerkserlaubnisse mit Prostitution zu tun? Diese Praktiken im städtischen Luftverkehr waren nicht mal gängig, als Helmut Berger in seiner Stuttgart-Phase fürs „RTL-Dschungelcamp“ trainierte.

Wie gesagt, in der Haut von Herrn Kuhn möchte man nicht stecken. Die Kesselverwaltung ist ein Labyrinth. Seriöse, keiner Mafia zugehörige Kunden des Baurechtsamts haben mir zugetragen, in den Dienstzimmern für Häuslebauer sei es schon tagsüber stockdunkel. Berge unbearbeiteter Akten stellten inzwischen sogar die Fenster zu. Mancher wird glauben, es handle sich bei diesem Bild um die kafkaeske Zuspitzung bürokratischer Realität. Von wegen. Das Baurechtsamt, berichten Tatort-Zeugen, erinnere immer mehr an den Ort einer schwarzen Messe. Keiner wisse, welche Geister da am Werk seien, dank welcher Gebete und Opfergaben sie einen Bittsteller erhörten.

Meine heutige Expedition durchs Rathausreich beende ich mit einem gut gemeinten Rat: Es ist in Stuttgart vernünftiger, sich einen Porsche zu kaufen, als ein Haus zu bauen. Raus kommt man immer, spätestens mit den Füßen nach vorn. Bei eventuellen Problemen wenden Sie sich bitte an das Amt für öffentliche Ordnung, Sachgebiet „Autowracks auf öffentlichen Straßen".



BUCH

Die Berliner Edition Tiamat bringt eine kleine Nachauflage meines Buchs "Im Kessel brummt der Bürger King - Spazieren und über Zäune gehen in Stuttgart" heraus. Die ersten 1500 Exemplare gehen langsam zur Neige. Inzwischen gibt es wieder signierte Bücher im Plattencafé Ratzer Records am Leonhardsplatz.



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